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Im heutigen Blog möchte ich euch über die Hauptinsel Sao Miguel erzählen, auf der wir noch immer mit Symi in der Marina stehen.
Meine Schulterverletzung ist nun vier Wochen her, zwei mal Physiotherapie beim Profi haben weniger gebracht als die regelmäßigen Übungen und die Zeit, die vergangen ist. Nach einer Luxation kann man 4-8 Wochen Rehabilitationszeit rechnen, bis die Schmerzen nachlassen. Ich würde den Schmerz derzeit mit 50 % Besserung definieren. Kleine Arbeiten funktionieren auch wieder und sogar Autofahren ist möglich.
Nachdem wir von der Insel Horta zum Boot in die Marina zurückgekehrt waren, kamen auch unsere Freunde Evelyn und Michael herübergesegelt. Wir machten gemeinsam nicht nur die Stadt unsicher, sondern unternahmen auch mit dem Auto Ausflüge zu den wichtigsten und schönsten Orten.
Ein Mietwagen ist hier im Vergleich zu den USA spott billig. Um zehn Euro pro Tag werden hier Mittelklassewagen vermietet, die gut in Schuss sind. Wir machten uns also auf den Weg und erreichten nach 1 Stunde die Westseite der Insel, deren Landschaft vom eher breiten als hohen Vulkan „Sete Cidades“ geprägt wird. Vor ca. 22.000 Jahren wurde diesem einst 1.200 m hohe Vulkan durch heftige Ausbrüche die Mitte weggesprengt. Nachdem sich im Inneren Asche in der abgekühlten gut 5km breiten Caldeira dichtend abgelagert hatte, bildeten sich zwei Seen.
Eine Ortschaft mit dem gleichen Namen „Sete Cidades“ liegt an deren Ufern. Ein Besuch der durch einen Kanal verbundenen Kraterseen dieser Caldeira, Lagoa Azul und Lagoa Verde sind ein Highlight auf den Azoren. Die Namen verraten es schon. Es geht um Farben. Blickt man nämlich vom 300 Meter hohen Kraterrand auf die Seen hinunter, schimmert das Wasser des Größeren in tiefem Blau, während der kleinere Lagoa Verde durch Lichtreflexionen des umliegenden Nadelwaldes grünlich glitzert. Wenn nicht gerade Nebelwolken die Sicht verdecken, ist dieser Anblick wirklich unvergesslich.

Ein weiterer interessanter Ort, den wir dort besuchten, ist ein verlassenes Hotel am Kraterrand. In der modernen Diktion der Youtuber und Instagram Jäger wird es als ein Lost Place bezeichnet.
Die Geschichte geht auf das Jahr 1989 zurück. Damals plante ein Unternehmen ein Hotel mit 88 Betten, einen Konferenzzentrum, einer Disco, Bar und einem Restaurant zu bauen und war leider seiner Zeit viel zu weit voraus, da SYMIich zu dieser Zeit der Tourismus auf den Azoren noch in den Kinderschuhen befand.
Das Hotel wurde nach nur 1,5 Jahren wegen weniger Buchungen und Geldmangels geschlossen. Während der nächsten 15 Jahre stationierten die Besitzer Bewachungsfirmen mit Hunden zur Sicherung der Einrichtung vor Ort, aber nachdem dies extrem kostspielig war, zog man die Bewachung ab und das Hotel wurde sehr rasch zu einem Ort von Plünderungen und Verwüstung durch die lokale, zu dieser Zeit sehr arme Bevölkerung. Im Jahr 2010 wurde der zu einem Rohbau verwüstete Hotel Block um lediglich 1,2 Millionen € zum Kauf angeboten, aber es fand sich kein Käufer.
Von Fliesen bis zu den Türklinken, Badewannen oder von Aufzügen bis zu den Holzvertäfelungen, nichts blieb an seinem Ort. Heute, nach 30 Jahren, steht das „Monte Palace Hotel“ als Ruine in der wunderschönen Kraterlandschaft. Die Regierung der Azoren hat 2025 ein Rehabilitationsprojekt als »von erheblichem öffentlichen Interesse« anerkannt. Renovierungsarbeiten sind geplant, aber haben noch nicht begonnen. Es ist ein etwas gruseliges Gefühl, wenn man im Inneren auf den durchnässten alten Teppichen durch die Hallen wandert, und feststellt, dass absolut gar nichts vom ehemaligen Glanz geblieben ist. Lediglich der Ausblick auf die Kraterseen ist wunderschön.
Beim intensiven Tourismus der heutigen Zeit könnte sich eine Revitalisierung vielleicht lohnen. Man wird sehen.

