🇻🇬 – Noch immer in den British Virgin Islands
Liebe Freunde,
Obwohl das Video im letzten Blog sehr gut angekommen ist, möchte ich heute mal wieder schriftlich berichten, wie wir so unsere Zeit verbrachten.
Seit mehr als einer Woche sind wir gemeinsam mit Freunden vom Segelboot „Uhuru“ unterwegs. An Bord sind Andrea und Kudi, ein oberösterreichisches Paar, dass mit ihrem nur 30 Fuß (9 m) großen Boot bereits einmal die Welt umrundet haben und seit vielen Jahren regelmäßig durch das Mittelmeer oder auch hierher in die Karibik segeln.Sie beide sind so herzliche und sympathische Menschen, die uns in den wenigen Tagen richtig ans Herz gewachsen sind. Sie absolvierten auch vor Jahren mit den Seenomaden (Doris & Wolf) auf deren Boot die Nordwestpassage. Ich als Segler würde sie als wahre Abenteurer bezeichnen. Wenn wir uns abends treffen, gibt es regelmäßig spannende Geschichten von ihren vielen Reisen durch die Welt.

So fuhren sie zum Beispiel mit dem Motorrad von Wien aus nach Indien und Myanmar, mit dem Auto durch Afghanistan und Pakistan oder durchquerten die afrikanischen Wüsten bis Kapstadt und erlebten die ungalublichsten Abenteuer. Ihnen gehen die spannenden Erzählungen nie aus.
Gemeinsam segelten wir hier in den BVI’s zwischen verschiedenen Inseln umher und ankerten dann immer nebeneinander, um abends bei einem Glaserl Wein gemütlich zusammen zu sitzen. Die Entfernungen, die man hier zwischen den Inseln zurück legt sind wirklich kurz. Sie Alle liegen nur wenige Kilometer auseinander. Ähnlich vergleichbar mit dem Saronischen Golf in Griechenland, zwischen Poros und Porto Heli.
Zu Ostern war der Tourismus und Charterverkehr noch relativ stark, ist aber in den letzten Tagen deutlich zurückgegangen und während der letzten Tage liegen wir meist nur mit anderen Langzeitseglern vor Anker. Eine Wohltat!
Gestern hatten wir eine kurze Etappe von zwölf Seemeilen bis nach Salt Island, einer kleinen, seit Jahrzehnten unbewohnten Insel, auf der bis vor 20 Jahren Salzabbau betrieben wurde.
Ein paar Häuserruinen, der vom Hurrikan Irma zerlegte Steg und die alte Salzlache sind die letzten Überbleibsel der heisigen Zivilisation. Dazu ein leerer Sandstrand. Also ein idealer Platz für ein Sunset Lagerfeuer. Mit schlechtem Gewissen 😜 fuhren wir mit dem Beiboot an den Strand, zogen es aus dem Wasser und genossen das bereits lodernde Feuer, dass die beiden Freunde vorbereitet hatten. Kudi hat mit zwei Holzplatten auf großen Steinen zwei Sitzbänke herbeigezaubert. Andi hatte trockenes Holz gesammelt und wir? Wir hatten ein schlechtes Gewissen, nicht mitgeholfen zu haben. Trotz allem genossen wir das Feuer und den herrlichen Sonnenuntergang.



Heute Vormittag fuhren wir zu viert mit dem Beiboot um die Ecke zu einem Felsen, um einen der zehn weltbesten Wracktauchplätzen mit unseren Masken und Schnorcheln zu besuchen.
In einer Tiefe zwischen 9 und 26 m liegt hier das Wrack des Segel-Dampfschiffs „RMS-Rhone“, die als Passagier und Postschiff zwischen Southampton und Brasilien und später auch den British Virgin Islands verkehrte.

Sie wurde am 29. Oktober 1867 bei dem Versuch sich vor einem Hurrikan der Kategorie 3 auf die offene See zu retten, in der Inseldurchfahrt an einen Felsen geschmettert, dabei explodierte der Dampfkessel und zerriss das 90 m lange Schiff, das in der englischen Navy als unsinkbar galt, in drei Teile.
Bei diesem Untergang kamen 120 Personen ums Leben, 20 Mannschaftsmitglieder konnten sich retten. Bei der Recherche vor unserem Tauchgang las ich die beunruhigenden Zeilen, dass es zu dieser Zeit üblich war, Passagiere in ihren Kabinen an ihre Betten zu fesseln, damit sie bei einem Sturm keine Verletzungen davon trugen. Schräge Sitten waren das damals und eine tragische Geschichte.
Man kann hier sowohl als Schnorchler als auch mit Flaschen tauchen, da das Wrack an einem Hang liegt. Für uns war es sehr beeindruckend so nahe dran zu sein, um es zu inspizieren. Den Barracuda (siehe Foto) sahen wir dann seelenruhig zwischen den Schnorchlern herumstreunen.




1977 wurde dieser Ort übrigens als Location für den Film „The Deep“ (mit Jacqueline Bisset) verwendet.
Nach der Rückkehr zu SYMI in die Bucht, wollte ich die Zeitz nutzen, um die Unterwasserflächen der Rümpfe von Algen und anderem Getier zu reinigen.
Der kleinere Bruder des oben gezeigten Barracudas, der beim Wrack herumschwomm, lag genau im Schatten von SYMI und schaute mich böse an, als ich unter den Rumpf tauchte. Da es immer wieder zu Unfällen mit diesen Fischen ommt, stieg ich aus dem Wasser, ließ den Rumpf veralgt und trank einen Kaffee…man weiss nie !

Heute Abend (Freitag) werden wir erneut zum Sonnenuntergang an den Strand gehen. Für Montag planen wir die BVI‘s zurück in Richtung Saint Martin zu verlassen. Die Windprognosen werden im April und Mai immer ungünstiger für uns. Meist herrscht kräftiger Ostwind und das bedeutet, dass es in den nächsten Wochen kaum passenden Wind zum Segeln nach Südosten geben wird. Wir nützen daher die Gelegenheit bei Flaute mit Motor die 75 sm auf die französisch-niederländische Insel zurück zu fahren.
An Bord SYMI ist alles gut. Wir sind Gott sei Dank gesund und genießen nach wie vor jeden Tag mit Sonnenschein und lauen Winden. Andi – mein Bruder wird uns voraussichtlich Ende April besuchen und eine Freundin von Andrea soll danach Anfang Mai zu uns stoßen. Darauf freuen wir uns schon, weil Heimatbesuch zu bekommen ist rar.
Ahoi von Bord SYMI

