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Ahoi, liebe Leser, von SailingSymi,

es ist eine Weile her, dass ich mich per Blog gemeldet habe. Der Grund dafür liegt leider in meiner Schulterverletzung, die langsam, aber stetig heilt. Mit dem rechten Arm einen Computer zu bedienen war bisher zu schmerzhaft.
Mit einer guten Dosis Tabletten und Schonung verbessert sich zwar der Schmerzpegel, die Beweglichkeit aber für Tätigkeiten über dem Kopf oder auch nur ein Glas auf dem Tisch anzuheben, schmerzt immer noch.
Da wir unseren Liegeplatz bis 7. Juli gebucht haben und derzeit kein Segeln möglich war, beschlossen wir eine andere Azoren Insel als Touristen zu besuchen. Auf der neun Inseln zählenden Azoren Gruppe gibt es keine Schiffsverbindungen mit Fähren, sondern nur Flüge mit zwei motorigen Dash 8 Maschinen. So buchten wir einen Flug nach Faial, jene Insel, die bei den meisten Atlantiküberquerern als Erste angesteuert wird. Der dort befindliche Hafen Horta ist der Treffpunkt für alle Segler, die sich nach der anstrengenden Reise erstmals ausruhen können. Nach einem 150nm und 40-minütigen Flug erreichten wir den kleinen Flughafen, der vor drei Jahren durch EU Gelder komplett modernisiert worden ist, nahmen einen kleinen Mietwagen und fuhren zu unserem Hotel, das mitten in der Stadt mit dem Blick auf den Hafen lag. Im Sonnenschein spazierten wir die Molen entlang und beobachteten ankommende Boote sowie Crews, die ihre versalzten Boote reinigten oder auch größere Reparaturen an gebrochenen Masten oder anderen gröberen Schäden durchführten. Viel Platz bietet das Hafenbecken nicht und darum ankern viele Yachten vor dem Hafen. Bekannt sind die hunderten selbst gemalten Bilder der hier angekommene Boote an den Molenwänden und Böden, mit denen sich die Crews verewigen. Da sie mit der Zeit in der Sonne verblassen, werden die alten Gemälde mit neuen Meisterwerken überpinselt. Wir fanden insgesamt drei Bilder von Freunden, die in den letzten Jahren hier vorbeigefahren waren, und sendeten die Fotos an Sie, um zu zeigen, dass ihre Werke noch immer sichtbar sind. Wir hatten keine Farbe, und ich hatte mit meinem Arm ohnehin keine Lust, uns dort zu verewigen. Wir haben unser Abenteuer im Kopf und nicht an der Mole.

Die wohl berühmteste Einrichtung im Hafen ist die seit 1918 bestehende Seglerkneipe „Peters Sport Café“, ein Lokal, in dem sich die Ankommenden das erste Bier gönnen und ihre Erfahrungen austauschen. Vor diesem Lokal trafen wir auf unsere Freunde Evelin und Michi mit ihrem Crewmitglied Andreas von der „Ocean Fantasy“, die fünf Tage nach uns Bermuda verlassen hatten und auch überglücklich angekommen sind. Es war ein schönes Wiedersehen und knüpfte direkt an unsere gemeinsamen Karibik Erlebnisse im Jahr 2024 an. Wir beschlossen die nächsten Tage miteinander zu verbringen und mit unserem gemieteten Fiat 500 gemeinsam die Insel zu erkunden.
Ebenfalls gerade angekommen, waren unsere französischen Freunde aus Bermuda mit ihrem Hund Roxy, der die 16-tägige Fahrt halbwegs überstanden hat und unser schwedischer Freund David, den wir schon im Vorjahr in Savanna kennen gelernt hatten. So trifft man nach tausenden Kilometern doch immer wieder auf alte Bekannte.