Wir setzten unsere Reise auf der durch EU Mittel in ausgezeichnetem Zustand befindlichen Straßen in Richtung Nordküste fort. Dort, wo meistens der kühle Nordatlantik Wind bläst ist das Klima durch die Staulage an den Bergen in der Mitte der Insel feuchter als im Süden. Durch die hohe Feuchtigkeit ist dies ein idealer Ort für Tee Plantagen. Von einst 80 Plantagen, blieben nur zwei bis heute bestehen. In einer der beiden Plantagen kann man die Produktion von Tee hautnah miterleben. Nach einem Spaziergang durch die Anlage mit ihren gepflegten Tee Sträucher machten wir einen Rundgang durch die Fabrik und beobachteten die 100 Jahre alten Maschinen, die nach wie vor die Fermentierung, Trocknung und Sortierung des Tees vornehmen. Ein sehr interessanter, wohlriechender Prozess, den ich noch nie in meinem Leben zuvor beobachten konnte.

Auf dem Weg zurück zur Südküste, wo sich die Marina Ponta Delgada befindet passierten wir auch den Küstenort Rabo de Peixe. Die etwas skurrile aber wahre Geschichte dieses Ortes will ich euch nicht vorenthalten.
Am Strand dieses Ortes trieben 2001 unzählige Plastikpäckchen an den Strand. Es war Kokain. Die lokalen Einwohner sammelten sie alle ein und es waren so viele, dass der gesamte Ort in eine Drogeneuphorie verfiel. Man schrieb, dass die Fische im Restaurant statt mit Mehl mit Koks paniert wurden. Ein Krug Koks wurde um 15.-€ gehandelt. Sogar die weißen Linien am Fußballplatz sollen mit dem weissen Pulver gezogen worden sein. Viele Einwohner wurden abhängig, andere bauten sich mit dem erdealten Geld neue Häuser. Heute ist dieser Ort der ärmste der Insel und die hohe Kriminalität und viele Drogenabhängige sind das Ergebnis dieser Geschichte. Ribo de Peixe wurde zu einer Enklave der Armut und Netflix produzierte sogar einen Spielfilm darüber.
Aber woher stammten die Drogen?
Ein Italiener wollte 2001 mit einer Yacht Drogen von Venezuela nach Europa schmuggeln. Scheinbar seemännisch wenig bewandert und auf der Hut vor anderen Booten, ankerte er an der N-Küste vor dem Ort. Wie bereits erwähnt prallt dort die meiste Zeit N-Wind an die Küste. Nun aber war ein Sturm angesagt und der Schmuggler mußte das Boot verlegen. Damit er bei einer Hafenkontrolle „sauber“ war, hängte er das gesamte 3 Tonnen schwere Koks Paket in Plastik verpackt unter Wasser an seinen Anker. Und während er sich rettete und nach Süden fuhr, zerfetzten die Wellen sein Paket und trieb es in Einzelpäckchen an den Strand.
Diesen Ort also umfuhren wir und fanden bald ein ausgezeichnetes Restaurant für ein frühes Abendessen. Ich wiederhole mich vielleicht, aber dieses positives Faktum muss erwähnt werden.
Punkto Gastfreundschaft, Freundlichkeit, Vielfalt an Speisen und guten Rotweinen ist diese Insel einmalig.
Die Küche des Landes bietet neben hochwertigem Olivenöl eine große Auswahl an Fischgerichten und das beste Rindfleisch von eigenen wohlgenährten, meist schwarz-weißen Rindern, die man hier auf jeder Wiese beim Grasen findet. Nicht zu vergessen sind die wohlschmeckenden Desserts und Süßspeisen, die das Herz eines jeden Feinschmeckers höher schlagen lassen. Wir haben festgestellt: in Portugal kannst du dich kulinarisch so richtig verwöhnen lassen.

