🇪🇸 – Gibraltar bis 🇮🇪 – Sardinien

Liebe Freunde von SailingSymi,
nach unserer Ankunft in Gibraltar widmeten wir uns ganz und gar „Symi“.
Die von mir bestellten Ersatzteile aus Deutschland waren angekommen und ich konnte sie in der Rezeption bei der Marina abholen. Ich habe neue Leinen zum festmachen bestellen müssten, da die alten während der sieben Wochen auf der Azoren in der Marina leider etwas durchgescheuert waren.
Andrea putzte und erstellte einen Status der Essensvorräte an Bord, um eine Einkaufsliste zu erstellen für alles, was wir für den letzten Teil der Rückreise nach Griechenland benötigten.
Ich arbeitete die Liste mit Reparaturen ab. Dazu gehörten das neue Mastlicht zu montieren, die steuerbordseitige Bilgepumpe zu überprüfen, dem steuerbord WC eine neue Pumpe mit Zulauf einzubauen und Symi allgemein wieder technisch für den Start zur nächsten Etappe vorzubereiten.
Nach endlosem Hin und Her traf schließlich auch die neue Hochdruckpumpe der Klimaanlage im Hafen ein, die ich erfolgreich einbauen konnte. 
Auch Evelyn und Michi von der Ocean Fantasy trafen von Wien kommend im Hafen eauf ihrem Boot ein und wir genossen zwei letzte, lustige und gemütliche Abende mit ihnen. Wie wir erfuhr, war Michis Entscheidung also endgültig, nach drei Jahren Atlantikrunde war ihm das dauernde Instand halten ihres Bootes einfach zu viel, und er wollte sich anderen Dingen widmen. Sie steht nun zum Verkauf. Sehr schade, fanden wir, denn ein paar gemeinsame Sommer in Griechenland mit ihnen wären sicher schön gewesen.
Wie in einem Hotel spazierte ich zur Rezeption, um die zusätzlichen zwei Marina Tage und das verbrauchte Wasser zu bezahlen und mich zu verabschieden. 


Sonntag, 5. September 2026. Es geht wieder los. Wir legten ab und verlegten uns zunächst zur Tankstelle in Gibraltar, da dort in der britischen Exklave, 1 l Diesel nur 1,57 Euro kostet, wir wären dumm den Marina Diesel um 2,25 zu tanken. Schließlich fehlten noch 100 l, die wir in unsere Ersatzkanister pumpten.
Dann ging es hinaus, quer durch das Feld, der vielen, meist Tankschiffe, die in der großen Bucht von Gibraltar auf Reede lagen. Mit dem Motor umfuhren wir das westliche Ende des Affenfelsen, um dann mit neuem Kurs 045 mit 12 Meilen Abstand von der spanischen Südküste in Richtung Almeria zu fahren.

Fast windlos war die Fahrt und ich wusste auch von der Planung her, dass wir einen Großteil unserer Strecke mit Motor erldigen werden mußten. Nach unseren tausenden Kilometern seit Amerika aber, störte mich dies weniger, im Gegenteil, ich genoss es einmal wieder eine Etappe ruhig dahin zu dieseln. Nach einer ruhigen Nachtfahrt strahlt die Sonne wieder auf ein ruhiges Meer und wir passierten die Südost Ecke bei Almeria und ankerten am späten Nachmittag seit langer Zeit endlich wieder in einer ruhigen Bucht. Das Wasser war herrlich klar und hatte 27°. Wir sprangen hinein und ich konnte endlich wieder mit der Taucherbrille Symis Unterwasserschiff kontrollieren. Das hatte ich schon lange nicht mehr gemacht. Mit einem Metall Spatel kratzte ich eine Schicht von Kalkwürmer von den Schiffsschrauben. Durch die Unebenheit, die die Tiere auf dem Messingflächen bilden, kommt es bei der Rotation der Schraube zu Turbulenzen und dies vermindert die Bootsgeschwindigkeit bis zu einem halben Knoten. Dabei stellte ich auch fest, dass die in Deltaville neu montierten Zinkanoden, die auf dem Schaft des Propellers montiert sind, um eine Korrosion des Metalls zu verhindern, fast völlig aufgebraucht waren und nur mehr 3 mm Dicke hatten. Die Ersatz Anoden waren schnell montiert.


