🇺🇸 – Von Savannah über Charleston bis Beaufort
Seit Jahren hörte ich im Text eines Liedes einer meiner Lieblingssänger über eine Autofahrt im Winter von NewYork nach Savannah. Dort war es warm und schön, in NYC war Winter. Werde ich Savannah irgenwann wirklich besuchen und nachsehen, ob es ein netter Ort ist? Mit dem Boot war es möglich.
Hier übrigens hier ist der Spotify-Link zu dem sehr netten Song „Under the Sun“
Die Pier von Savannah ist schmutzig, es strömt der gleichnamige Fluss wie ein Wildbach mit gut 5 km/h einmal hin und nach sechs Stunden retour.
Savannah besitzt einen der größten Containerschiffs Häfen der USA.

Dies wurde uns schon bei der Anfahrt zur Stadt bewusst, als uns ein chinesisches rosafarbenes Containerschiff der Reederei „ONE“ überholte. Auch an unserem Anlegeplatz war kaum Ruhe zu finden. Weitere Containerriesen, eskortiert von Hafenschleppern vorne, seitlich und hinten, bewegten sich von ihrem Umschlaghafen in Richtung Meer direkt an SYMI vorbei. Somit war die Nacht nicht besonders ruhig für uns.
Am nächsten Tag schaute die Sonne aus den Wolken hervor und wir beschlossen, SYMI alleine ihren Stress am Fluß verarbeiten zu lassen und eine kleine Stadttour zu unternehmen. Savanna bietet Touristen und Einheimischen gratis Autobusse, die als zwei Linien durch die Stadt fahren. Wir stiegen beim größten Park der Stadt aus und spazierten durch die breiten, wunderbar angelegten Straßen. Großzügige, teure Häuser in englischem Stil säumen die Straßen. Die Straßenverläufe werden immer wieder durch kleine Parks mit alten hohen Bäumen unterbrochen. Wie in England bilden die Häuser hier die Umrandung, den Square.


Savannah ist eine schöne und sichere Stadt, stellen wir fest.
Am Fluss wurden alte Lagerhallen vor Jahren zu einem Shopping-Hotel-Freizeit Areal ausgebaut. Dort genossen wir ein Bier und ließen uns in einem typischen Restaurant etwas verwöhnen.
Zwei Nächte an der Mole ist das Maximum, mehr ist nicht erlaubt und darum verließen wir im Morgengrauen diese Stadt und fuhren den Fluss gut 20 km bis zum Meer zurück.
Der Wind war günstig, wir setzten die Segel und erreichten nach guten 11 Stunden die Flußeinfahrt nach Charleston.
Charleston:
Von den Briten gegründet und nach dem damaligen König Charles benannt hat diese Stadt ihren eigenen netten Charme. Meist einstöckige Häuser und sehr saubere Straßen prägen das Bild.
Auf diesen Ort habe ich mich schon länger gefreut, da er das Kind in mir weckte.
Direkt neben unserem Ankerplatz stehen zwei Museumsschiffe der amerikanischen Marine. Der Flugzeugträger „Yorktown“ und die Fregatte „USS Laffey“. Beide Schiffe wurden Ende der Dreißigerjahre gebaut und gegen 1970 ausgemustert. Neben Filmen auf Monitoren ist das Schiffsleben von damals sehr gut nachgestellt und beschrieben. Die USS Laffey war sowohl am D-Day in der Normandie als auch im Pazifikkrieg gegen die Japaner dabei. Der Flugzeugträger hatte Einsätze im WK2 und in den 60er Jahren als Ubootjagd Basisschiff gegen die damalige UdSSR.


Insgesamt verbrachten wir drei Stunden in und auf diesen beiden Kriegsschiffen und waren vom Erlebnis sehr beeindruckt.
Ein Einkaufsbummel am nächsten Tag rundete unseren Besuch von Charleston ab.
Der Intracoastal Kanal rief und wir starteten wieder mit Sonnenaufgang. Das Landschaftsbild hatte sich geändert, große Bäume stehen nun an den Ufern im Wasser und haben besondere, dicke Wurzeln ausgebildet. Man sieht keine Delfine mehr, Seeadler kreisen mit Gekreisch über den Nestern, in denen die hungrigen Jungen sitzen. Vereinzelt gibt es Grundstücke, die bebaut sind, alle 10 km ist ein Steg, an dem ein paar Motorboote hängen und eine Tank Möglichkeit gibt es dort auch.