Von Kriminalität ist außer in Rabo so Peixe auf ganz São Miguel nichts zu bemerken. Auch Polizeistreifen oder gar Geschwindigkeitskontrollen auf den Straßen haben wir bisher nicht erlebt. Nirgendwo ein Polizist zu sehen.
Vielleicht ist dies auf den sanften Charakter der Portugiesen zurückzuführen. Sie sind immer ausgesprochen freundlich und versuchen zu helfen. Reichtum ist hier nirgendwo zu finden, aber alle scheinen zufrieden und nach der schweren wirtschaftlichen Krisenzeit Anfang der Zweitausender Jahre scheint Portugal seine Inseln nun in einem stabilen und für die Bevölkerung zufrieden stellenden Zustand zu halten. Faszinierend auf den Inseln ist auch die Autonomie punkto Versorgung und Nahrung. Fast alles, was man hier anbietet, wurde auch hier produziert.

Nun ein paar Worte zu meinem Sorgenkind Symi. Wie ich geschrieben habe, ist unser Radar bereits auf dem Bermudas ausgefallen. Beim reinigen und Testen unserer Entsalzungsanlage, also dem Wassermacher, habe ich einen Schaden an der Steuerung Platine festgestellt.
Das Gerät ist zwölf Jahre alt, die Erzeuger sind in Frankreich. Also schreibe ich sie an und bestelle. Aber so einfach geht es vielleicht bei Amazon, hier auf dem Boot auf einer Insel ist der Weg dorthin sehr steinig. Ich telefonierte mindestens sechs mal, schrieb unzählige E-Mails, um endlich eine Antwort auf meine Anfrage zu bekommen. Offensichtlich ist die Arbeitslust in der grand Nation auch im Sinken begriffen. Heute, endlich nach zehn Tagen urgieren, haben Sie die kleine Platine an DHL übergeben und leider mit falschem Bootsnamen an das Marine Büro hierher verschickt. Die mühsame Suche, Bestellung, das Urgieren und Telefonieren ist leider Alltag für den Segler, der Ersatzteile für sein Boot an einem fernen Ort braucht.
Mein Radar wurde von einem Fachmann als Totalschaden diagnostiziert und nachdem ich mit dem österreichischen Generalvertreter telefonischen Kontakt hatte, wies er mich auf die dreijährige Garantie hin. Das war genau drei Tage vor dem Ablauf. Er reichte den Fall sofort in England bei Raymarine ein und sie bestätigten, dass ich auf Garantie eine neue Radarantenne erhalte. Nur wie bekomme ich sie hierher? Es gibt keine Generalvertretung auf den Azoren. Die Hilfsbereitschaft des Elektronikers auf der Insel Horta aber wird es hoffentlich möglich machen, dass ich noch diese Woche die neue Radarantenne aus Lissabon erhalte. Zum heutigen Zeitpunkt ist aber die Bestätigung ausständig.
Die Montage in luftiger Höhe werde ich wahrscheinlich nach der Einnahme von einem Schmerzmittel selbst machen müssen aber da die Schulter jeden Tag besser wird, wird das sicher gelingen.
Der Einbau der Platine hingegen ist kein Kraftakt, sondern eher Feinarbeit. 30 kleine Kabel müssen ab und angeschraubt werden.

Wie geht es weiter:
Unser Platz hier ist bis 10. Juli gebucht, bis dahin möchte ich alle Ersatzteile fertig montiert haben. Wir würden dann am 11.7. die 50 Seemeilen nach Santa Maria hinunter segeln und dort meine Tochter Anna in Empfang nehmen.
Das Wetter sieht aus heutiger Sicht für die Zeit zwischen 15. und 22. Juli recht gut aus, die neuesten Berichte über die Situation im Orca Kampf zeigt, dass die Wale vor ein paar Tagen bei Lissabon gesehen wurden, was für uns eine weniger riskante Fahrt durch die Straße von Gibraltar bedeuten würde. Der Weg könnte also frei sein. Ich habe es noch nicht entschieden, ob wir, wie es in allen Foren empfohlen wird, an die Küste von Portugal und Spanien fahren, um uns dann entlang der 20 m Tiefenlinie in Tagesetappen nach Gibraltar durchzukämpfen, oder ob wir einen direkten Kurs nach Gibraltar nehmen. Ich glaube eher wir wählen die zweite Variante.

