🇧🇸 Adieu Bahmas – auf in die Staaten 🇺🇸
Ahoi und Willkommen zu einem kurzen Update von uns.
Ich möchte es gerne einmal sagen:
Ein herzliches Dankeschön an unsere treue Leserschaft unserer Blogs.
Nachdem wir unsere lieben Freunde in Nassau abgesetzt hatten, verließen wir diesen unwirtlich Ort sehr rasch und segelten eine große Strecke bis in die östlichen Abaco Inseln. Die Abacos bilden einen Bogen und die nordöstliche Begrenzung der Bahamas. Da sie häufig von Hurrikans heim gesucht wurden, ist die Infrastruktur dort nicht aufregend. Es gibt einige wenige Orte, wie zum Beispiel Hope Town, an denen Amerikaner ihre Häuschen gebaut haben und Hotelanlagen liegen. Der Großteil der Inseln ist wenig bis gar nicht bewohnt.
Hope Town ist außerdem für den angeblich weltweit letzten mit Kerosin betriebenen aktiven Leuchturm bekannt. Ein sympathischer Ort, wie aus dem amerikanischen Bilderbuch.


In Fox Town, wo sich wirklich Möwe und Fisch gute Nacht sagen, landeten wir mit dem Dinghy am Steg an und gingen zum einzigen Restaurant vor Ort für ein akzeptables Frühdinner. Abgesehen von der freundlichen Besitzerin und einigen Barbesuchern lehnte auf der Terrasse ein völlig verwahrloster Einheimischer, der wie ein Zombie ins Leere starrte. Crystal Meth ist in diesem Ort scheinbar sehr beliebt. Auf den Straßen irrten noch weitere Gestalten herum, sodaß wir schließlich feststellten, dass man in Fox Town nachts besser nicht unterwegs sein sollte.


Das Essen war gut und am nächsten Tag überquerten wir die Bahama Bank zu der einsamen Insel „Sales Cay“, ankerten dort noch eine Nacht und fuhren schließlich am Samstag über die Grand Bahama Bank bis West End. Der Name sagt alles. Es ist die nordwestlichste Siedlung auf der Insel Great Bahama.

Außer einer Marina und einigen Häusern und der für uns wichtigen Ausreisebehörde gibt es dort nichts. Obwohl nichts, stimmt gar nicht. Da wir in der elektronischen Seekarte den Eintrag einer „Marina Ruine“ fanden, interessierte uns was wohl hinter diesem Ausdruck stecken mag. Wir googelten, dass Anfang der Zweitausender Jahre ein amerikanisches Investoren Konsortium hier ein 4,9 Milliarden Dollar Projekt für eine Hotelanlage der Superlative geplant hatte. Es sollte neben zwei 18-Loch Golfplätzen, ein Hotel in der Größe des Schlosses Versailles bieten, weiters Restaurants, Kino, Shopping Malls, Marinas und anderes.
Die Vorarbeiten begannen, aber nach nur wenigen Jahren, in denen lediglich die Wasserkanäle und der Airport vorbereitet waren, mussten die Investoren wegen Zahlungsunfähigkeit und Schulden das Gesamtprojekt abbrechen. Das Stück Land ging an die Regierung zurück. Die Homepage und Beschreibung dieses megalomanen Projekts steht wirklich als Symbol für den scheinbar grenzenlosen Bauwahn dieser Welt. Ein kurzer Klick auf den Link zahlt sich aus. Man traut seinen Augen nicht, was Planung war und was wir als Realität der Umsetzung sahen.
Da der Wellengang und der Wind an der Küste recht stark waren und die Marina 170 $ für eine Nacht verrechnen würde, entschlossen wir uns in die Ruine hinein zu fahren. Die Einfahrt und der Kanal waren 5 Meter tief, die Wände an der Seite betoniert und mit Steinen belegt. Unglaublich teuer ausgeführte Arbeiten dachten wir, die teilweise schon wieder von der Natur zurück erobert wurde. Symi verankerten wir an einer breiteren Stelle im Kanal und nach dem Abstellen der Motoren hörten wir nur ein paar Vögel zwitschern. Die Wellen im Inneren waren kaum spürbar und es herrschte eine Ruhe, wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt hatten.

Dieser Zustand der Ruhe währte nur kurz, da wir zu Fuß bis 17:00 Uhr die circa 4 km entfernten Marina mit dem Büro der Zollbehörde erreichen mussten. Also rein ins Beiboot und in einem Seitenkanal möglichst nahe an den Flughafen heranfahren, das Boot an einem Stein fest gemacht und dann ging’s zu Fuß weiter. Hinein in ein seltsam verlorenes Projektgebiet. Eine wie in Stronachs „Fontana“ ausgebaute Straße mit fertiger und bereits kaputter Straßenbeleuchtung und Hydranten entlang. Die Bauplätze für die vorgesehenen Villen waren bereits planiert und die Strom und Wasseranschlüsse verrosteten alle 50 m vor sich hin. Beim Durchqueren dieser Anlage hatten wir das Gefühl, in einer Dokumentation über die Erde nach einem Atomkrieg zu sein. Völlig menschenleere Gegend, der Wind rauschte in den Nadelbäumen, die sich die Fusswege teilweise zurückerobert haben. Abgefallene Nadeln knirschen unter meinen Schuhen. Keiner kehrt hier mehr den Boden. Etwas später passierten wir ein altes Schild, dass zwei Golf Pros zeigte und den Eingang dieser Anlage schmücken sollte, aber zu einem traurigen Anblick verkam. Wie rasch sich alles ändern kann.