War der ICW Kanal von Miami nordwärts zuerst fast gerade gebaut und lediglich von Einfamilienhäusern gesäumt, befahren wir nun einen geschlängelten Fluss. Trotz des Tidenkalenders (eine App, die dir für jeden Ort an der Ostküste und für jede Uhrzeit den Wasserstand anzeigen kann) den ich benutze, dreht die Strömung in diesen Gewässern so oft, dass es fast unmöglich ist, zu prognostizieren, wann wir mit und wann gegen eine Strömung fahren. Segelboote sind wenige unterwegs, häufiger sind es kleine Motorboote und kleine Motor Yachten, die sehr diszipliniert über Funk anfragen, wenn sie dich überholen wollen („SYMI this is STARFISH, I am coming up on Port side for a slow pass“) was dann meist auch mit sehr wenig Wellen und freundlichem Winken gut funktioniert.
Das Bootsleben läuft auf den Wasserwegen generell sehr diszipliniert ab. Seid George Town haben wir heute wirklich dichteste Wälder und es fühlt sich wie eine Flussfahrt auf dem Amazonas an. Die Temperatur und Feuchtigkeit würde schon dazu passen.
Da abends Gewitter angesagt waren und wir nach über 40 Seemeilen und neun Stunden Fahrt etwas müde waren, fanden wir in einem seichten Seitenarm des Hauptflusses einen Ankerplatz.
Im ICW gilt ganz allgemein, dass du überall ankern darfst, wo es nicht explizit verboten ist. In unserem Fall war es ein Zufahrtsweg zu einer kleinen Stadt namens Calabash. Nur wenige Meter neben der mit Pfälen beschilderten „Straße“ wackelte es anfangs noch ein wenig, wenn uns Fischer und Ausflugsboote passierten, als der Himmel aber dann schwarz wurde und ein Wolkenbruch auf uns niederging und Ruhe im Bootsverkehr einkehrte, wurde es richtig idyllisch hier. Unser Mantus Anker verschmolz mit dem Schlick und hielt perfekt. Mir ist bei der Wahl des Ankerplatzes wichtig, daß wenig Welle und Strömung an SYMIs Anker herumreißen. An diesem Ort blies zwar Wind, aber es gab durch den Schutz einer kleinen Schilfinsel vor uns keine Windwellen. Und während der Regen auf das Dach prasselte genossen wir ein warmes Abendessen mit einer Flasche Rotwein, den ich noch aus Saint Martin‘s Reserve Kiste entnahm.
Am nächsten Morgen machten wir uns wieder um sieben Uhr auf den Weg. Es ging weiter durch den Kanal, wieder entlang 100 ter Häuser mit 1000den von Motorbootsstegen, unter Brücken durch bis wir die Südost Ecke der großen Bucht erreichten, das Cape Fear. Bei Blitz und Donner und Gegenströmung hatten wir noch gute zwei Stunden bis zu einem sicheren und ruhigen Platz zur Übernachtung. Bevor es dunkel wurde erledigte ich noch ein, zwei Reparaturen am Mast. Das Licht an der Mastspitze hatte offensichtlich einen Wackelkontakt und musste mit Kontaktspray wieder leuchtend gemacht werden. Beim Abstieg von 19 Metern tauschte ich noch die Dampferlicht LED aus. Jetzt funktionierten alle Beleuchtungsvorschriften wieder.
Es dämmerte noch als die Abfahrt zur nächsten Etappe begann. Wir durchquerten auf dem Atlantik die große Onslow Bay. Endlich setzten wir wieder Mal die Segel und mit einem Schnitt von 7,2 Kn. Erreichten wir gegen 18:30 Uhr die wilde, schaukelige Hafeneinfahrt von Beaufort. Auf den Fahrwasser Markierungsbojen sitzen meist Pelikane und schaukeln in den Wellen.

Hier treffen Meeresströmungen auf Flussströme und Wind mischt das ganze so richtig zu einer kabbeligen See auf. Zum Glück gabs noch freie Plätze im Taylor Creek, dem Flusslauf gleich vor der kleinen Stadt mit ihren Holzstegen und typischen Häusern am Kai. Ein ruhiger, netter Platz, stellten wir fest. Auf der Außenseite des Kanals lebten Wildpferde, denen wir beim Grasen zusehen konnten.
Da wir wieder mal Wäsche mit hoher Temperatur waschen wollten, ging’s Tags darauf in die einzige Laundry des Ortes. Andrea füllte begeistert die großen Trommeln und im Nu war alles erledigt. Für 12.-$ einen großen blauen Ikeasack ist nicht so schlimm.
Wir gönnten uns abends einen Thunfisch Salat und Krabben Laibchen, vorausschauend, daß wir in der nächsten Woche auf dem ICW nach Norfolk nicht vielen Restaurants begegnen werden.

Die Wetterprognosen sind für eine Außenfahrt am Atlantik nach Norfolk, um das berühmte Cape Hatteras herum, für die nächsten Tage zu schlecht. Dieses Kap hat es in sich und den Ruf als weltweit einer der größten Schiffsfriedhöfe (auf Grund sturmbedingter, gesunkener Yachten).
Unten siehst Du in rot den bisher von Grand Bahama zurückgelegten Weg. Deltaville ist unser Endziel. Das Foto darunter zeigt unser Jubiläum auf See. Seit dem Verlassen von Porto Heli in Griechenland haben wir mit SYMI 10.000 Seemeilen (18.540 km) zurückgelegt.


Also entschlossen wir uns, die ICW Innenvariante zu fahren.
Heute Freitag morgens um 06:30 Uhr ging’s wieder. Einfahrt in den ICW bei Beaufort. Gesamtlänge ist bis Norfolk 190 sm. Der Weg dorthin wird also vermutlich sechs Tage dauern.
Übernachten werden wir irgendwo am Wegesrand.
Wie immer wünschen wir Dir
Alles Gute 🍀
Gib Acht auf Dich und bis zum nächsten Mal