Ich halte euch jedenfalls am Laufenden.
Wie immer wünsche ich euch alles Gute von Bord.
Captain Pavlos

Reading time: 8 min

Ahoi, liebe Leser, von SailingSymi,

es ist eine Weile her, dass ich mich per Blog gemeldet habe. Der Grund dafür liegt leider in meiner Schulterverletzung, die langsam, aber stetig heilt. Mit dem rechten Arm einen Computer zu bedienen war bisher zu schmerzhaft.
Mit einer guten Dosis Tabletten und Schonung verbessert sich zwar der Schmerzpegel, die Beweglichkeit aber für Tätigkeiten über dem Kopf oder auch nur ein Glas auf dem Tisch anzuheben, schmerzt immer noch.
Da wir unseren Liegeplatz bis 7. Juli gebucht haben und derzeit kein Segeln möglich war, beschlossen wir eine andere Azoren Insel als Touristen zu besuchen. Auf der neun Inseln zählenden Azoren Gruppe gibt es keine Schiffsverbindungen mit Fähren, sondern nur Flüge mit zwei motorigen Dash 8 Maschinen. So buchten wir einen Flug nach Faial, jene Insel, die bei den meisten Atlantiküberquerern als Erste angesteuert wird. Der dort befindliche Hafen Horta ist der Treffpunkt für alle Segler, die sich nach der anstrengenden Reise erstmals ausruhen können. Nach einem 150nm und 40-minütigen Flug erreichten wir den kleinen Flughafen, der vor drei Jahren durch EU Gelder komplett modernisiert worden ist, nahmen einen kleinen Mietwagen und fuhren zu unserem Hotel, das mitten in der Stadt mit dem Blick auf den Hafen lag. Im Sonnenschein spazierten wir die Molen entlang und beobachteten ankommende Boote sowie Crews, die ihre versalzten Boote reinigten oder auch größere Reparaturen an gebrochenen Masten oder anderen gröberen Schäden durchführten. Viel Platz bietet das Hafenbecken nicht und darum ankern viele Yachten vor dem Hafen. Bekannt sind die hunderten selbst gemalten Bilder der hier angekommene Boote an den Molenwänden und Böden, mit denen sich die Crews verewigen. Da sie mit der Zeit in der Sonne verblassen, werden die alten Gemälde mit neuen Meisterwerken überpinselt. Wir fanden insgesamt drei Bilder von Freunden, die in den letzten Jahren hier vorbeigefahren waren, und sendeten die Fotos an Sie, um zu zeigen, dass ihre Werke noch immer sichtbar sind. Wir hatten keine Farbe, und ich hatte mit meinem Arm ohnehin keine Lust, uns dort zu verewigen. Wir haben unser Abenteuer im Kopf und nicht an der Mole.

Die wohl berühmteste Einrichtung im Hafen ist die seit 1918 bestehende Seglerkneipe „Peters Sport Café“, ein Lokal, in dem sich die Ankommenden das erste Bier gönnen und ihre Erfahrungen austauschen. Vor diesem Lokal trafen wir auf unsere Freunde Evelin und Michi mit ihrem Crewmitglied Andreas von der „Ocean Fantasy“, die fünf Tage nach uns Bermuda verlassen hatten und auch überglücklich angekommen sind. Es war ein schönes Wiedersehen und knüpfte direkt an unsere gemeinsamen Karibik Erlebnisse im Jahr 2024 an. Wir beschlossen die nächsten Tage miteinander zu verbringen und mit unserem gemieteten Fiat 500 gemeinsam die Insel zu erkunden.
Ebenfalls gerade angekommen, waren unsere französischen Freunde aus Bermuda mit ihrem Hund Roxy, der die 16-tägige Fahrt halbwegs überstanden hat und unser schwedischer Freund David, den wir schon im Vorjahr in Savanna kennen gelernt hatten. So trifft man nach tausenden Kilometern doch immer wieder auf alte Bekannte.

