Ahoi liebe Leser,
Der Titel sagt es schon. Wir sind am Atlantik Ziel 2 angekommen, allerdings nicht ohne Probleme.
Der Flow in dem wir seit zwei Wochen sind wird jäh durch die Worte „Land in Sicht“ unterbrochen. An diesem gleichbleibenden vorwärts treibenden Rhythmus gewöhnt man sich an Bord rasch. Du weißt, daß das Boot immer in Bewegung Richtung Ziel unterwegs ist. Mal bei Sturm, mal bei Flaute, aber immer weiter geht die Fahrt, im Hellen wie im Dunkeln, keine Ampeln, keine Speedlimits, nur Wasser und Wind bestimmten unsere Grenzen.
Dann ist das Ziel erreicht und der Flow hat ein Ende. Wir haben’s geschafft!!!
Am 16. Tag gegen 18:00 Uhr haben wir mit Symi in der Marina von Ponte Delgada auf Sao Miguel/Azorens Hauptinsel an der Schengen-Zollmole angelegt. Ich bin vorsichtig von Bord auf den festen Beton gestiegen. Wir mussten ja nun wieder in die EU einreisen. Freundliche Passkontrolle und wenig Bürokratie kennzeichnen diesen Schengen Außenposten.
Ich spazierte auf der Mole, die sich unter meinen Füßen sehr stabil anfühlte, noch hinüber zum Marinabüro und meldete uns für einen Liegeplatz am Steg an. Der nette Herr aber meinte, dass es keine freien Plätze mehr in dieser riesige Marina gibt. Ich bin etwas enttäuscht, schaue sehr zerknirscht und landkrank und er meint, für zwei Tage hätte er einen Platz.
Dorthin verlegten wir uns auch und stießen dann auf unsere 2146 sm Reise von Bermuda an.
Abends gingen wir essen und genossen wackligen Schrittes die Altstadt von Ponte Delgada. Leider passierte mir dann ein Missgeschick. Am dunklen Trottoir, nach Speis und Trank, übersah ich eine 1cm Schwelle und flog unkontrolliert zu Boden, sodaß meine rechte Schulter kurzzeitig luxierte und zum Glück beim Aufrichten wieder in ihre normale Position zurück sprang.
Ein echt blödes, völlig unnötiges Ereignis, daß mir seitdem einige Schmerzen bereitet. Aber keine Angst, die Analgetika helfen und es ist schon ein klein wenig besser. Da ich am nächsten Tag mit Dreieckstuch um den rechten Arm ins Marina Office ging, gestand uns der nette Herr am Schalter mit den Worten „With this condition I cannot send you out on the Atlantik“ unseren Liegeplatz für 4 Wochen zu. Somit habe ich Zeit die Verletzung auszukurieren und wir haben Zeit Sightseeing zu machen. Einen sicheren Platz haben wir uns gewünscht, nur zu welchem Preis wir ihn ergattert haben ist ein anderes Paar Schuhe.
Bevor uns Meiki am Samstag verließ, resümierten wir die Reise nochmals beim letzten Abendessen. Meiki meinte, auch für ihn war dieses Sturmtief, das uns passierte, der stärkste anhaltende Wind in seiner 40 jährigen Karriere.
Wir sind gewisser Maßen zu Durchschnittstouristen geworden, die Symi als Hotel benützen.
Ich bin mir sicher Ihr versteht es gut, daß wir in den nächsten Wochen keine Blogs schreiben werden und uns einfach auf den Azoren treiben lassen.
Mit Sicherheit melde ich mich zurück, wenn wir die Vorbereitungen zur Überfahrt nach Spanien oder Gibraltar beginnen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr dann wieder dabei seid.
Alles Gute und bleibt gesund
Euer (dzt. ) etwas behinderter Captain Pavlos