Faial, so wie alle anderen Azoreninseln, sind vulkanischen Ursprungs und vor rund 300 Millionen Jahren aus dem Ozean gestiegen. Sie gehören zu Portugal und der EU und scheinen mir die letzte Enklave in der EU, in der das Leben nicht den uns seit 2015 überall in der restlichen EU bekannten Weg beschreiten mußte.
Die Bevölkerung ist überaus freundlich. Der typische Azorianer ist eher klein und von drahtiger Statur. Viele arbeiten in der Landwirtschaft und so sind auch die wichtigsten Exportprodukte Käse, Milchprodukte Fleisch und Fisch. Die Inseln versorgen sich selbst und es fasziniert mich, dass auf den Feldern und Märkten ausschließlich einheimische Menschen arbeiteten, Flüchtlinge sucht man hier vergeblich. In den Restaurants und im Tourismus arbeiten Einheimische und seltsamerweise auch Asiaten. Die Azoren sind ein friedlicher Ort. Faszinierend ist auch die Ruhe. Schmetterlinge fliegen, Vögel singen und dicke Kühe grasen auf satt grünen Wiesen. Eine durch und durch gesunde Natur. Auffallend hier ist auch das niedrige Preisniveau. Ein großes Bier gibt es um 3,5-4 €, ein gutes Abendessen für zwei Personen kostet zwischen 40 und 60 €. Verglichen mit Amerika oder den Bermudas (aber auch Österreich) ein Paradies.
Durch die vulkanische Fruchtbarkeit der Böden sind alle Inseln von satt grünen Wiesen und einer unglaublichen Vielfalt an Blumen überzogen. Vor allem Hortensien wuchern hier überall wie Löwenzahn bei uns.
Klimatisch sind die Azoren vom Golfstrom geprägt und daher ozeanisch-subtropisch und ganzjährig mild. Die Temperaturen sind ausgeglichen mit milden Wintern (11 bis 17 °C) und angenehm warmen Sommern (19 bis 26 °C). Durch die vulkanische Entstehung trohnt auf jedem Eiland der eigene Vulkan.
Der Höchste (2000m) befindet sich auf der Insel Pico und trägt den gleichen Namen und ist meist in dichten Wolken verhüllt. Für Segler sind die neun Inseln nicht unbedingt das ideale Revier, da sie mit ihren aus 2000 m Tiefe empor wachsenden Steilküsten keine sicheren Ankerplätze bieten. Auf vier Inseln gibt es Marinas, die aber meist sehr überfüllt sind.
Mit unserem Fiat 500 umrundeten wir Faial zu fünft. Auf dem Gipfel des 800 m hohen Vulkans, wollten wir einen Blick in die bewachsene Caldeira werfen, leider aber steckte der gesamte Gipfel im Nebel und man fühlte sich an die Gipfelstation beim Skifahren erinnert. Eine Wanderung rund um den Krater verhinderte ich wegen meiner Verletzung und daher besuchten wir noch die im Westen von Faial gelegene und durch einen Vulkanausbruch 1958 neu entstandene kleine Halbinsel mit ihrem interessanten Museum.
Als krönenden Abschluß buchten wir zu fünft eine Whale-watching-Tour, bei der wir mehr als eine Stunde mit einem schnellen Schlauchboot zur Küste der Insel Pico fuhren. Neben vielen Delfinen bekamen wir am Schluß eine junge Potwaldame präsentiert. In 100 Metern Entfernung machte sie Purzelbäume und platschte mit ihrer Flosse ins Wasser. Ein unvergessliches Erlebnis.