Faial, so wie alle anderen Azoreninseln, sind vulkanischen Ursprungs und vor rund 300 Millionen Jahren aus dem Ozean gestiegen. Sie gehören zu Portugal und der EU und scheinen mir die letzte Enklave in der EU, in der das Leben nicht den uns seit 2015 überall in der restlichen EU bekannten Weg beschreiten mußte.
Die Bevölkerung ist überaus freundlich. Der typische Azorianer ist eher klein und von drahtiger Statur. Viele arbeiten in der Landwirtschaft und so sind auch die wichtigsten Exportprodukte Käse, Milchprodukte Fleisch und Fisch. Die Inseln versorgen sich selbst und es fasziniert mich, dass auf den Feldern und Märkten ausschließlich einheimische Menschen arbeiteten, Flüchtlinge sucht man hier vergeblich. In den Restaurants und im Tourismus arbeiten Einheimische und seltsamerweise auch Asiaten. Die Azoren sind ein friedlicher Ort. Faszinierend ist auch die Ruhe. Schmetterlinge fliegen, Vögel singen und dicke Kühe grasen auf satt grünen Wiesen. Eine durch und durch gesunde Natur. Auffallend hier ist auch das niedrige Preisniveau. Ein großes Bier gibt es um 3,5-4 €, ein gutes Abendessen für zwei Personen kostet zwischen 40 und 60 €. Verglichen mit Amerika oder den Bermudas (aber auch Österreich) ein Paradies.
Durch die vulkanische Fruchtbarkeit der Böden sind alle Inseln von satt grünen Wiesen und einer unglaublichen Vielfalt an Blumen überzogen. Vor allem Hortensien wuchern hier überall wie Löwenzahn bei uns.
Klimatisch sind die Azoren vom Golfstrom geprägt und daher ozeanisch-subtropisch und ganzjährig mild. Die Temperaturen sind ausgeglichen mit milden Wintern (11 bis 17 °C) und angenehm warmen Sommern (19 bis 26 °C). Durch die vulkanische Entstehung trohnt auf jedem Eiland der eigene Vulkan.
Der Höchste (2000m) befindet sich auf der Insel Pico und trägt den gleichen Namen und ist meist in dichten Wolken verhüllt. Für Segler sind die neun Inseln nicht unbedingt das ideale Revier, da sie mit ihren aus 2000 m Tiefe empor wachsenden Steilküsten keine sicheren Ankerplätze bieten. Auf vier Inseln gibt es Marinas, die aber meist sehr überfüllt sind.
Mit unserem Fiat 500 umrundeten wir Faial zu fünft. Auf dem Gipfel des 800 m hohen Vulkans, wollten wir einen Blick in die bewachsene Caldeira werfen, leider aber steckte der gesamte Gipfel im Nebel und man fühlte sich an die Gipfelstation beim Skifahren erinnert. Eine Wanderung rund um den Krater verhinderte ich wegen meiner Verletzung und daher besuchten wir noch die im Westen von Faial gelegene und durch einen Vulkanausbruch 1958 neu entstandene kleine Halbinsel mit ihrem interessanten Museum.
Als krönenden Abschluß buchten wir zu fünft eine Whale-watching-Tour, bei der wir mehr als eine Stunde mit einem schnellen Schlauchboot zur Küste der Insel Pico fuhren. Neben vielen Delfinen bekamen wir am Schluß eine junge Potwaldame präsentiert. In 100 Metern Entfernung machte sie Purzelbäume und platschte mit ihrer Flosse ins Wasser. Ein unvergessliches Erlebnis.

