🇧🇸 – Mit unseren Gästen durch die Exumas

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Wir holten Katharina und Georg pünktlich am Ostersonntag am vereinbarten Treffpunkt in George Town ab und trotz des frischen Windes und hoher Wellen im Hafen konnten wir sie mit dem Beiboot halbwegs trocken an Bord von SYMI bringen.
Es ist jedes Mal ein Vergnügen, nette Menschen aus der Heimat an Bord zu haben, Nachrichten zu hören und nach Wochen der Zweisamkeit wieder einmal gemütlich zu viert, bei einem Glas Wein sitzend, zu tratschen und nicht zu vergessen, die mitgebrachten Ersatzteile oder wunderbare Geschenke, wie Schokoriegel oder Kaffekapseln aus der Heimat entgegen zu nehmen.
Da wir noch zwei Tage das schlechte Wetter abwarten mussten wanderten wir am Atlantikstrand und planten dabei Routendetails. Wir beschlossen, die Segeltour one way zu fahren, also anstatt nach der Halbzeit wieder nach George Town zurückkehren zu müssen, Nassau als Zielpunkt zu wählen. Dies bedeutete nicht nur wesentlich entspannteres Segeln, sondern auch gemeinsam Neues entdecken zu können. Delta Airways waren da sehr kulant. Mit nur 17.- $ Gebühr pro Person war alles erledigt.
Zum Ankern legten wir uns am letzten Tag in George Town direkt neben das Schiff unserer österreichischen Freunde, die „Stravanza“. Leider hatten wir nur einmal die Gelegenheit auf ein Plauscherl bei Kaffee. Seit ungefähr drei Monaten versuchten wir mit Ingrid und Robert irgendwo unsere Wege kreuzen zu lassen. Diesmal glückte es, wenn auch nur für kurz. Sie werden nach Kanada weiter segeln.

Wir kreuzten am nächsten Tag hinaus auf den Atlantik, an der Ostseite der Inselkette entlang, bis nach Lee Stocking Island, wo wir durch einen Pass in den westlichen, türkisfarbigen Teil der Exumas hineinsegeln konnten.
Ab nun standen ruhige Nächte mit täglich neuen Abenteuern auf dem Gästeprogramm.
Erster Halt war ein Besuch der Iguanas (Echsen), die auf einer kleinen Insel leben und, so nehme ich an, durch die täglichen Touristenbesuche gefüttert und gezähmt wurden. Gleich nach der Anlandung am Strand mit unserem Dinghy watschelten ein halbes Dutzend auf uns zu. Andrea hatte alte Äpfel in kleine Stücke zerteilt und mitgebracht und warf die Würfel nun in den Sand. Direkt vor die hungrigen Iguana Mäuler. Es schmeckte ihnen sehr. Bald rauschte das nächste Motorboot mit Touristen heran und übernahm nun unsere Aufgabe.

Wir hoben den Anker und fuhren unter Motor in engen Kanälen, die zwischen einzelnen Inseln hindurch führten, entlang. Bei einer dieser Inseln, die der Schweizer Milliardärin Dona Bertarelli gehört, fanden wir eine sehr ruhige und schöne Bucht, ankerten und waren erstaunt, wie rasch ein Begrüßungshai um unser Boot schwamm und alles inspizierte.
Laut Recherche plant die Naturschützerin und Philanthropin
Bertarelli ein klimaneutrales !? (ist da irgendwo ein Widerspruch) Ferienresort. Mit Hotel, Bungalows, Shopping und Kino mitten in den Exumas. In einem YouTube habe ich Bertarelli noch über die Wichtigkeit von klimaneutralem Denken sprechen gehört. Ihre Baustellen sind an jeder Ecke der Insel zu sehen und wir waren uns beim Abendessen einig, dass wir mit solchen Zukunftsprojekte, die Bahamas in dieser Form wahrscheinlich nie wieder sehen werden. Verzeiht mir hie und da die negativen Bemerkungen, aber jedes Paradies hat halt durchaus seine Schattenseiten über die ich auch berichten muss.
Der nächste Tag war reinstes Segelvergnügen. Bei einer Wassertiefe von 2,5 m, glitten wir ohne Wellen mit 8-9 Knoten Speed über die helltürkis Wasserfläche. Unseren Gästen stand der Mund offen. Diese Farbenpracht, lauwarmer Wind und das sanfte Gleiten mit unserer schönen Symi war ein ganz besonderer Moment. Wenn Segeln immer so schön wäre … ich würde nicht mehr Heim kommen.