Nach vier Tagen flogen wir zu Symi auf die Hauptinsel São Miguel zurück. Dies ist die Hauptinsel der Azoren. Sie ist 65×16 km groß hat ca. 60.000 Einwohner, von denen 25.000 in der Stadt Ponta Delgada leben. Sie ist von ihrer Größe her mit Krems vergleichbar. Zwei Marinas und ein alter Stadtkern mit den typischen kleinen Gassen und einstöckigen Häusern ist von modernen Neubau Bezirken umgeben. Es gibt viele kleine Geschäfte, eine reich sortierte Markthalle mit frischem Obst und Gemüse. Allen voran die berühmte kleine lokal geerntete Ananas, die einen wirklich intensiven Geschmack hat, wie ich ihn selten erlebt habe. In den vielen meist recht kleinen und engen Restaurants werden immer allerlei Käse mit Oliven als Vorspeisen angeboten. Bestes Rindfleisch in allen Varianten und Meerestiere stehen als Hauptspeise auf den Menüs. Als Desserts, aber auch in jeder Bäckerei, findet man die herrlichen Pastéis de Nata. Ein kleine runde Blätterteigtörtchen mit Vanillecreme Füllung, um die ich meist nicht herum komme. Sehr gefährlich.
Von der Infrastruktur her hat die Stadt alles was notwendig ist. Ein moderner Flughafen ist nur 4km vom Zentrum entfernt und im Industriehafen legen nicht nur große Frachtschiffe sondern ein paar Mal im Monat auch kleinere Kreuzfahrtschiffe an.
Sao Miguel ist so wie Faial eine üppige bewachsene grüne Insel, die unzählige Wanderwege und eine vielfältige Landschaft bietet. Wir haben bisher nur einen kleinen Teil gesehen, aber freuen uns auf die weitere Erkundung.
Unsere Freunde werden in ein paar Tagen mit ihrem Boot auch hierher segeln.
Da sich der Zustand meiner Schulter zwar bessert, aber professionelle Hilfe gut tun würde, suchte ich mir einen Physiotherapeuten in der Stadt. Ich fand Louis, einen jungen Sportphysio, der auch der Präsident des azorischen Therapeutenverbandes ist. Ein vertrauenserweckender Mann. In der ersten Stunde mobilisierte er mich nach einer Untersuchung und bestätigte mir meine Vermutung, dass sicher nichts gravierendes passiert war, aber die Sehnen und Muskeln beleidigt seien. Mit einem Hausübungsprogramm wurde ich mal entlassen, bin aber gleich für Freitag wiederbestelllt.
Die Kosten sind privat zu zahlen und betrugen 40.-€. Preise wie aus den 80-er Jahren in Wien. Ich bin guter Dinge, dass ich bis zur Abfahrt in 2,5 Wochen wieder halbwegs einsatzbereit sein werde.

Wir organisierten uns dann einen Mietwagen für 14 Tage und können diesen auch bequem direkt nahe unserer Mole parken. Heute warteten wir einen kräftigen Regen ab und brachen dann zum 40 km entfernten vulkanischen Heilbad im Osten von San Miguel auf. Dort erwarteten uns 39 Grad warme schwefel und eisenhaltige vulkanische Quellen, die in kleine Schwimmbecken fließen. Wie in einer Badewanne saßen wir mit 20 anderen Gästen im warmen Thermalwasser und genossen es.
Die Straße auf diesen alten Vulkan ist auch hier rechts und links gesäumt von mannshohen blauen und weißen blühenden Hortensien und dichtem Urwald, der sehr an die Insel Dominica in den Antillen erinnerte.

Die Reparaturen auf Symi sind niemals alle erledigt. Leider stellte der Elektroniker vor zwei Tagen fest, dass mein erst drei Jahre „neues“ Raymarine Radar offensichtlich einen Hardware Fehler hat und nach England geschickt werden müsste. Dies dauert aber mindestens sechs Wochen und ist somit nicht durchführbar. So werde ich wohl die nächste Servicestelle in Almerimar/Spanien besuchen müssen, um wahrscheinlich gleich eine neue Radar Kuppel zu kaufen. Er meinte, der Preis für eine Reparatur kommt fast dem Neupreis gleich. Die neue Generation an Geräten, egal welcher Hersteller, werden immer anfälliger und die neue Firmenpolitik ist es, keine Ersatzteile mehr an lokale Mechaniker zu liefern, um alles an zwei ! Orten unter Kontrolle zu haben. Entweder in London oder in den USA. Das ist echt beschi…enes Service am Kunden. Danke Raymarine.
Die klassische Wegwerfgesellschaft par excellence. Es ist einfach traurig.

Wie wird es nun bei uns weitergehen?
Wir werden uns bis 7.7. hier in Ponta Delgada bestens verproviantieren, dann die 50sm zur südöstlichsten Azoreninsel Santa Maria segeln. Dorthin wird am 12.7. meine Tochter Anna einfliegen und mit uns die nächste Etappe von 1000 Seemeilen (1820 km) nach Gibraltar bestreiten. Wir freuen uns drauf. Dieser sieben Tage Trip sollte wesentlich einfacher zu segeln sein, einziges Problem könnte der letzte Teil der Route, die „Orca Alley“ werden. Na vielleicht machen die Wale dann gerade irgendwo anders Urlaub und lassen uns passieren.