Nach vier Tagen flogen wir zu Symi auf die Hauptinsel São Miguel zurück. Dies ist die Hauptinsel der Azoren. Sie ist 65×16 km groß hat ca. 60.000 Einwohner, von denen 25.000 in der Stadt Ponta Delgada leben. Sie ist von ihrer Größe her mit Krems vergleichbar. Zwei Marinas und ein alter Stadtkern mit den typischen kleinen Gassen und einstöckigen Häusern ist von modernen Neubau Bezirken umgeben. Es gibt viele kleine Geschäfte, eine reich sortierte Markthalle mit frischem Obst und Gemüse. Allen voran die berühmte kleine lokal geerntete Ananas, die einen wirklich intensiven Geschmack hat, wie ich ihn selten erlebt habe. In den vielen meist recht kleinen und engen Restaurants werden immer allerlei Käse mit Oliven als Vorspeisen angeboten. Bestes Rindfleisch in allen Varianten und Meerestiere stehen als Hauptspeise auf den Menüs. Als Desserts, aber auch in jeder Bäckerei, findet man die herrlichen Pastéis de Nata. Ein kleine runde Blätterteigtörtchen mit Vanillecreme Füllung, um die ich meist nicht herum komme. Sehr gefährlich.
Von der Infrastruktur her hat die Stadt alles was notwendig ist. Ein moderner Flughafen ist nur 4km vom Zentrum entfernt und im Industriehafen legen nicht nur große Frachtschiffe sondern ein paar Mal im Monat auch kleinere Kreuzfahrtschiffe an.
Sao Miguel ist so wie Faial eine üppige bewachsene grüne Insel, die unzählige Wanderwege und eine vielfältige Landschaft bietet. Wir haben bisher nur einen kleinen Teil gesehen, aber freuen uns auf die weitere Erkundung.
Unsere Freunde werden in ein paar Tagen mit ihrem Boot auch hierher segeln.
Da sich der Zustand meiner Schulter zwar bessert, aber professionelle Hilfe gut tun würde, suchte ich mir einen Physiotherapeuten in der Stadt. Ich fand Louis, einen jungen Sportphysio, der auch der Präsident des azorischen Therapeutenverbandes ist. Ein vertrauenserweckender Mann. In der ersten Stunde mobilisierte er mich nach einer Untersuchung und bestätigte mir meine Vermutung, dass sicher nichts gravierendes passiert war, aber die Sehnen und Muskeln beleidigt seien. Mit einem Hausübungsprogramm wurde ich mal entlassen, bin aber gleich für Freitag wiederbestelllt.
Die Kosten sind privat zu zahlen und betrugen 40.-€. Preise wie aus den 80-er Jahren in Wien. Ich bin guter Dinge, dass ich bis zur Abfahrt in 2,5 Wochen wieder halbwegs einsatzbereit sein werde.

Wir organisierten uns dann einen Mietwagen für 14 Tage und können diesen auch bequem direkt nahe unserer Mole parken. Heute warteten wir einen kräftigen Regen ab und brachen dann zum 40 km entfernten vulkanischen Heilbad im Osten von San Miguel auf. Dort erwarteten uns 39 Grad warme schwefel und eisenhaltige vulkanische Quellen, die in kleine Schwimmbecken fließen. Wie in einer Badewanne saßen wir mit 20 anderen Gästen im warmen Thermalwasser und genossen es.
Die Straße auf diesen alten Vulkan ist auch hier rechts und links gesäumt von mannshohen blauen und weißen blühenden Hortensien und dichtem Urwald, der sehr an die Insel Dominica in den Antillen erinnerte.

Die Reparaturen auf Symi sind niemals alle erledigt. Leider stellte der Elektroniker vor zwei Tagen fest, dass mein erst drei Jahre „neues“ Raymarine Radar offensichtlich einen Hardware Fehler hat und nach England geschickt werden müsste. Dies dauert aber mindestens sechs Wochen und ist somit nicht durchführbar. So werde ich wohl die nächste Servicestelle in Almerimar/Spanien besuchen müssen, um wahrscheinlich gleich eine neue Radar Kuppel zu kaufen. Er meinte, der Preis für eine Reparatur kommt fast dem Neupreis gleich. Die neue Generation an Geräten, egal welcher Hersteller, werden immer anfälliger und die neue Firmenpolitik ist es, keine Ersatzteile mehr an lokale Mechaniker zu liefern, um alles an zwei ! Orten unter Kontrolle zu haben. Entweder in London oder in den USA. Das ist echt beschi…enes Service am Kunden. Danke Raymarine.
Die klassische Wegwerfgesellschaft par excellence. Es ist einfach traurig.

Wie wird es nun bei uns weitergehen?
Wir werden uns bis 7.7. hier in Ponta Delgada bestens verproviantieren, dann die 50sm zur südöstlichsten Azoreninsel Santa Maria segeln. Dorthin wird am 12.7. meine Tochter Anna einfliegen und mit uns die nächste Etappe von 1000 Seemeilen (1820 km) nach Gibraltar bestreiten. Wir freuen uns drauf. Dieser sieben Tage Trip sollte wesentlich einfacher zu segeln sein, einziges Problem könnte der letzte Teil der Route, die „Orca Alley“ werden. Na vielleicht machen die Wale dann gerade irgendwo anders Urlaub und lassen uns passieren.