Auf dem dort eigens errichteten Flughafen parkten zwei kleine Maschinen, Menschen waren keine zu sehen.
Als wir der Marina näher kamen, passierten wir ein paar bewohnte Ferienhäuser, die aber scheinbar zum Marina Komplex gehörten. Sowohl Marina als auch die Häuser in der Umgebung boten einen eher tristen Anblick.
Das Ausklarieren war rasch erledigt und wir sparzierten die 3,6 Kilometer durch dieses unheimliche Gebiet wieder zurück und fuhren mit dem Beiboot durch den Kanal zu Symi zurück.
Wir haben nun die Bahmas hinter uns gelassen. Mehr als zwei herrliche Monate durften wir dort verbringen. Rund 1500 km kreuzten wir im Türkis umher und es war wirklich exzeptionell schön, sodass uns der Abschied nicht leicht fällt.
Wir wollten auf keinen Fall in der Ghost Town Marina mehrere Tage wegen schlechten Wetters hängen bleiben und da wir unseren Reisezeitplan, der sich nach dem Beginn der Hurrikan Saison, aber auch nach unserer Segelpause im Juli mit Heimatbesuch richtet, einhalten wollen, beschlossen wir am Muttertag-Sonntag, trotz prognostizierter 20-26 Kn Wind aus Südost, die Überfahrt nach Florida zu starten. Ein zweites Reff im Großsegel und schon gings in Richtung Golfstrom und West Palm Beach dahin.

Was ist der Golfstrom, magst du jetzt sagen.
Der Golfstrom ist eine starke, derzeit 29 Grad warme Meeresströmung im Westatlantik, die warmes Wasser aus der Karibik entlang Mexiko, der Ostküste Nordamerikas nordostwärts bis nach Europa transportiert. Er ist für das relativ warme Wetter in Europa (ohne ihn wäre es in Europa wesentlich kühler) verantwortlich. Der Strom schiebt sich wie ein riesiges Band, bis zu 200 km breit und mit einer Geschwindikeit bis zu 6 km/h nach Norden und später an Grönland vorbei Richtung Ost.
Beim Überqueren mit dem Boot bei viel Wind aus Nord bilden sich große gefährliche Wellen (Strömung gegen Wind), die eine Überfahrt sehr riskant machen können. Wir fuhren gestern bei 20 Knoten Südostwind los. Das ist eine gute Windrichtung. Beim Navigieren muss man darauf achten, daß durch den starken nördlich treibenden Strom, ein Zielpunkt nie direkt angefahren werden kann. Der Strom würde deinen Ankunftsort um gute 10km nach Norden versetzen. Um also unser Ziel – Palm Beach – nicht zu verfehlen, mußte ich den Kurs um gute 30° vorhalten und SYMI’s Bug in Richtung Boca Raton ausrichten. Mit dem AIS (grüne Bootssymbole von Fahrzeugen in der Umgebung) sah ich auch seltsame Gefährte. Ich bin schon nahe der USA, dachte ich (roter Kreis).

Obwohl es flott dahin ging fühlten sich die Wellen und das Wasser auf dem wir segelten anders und sehr unruhig an. Ich möchte mir, dachte ich, hier niemals bei Nordwind segeln. Nach acht Stunden steuerte ich in den breiten Einfahrtskanal von West Palm Beach hinein. Wir ankerten mitten im Flussbecken des riesigen Hafens. Starke Tidenströmungen und viel Wind ließen SYMI am Anker ziemlich zappeln. Aber alles war gut gelaufen. Ich mußte nun per US-App der Homeland Security die digitale Anmeldung vornehmen. Zum Glück hatte ich alle Boots- und Personedaten bereits vor Monaten in den US-Virgins eingegeben und nach ein paar Minuten erhielten wir per SMS die Nachricht, daß wir registriert waren, aber Montag beim CPB Officer des Einwanderungsbüros des Hafens vorsprechen müßten und Fingerabdrücke abgeben sollten. Ein normales Verfahren. Dann fielen wir recht müde ins Bett.
Heute morgen regnete es und wir setzten mit dem Dinghy zum Hafenamt über und durch einen freundlichen Zollbeamten erhielten wir nach zehn MInuten unsere Cruising-Lizenz für SYMI für ein Jahr in amerikanischen Gewässern und mit den Worten: „Welcome to the US, guys“ verabschiedete sich der Beamte. 36.- Dollar Fee war zu berappen. Bürokratie kostet eben.

Wie es mit SYMI und uns im Intracoastal Waterway weitergeht, was der ICW überhaupt ist und welche Pläne wir bis zum Saisonende Mitte Juli haben. Bleib bitte dran, ich werde berichten.
Mach’s gut und Ahoi von Bord SYMI
Pauli und Andrea