Es bleibt mir Euch beste Grüße und
einen kühlen Kopf bei eurer ersten Hitze des Jahres zu wünschen.
Euer Capt. Pavlos

Reading time: 8 min

Ahoi liebe Leser,
Der Titel sagt es schon. Wir sind am Atlantik Ziel 2 angekommen, allerdings nicht ohne Probleme.
Der Flow in dem wir seit zwei Wochen sind wird jäh durch die Worte „Land in Sicht“ unterbrochen. An diesem gleichbleibenden vorwärts treibenden Rhythmus gewöhnt man sich an Bord rasch. Du weißt, daß das Boot immer in Bewegung Richtung Ziel unterwegs ist. Mal bei Sturm, mal bei Flaute, aber immer weiter geht die Fahrt, im Hellen wie im Dunkeln, keine Ampeln, keine Speedlimits, nur Wasser und Wind bestimmten unsere Grenzen.
Dann ist das Ziel erreicht und der Flow hat ein Ende. Wir haben’s geschafft!!!
Am 16. Tag gegen 18:00 Uhr haben wir mit Symi in der Marina von Ponte Delgada auf Sao Miguel/Azorens Hauptinsel an der Schengen-Zollmole angelegt. Ich bin vorsichtig von Bord auf den festen Beton gestiegen. Wir mussten ja nun wieder in die EU einreisen. Freundliche Passkontrolle und wenig Bürokratie kennzeichnen diesen Schengen Außenposten.
Ich spazierte auf der Mole, die sich unter meinen Füßen sehr stabil anfühlte, noch hinüber zum Marinabüro und meldete uns für einen Liegeplatz am Steg an. Der nette Herr aber meinte, dass es keine freien Plätze mehr in dieser riesige Marina gibt. Ich bin etwas enttäuscht, schaue sehr zerknirscht und landkrank und er meint, für zwei Tage hätte er einen Platz.
Dorthin verlegten wir uns auch und stießen dann auf unsere 2146 sm Reise von Bermuda an.
Abends gingen wir essen und genossen wackligen Schrittes die Altstadt von Ponte Delgada. Leider passierte mir dann ein Missgeschick. Am dunklen Trottoir, nach Speis und Trank, übersah ich eine 1cm Schwelle und flog unkontrolliert zu Boden, sodaß meine rechte Schulter kurzzeitig luxierte und zum Glück beim Aufrichten wieder in ihre normale Position zurück sprang.

Ein echt blödes, völlig unnötiges Ereignis, daß mir seitdem einige Schmerzen bereitet. Aber keine Angst, die Analgetika helfen und es ist schon ein klein wenig besser. Da ich am nächsten Tag mit Dreieckstuch um den rechten Arm ins Marina Office ging, gestand uns der nette Herr am Schalter mit den Worten „With this condition I cannot send you out on the Atlantik“ unseren Liegeplatz für 4 Wochen zu. Somit habe ich Zeit die Verletzung auszukurieren und wir haben Zeit Sightseeing zu machen. Einen sicheren Platz haben wir uns gewünscht, nur zu welchem Preis wir ihn ergattert haben ist ein anderes Paar Schuhe.
Bevor uns Meiki am Samstag verließ, resümierten wir die Reise nochmals beim letzten Abendessen. Meiki meinte, auch für ihn war dieses Sturmtief, das uns passierte, der stärkste anhaltende Wind in seiner 40 jährigen Karriere.
Wir sind gewisser Maßen zu Durchschnittstouristen geworden, die Symi als Hotel benützen.

Ich bin mir sicher Ihr versteht es gut, daß wir in den nächsten Wochen keine Blogs schreiben werden und uns einfach auf den Azoren treiben lassen.
Mit Sicherheit melde ich mich zurück, wenn wir die Vorbereitungen zur Überfahrt nach Spanien oder Gibraltar beginnen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr dann wieder dabei seid.

Alles Gute und bleibt gesund
Euer (dzt. ) etwas behinderter Captain Pavlos

Reading time: 2 min

Liebe Freunde,

ich habe mir heute am 10.Tag und nach dem gestrigen Tiefdruck Durchzug erlaubt,
nur ganz wenig zu schreiben und anstatt dessen einen Hör-Blog zu machen.
Ich mag zwar müde und schwach klingen, aber mach Dir bitte keine Sorgen, es geht uns gut.
Du findest ihn hier:

Reading time: 1 min
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