Es bleibt mir Euch beste Grüße und
einen kühlen Kopf bei eurer ersten Hitze des Jahres zu wünschen.
Euer Capt. Pavlos

Reading time: 8 min

Ahoi liebe Leser,
Der Titel sagt es schon. Wir sind am Atlantik Ziel 2 angekommen, allerdings nicht ohne Probleme.
Der Flow in dem wir seit zwei Wochen sind wird jäh durch die Worte „Land in Sicht“ unterbrochen. An diesem gleichbleibenden vorwärts treibenden Rhythmus gewöhnt man sich an Bord rasch. Du weißt, daß das Boot immer in Bewegung Richtung Ziel unterwegs ist. Mal bei Sturm, mal bei Flaute, aber immer weiter geht die Fahrt, im Hellen wie im Dunkeln, keine Ampeln, keine Speedlimits, nur Wasser und Wind bestimmten unsere Grenzen.
Dann ist das Ziel erreicht und der Flow hat ein Ende. Wir haben’s geschafft!!!
Am 16. Tag gegen 18:00 Uhr haben wir mit Symi in der Marina von Ponte Delgada auf Sao Miguel/Azorens Hauptinsel an der Schengen-Zollmole angelegt. Ich bin vorsichtig von Bord auf den festen Beton gestiegen. Wir mussten ja nun wieder in die EU einreisen. Freundliche Passkontrolle und wenig Bürokratie kennzeichnen diesen Schengen Außenposten.
Ich spazierte auf der Mole, die sich unter meinen Füßen sehr stabil anfühlte, noch hinüber zum Marinabüro und meldete uns für einen Liegeplatz am Steg an. Der nette Herr aber meinte, dass es keine freien Plätze mehr in dieser riesige Marina gibt. Ich bin etwas enttäuscht, schaue sehr zerknirscht und landkrank und er meint, für zwei Tage hätte er einen Platz.
Dorthin verlegten wir uns auch und stießen dann auf unsere 2146 sm Reise von Bermuda an.
Abends gingen wir essen und genossen wackligen Schrittes die Altstadt von Ponte Delgada. Leider passierte mir dann ein Missgeschick. Am dunklen Trottoir, nach Speis und Trank, übersah ich eine 1cm Schwelle und flog unkontrolliert zu Boden, sodaß meine rechte Schulter kurzzeitig luxierte und zum Glück beim Aufrichten wieder in ihre normale Position zurück sprang.

Ein echt blödes, völlig unnötiges Ereignis, daß mir seitdem einige Schmerzen bereitet. Aber keine Angst, die Analgetika helfen und es ist schon ein klein wenig besser. Da ich am nächsten Tag mit Dreieckstuch um den rechten Arm ins Marina Office ging, gestand uns der nette Herr am Schalter mit den Worten „With this condition I cannot send you out on the Atlantik“ unseren Liegeplatz für 4 Wochen zu. Somit habe ich Zeit die Verletzung auszukurieren und wir haben Zeit Sightseeing zu machen. Einen sicheren Platz haben wir uns gewünscht, nur zu welchem Preis wir ihn ergattert haben ist ein anderes Paar Schuhe.
Bevor uns Meiki am Samstag verließ, resümierten wir die Reise nochmals beim letzten Abendessen. Meiki meinte, auch für ihn war dieses Sturmtief, das uns passierte, der stärkste anhaltende Wind in seiner 40 jährigen Karriere.
Wir sind gewisser Maßen zu Durchschnittstouristen geworden, die Symi als Hotel benützen.

Ich bin mir sicher Ihr versteht es gut, daß wir in den nächsten Wochen keine Blogs schreiben werden und uns einfach auf den Azoren treiben lassen.
Mit Sicherheit melde ich mich zurück, wenn wir die Vorbereitungen zur Überfahrt nach Spanien oder Gibraltar beginnen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr dann wieder dabei seid.

Alles Gute und bleibt gesund
Euer (dzt. ) etwas behinderter Captain Pavlos

Reading time: 2 min
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