Der nächste Ankerplatz war Cumberland Cay im Exuma National Park, an dem wir schon zehn Tage zuvor einmal waren. Ein Landausflug zum Beine vertreten, ein nur kurzes Badevergügen wegen Haibesuchs und ein herrliches Essen am Bord rundete diesen Tag ab.

Am nächsten Morgen herrschten abermals optimale Windverhältnisse und es ging wie auf Schienen gleitend unter Segeln nach Norden. Auf der Insel Shroud Cay lag die nächste Touristen Attraktion. Ein Flusssystem, dass bei Flut eine Verbindung zwischen dem Atlantik und dem westlichen Teil der Insel schafft. Wir warteten, bis die Tide ihren Halb Stand hatte, und fuhren dann mit etwas hochgeklapptem Außenbordmotor mit dem Beiboot Fluss aufwärts Richtung Atlantik. An einigen Stellen stiegen wir aus und mussten das Boot über die Sandbänke ziehen. Vom Boot aus beobachteten wir Schildkröten und Rochen, die unter uns hindurch schwammen, kleine Zitronenhaie jagten in diesem Fluss und zeigten keine Scheu. Eingerahmt war der Fluss an beiden Seiten von Mangroven, in denen sich Vögel eingenistet hatten.
Nach circa 1 Stunde konnte man das Rauschen des atlantischen Ozeans hören. Wir waren an der Ostküste der Insel angekommen. Durch einen gut 10 Meter breiten Felseinlass strömte die Flut des Atlantiks in den Inselfluss hinein. Dieser Ort wird auch wegen seiner starken Strömung und Strudel als “the Washing Machine“ bezeichnet. Die beiden Damen waren mutig und schwammen vom Strand zunächst ein Stück in den Atlantik und ließen sich dann durch die starke Strömung in das Innere der Insel hinein driften. Ein kurzweiliges Vergnügen. Mit dem Beiboot war es dann einfach mit der steigenden Flut, fast ohne Motor, durch den Fluss bis an die Westküste zurück zu gelangen.

Unser nächstes Tagesziel war die Insel Norman‘s Cay, die eine besonders spannende Geschichte hat. Wir ankerten mit Symi an einer flussartigen Einfahrt und fuhren mit dem Beiboot zu dem auf der Seekarte bezeichneten Ort „Airplane“.
Richtig gelesen, ein Flugzeug, dass hier in circa 3 m Tiefe auf einer Sandbank liegt.
Die Geschichte von Normans Cay ist folgende:
1976 kaufte ein kolumbianischer Drogenbaron namens Carlos Lehder die Hälfte dieser Insel um eine halbe Million Dollar von der Republik Bahamas. Er war der Sohn eines geflüchteten deutschen Nazis und einer kolumbianischen Mutter und wuchs in Kolumbien auf. Auf der Insel blieb kein Stein auf dem anderen. Die vorhandene Landebahn wurde verlängert, seine Wachen machten Schießübungen auf Häuser, in denen die verbliebenen Einwohner dieser Insel wohnten. Schossen aber auch auf die häufig vorkommenden Ammenhaie und Seevögel. Bald waren auf diese Weise alle für Lehder störenden Menschen vertrieben, so dass er schließlich 1977 einen Umschlagplatz für das Kokain des Medellin-Kartells errichten konnte. Sein Ziel war es, Florida mit südamerikanischen Drogen zu versorgen. Er war einer der engsten Vertrauten von Pablo Escobar. Er ließ Flugzeuge mit Grasnarben und Getreide beladen aus Amerika einfliegen, lud dann stattdessen Kokain aus kolumbianischen Schiffen in einem extra dafür angelegten kleinen Hafen in die Flugzeuge um und ließ diese nach Florida fliegen. Das ging einige Jahre gut. Aber die DEA war ihm auf der Spur. 1979 wollte einer seiner Piloten mit Lehders zwei motorigen Flugzeug, dass wieder mit Grasnarben beladen war, ein Landemanöver für die maximale Kokainbeladungsmenge simulieren und brach bei dem als „Touch and Go“ bezeichnet Manöver das Fahrwerk. Danach flog er eine Runde über die Lagune und setzte das Flugzeug sanft auf das Wasser wo es versank. Carlos Lehder sah dabei zu und sagte angeblich zu einem seiner Männer, „besorgt ein Neues“.
Der Pilot überlebte. Zumindest die Bruchlandung, mehr weiß man nicht über ihn. Lange gingen die Geschäfte nicht gut, die amerikanische DEA verhaftete Lehder 1987 und er wurde zu lebenslanger Haft im Hochsicherheitstrakt in den USA verurteilt. 2020 wurde Leder nach 33 Jahren wegen seiner Mitarbeit und Auskunftsfreundlichkeit über Manuel Noriega und verschiedene Drogenbosse des Medellin Kartells entlassen und ließ sich nach Deutschland, ins Land seines Vaters, abschieben. Von dort hatte er noch einen gültigen Reisepass und die USA war froh ihn los zu sein.
Im Jänner 2025 flog er aus unerfindlichen Gründen mit 78 Jahren nach Kolumbien und wurde dort bereits von der Polizei am Flughafen erwartet. Auch in Kolumbien hatte er noch ein paar 100 Jahre Gefängnisstrafe offen.
Das Flugzeug rostet noch immer an der selben Stelle vor sich hin und ist eine beliebte Touristenattraktion. Das Schwimmen über der abgestürzten Maschine ist spannend, man sieht die voll ausgefahrenen Klappen an den Flügeln, das Dach ist schon weg gerostet und viele Fische bewohnen jetzt das Wrack.

Lehders Maschine

Die ehemalige Zentrale des Drogenbosses inklusive Hafen wurden in ein wunderschönes Hotel und Restaurant umgebaut, in welches wir am Abend von unseren lieben Gästen zum Essen eingeladen waren. Ein unvergesslicher Abend.

Time flies when your having fun. Die Zeit verging viel zu schnell.
Für den nächsten Tag hatten wir uns mit unseren treuen Freunden der ‚Vitila‘ Doris & Uwe verabredet. Sie kamen zum Abendessen auf SYMI und wir hatten alle sechs einen gemütlichen Abend mit herrlichem Essen aus Andreas Küche. Dann hieß es Abschied nehmen. Die Vitilas fahren über den Sommer auf die ABC Inseln und nächstes Jahr durch den Panama Kanal in die Südsee. Wann und wo wir einander wiedersehen steht in den Sternen. Machts gut ihr beiden….
Am 30.4.25 segelten wir sehr flott 60 km nach Nassau und ließen den Anker in jener Bucht im Norden fallen, in der bis zu sechs Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen. Auch das Container-Terminal befindet sich dort. Gemütlich ist anders, aber da wir einen günstigen Punkt zum Landen mit dem Schlauchboot und anschließendem Taxi für Katharina und Georg gesucht hatten, war diese Empfehlung sehr praktisch. Heute, am Donnerstag, brachten wir die Beiden trockenen Fußes an Land, begleiteten sie noch mit dem Taxi bis zum Flughafen und begaben uns danach in die „Superwash“ Wäscherei um vier Maschinen Wäsche zu waschen. Auf SYMI zurück holten wir gleich den Anker auf und verlegten uns auf einen einsamen Ankerplatz eine Seemeile außerhalb von Nassau. Hier ist es ruhig und dunkel und nur das Plätschern der Wellen am Rumpf ist zu hören.

Wenn Du diesen Blog liest, sind wir wahrscheinlich schon unterwegs, um die südlichen Abacos zu erreichen. In der Landkarte unten siehst Du unsere grün absolvierte Strecke und die ungefähr 260 sm, die wir bis West Palm Beach noch bis Mitte/Ende Mai vor uns haben.

Pass gut auf Dich auf,
Beste Grüße von Bord wie immer
Der Captain