In der kommenden Nacht beim Wachwechsel gegen 2:00 Uhr morgens beobachten wir ein noch nie vorher erlebtes Schauspiel. Durch die hohe Wassertemperatur gibt es ausgeprägte Bioluminiszenz im Meer. Dies ist eine von mikroskopisch kleinen Lebewesen ausgehende, violett, bläuliche Ausstrahlung von Licht, die durch die Berührung der „Tierchen“ ausgelöst wird. Es reicht aus, die Hand durchs Wasser zu führen, um sie zum Leuchten zu bringen. 
Symi erzeugte in dieser Nacht durch ihre Fahrt durchs Wasser violett-blaue Bugwellen, die V-förmig von den Bügen geteilt wurden. Manche Welle neben dem Boot leuchtete im Vorbeifahren blau auf. Vor dem Bug, ein Stück voraus beobachten wir dann intensiveres Licht und leuchtende, bewegte Wellen, die sich uns aber eindeutig näherten. So etwas hatten wir noch nie erlebt. Mitten in der Nacht waren es zwei spielende Delfine. Sie waren umhüllt von blauem Licht. Sofort erinnerte uns diese Situation an die Landschaft und Wesen aus den Avatar Filmen, „Pandora“. Bei jedem Auftauchen der Delfine leuchtete das Meer noch kräftiger. Nach einer Stunde war das Schauspiel vorbei, scheinbar hatte sich die Meerestemperatur verändert und alles war wieder dunkel und erloschen. Die Fotos suind nur mit Iphone Kamera aufgenommen und nicht perfekt.

Nach dieser aufregenden Nacht setzten wir unsere Fahrt an der spanischen Ostküste gegen Norden fort. Noch immer kein Wind und wieder Motorfahrt. In der Ferne fiel mir ein Boot auf, dass auf Gegenkurs auf uns zu zukommen schien. Da der Mast ungewöhnlich schief über dem Horizont stand, nahm ich mein Fernglas und stellte mit Entsetzen fest, dass es ein Katamaran war, von dem nur mehr ein Teil des linken Rumpfes und eben der Mast aus dem Wasser schaute, der Rest des Bootes war unter Wasser. Daher diese unnatürliche Mastneigung. Ein Seenot Fall, schoss mir durch den Kopf, und ich beschleunigte das Tempo mit dem Kurs genau auf das untergehende Boot zu. Als wir dort ankamen, erkannten wir einen verlassenen 54 Fuß Katamaran, ein elektronisches Alarmgeräusch piepste immer noch. Der Großteil des Bootes war in bläulichem Wasser untergetaucht. die Luken beider Bugbereiche waren geöffnet, aber noch befand sich scheinbar genug Luft im Backbord Rumpf, um das Schiff vom Sinken zu hindern.
Ich nahm Kontakt mit der Küstenleitstelle von Cartagena auf, beschrieb die Situation und gab die Koordinaten des treibenden Wracks durch. Der freundliche Polizist am anderen Ende der Leitung bedankte sich und mahnte uns nicht zu nahe an das Boot zu fahren und unsere Reise einfach fortzusetzen. Sie würden sich darum kümmern. Und wirklich 30 Minuten später konnte ich auf meinem Plotter ein SAR (search and rescue) Signal eines Rettungsboots nahe der angegebenen Stelle sehen. Dort montierten sie offensichtlich einen Sender, der das Boot ab nun für die restliche Schifffahrt als treibendes Wrack kennzeichnete und es so auch nachts den Schiffen als Gefahrenstelle darstellte. Es ist ein seltsames Gefühl, selbst auf einem Boot zu sein und ein anderes zur Hälfte versunken im Wasser treibend vorzufinden. Was war wohl passiert? Es war ein Charter Boot recherchierten wir, von einer kroatischen Charter Firma, das scheinbar zwei Tage vorher in Not geraten war. Warum es gesunken war, erfuhren wir nie. Drogenschmuggel?

Der Herbst im Mittelmeer ist eine tückische Zeit, in der sich das Wetter in ganz Europa vom Hochsommer in eine kühlere Jahreszeit ändert. Dadurch sind die Druckverhältnisse nicht so stabil wie im Sommer und mit den ersten von Westen kommenden Fronten über Mitteleuropa wechseln die Winde meist mehrmals täglich ihre Richtung. Gewitter und Stürme sind genauso möglich wie Flauten. Darum ist es nicht so leicht, Ankerplätze zu finden, die von Wind und Wellen geschützt sind. Ein Platz, der abends beim Ankern noch ruhig wie ein Teich da liegt, kann über Nacht zu einem brodelnden Kochtopf werden.
Beim Ankerplatz für die kommende Nacht in Aguilas nahmen wir in Kauf, dass die Wellen vom Nachmittag noch in die Bucht hinein rollten und das Liegen etwas ungemütlich machten, dafür aber waren wir vor dem in der Nacht auf norddrehenden und auffrischen Wind sicher. Auch diese etwas wackelige Nacht ging vorbei, und am nächsten Tag waren es nur mehr 5 Stunden bis zur Marina Cartagena, für die ich am Vortag einen Platz für zwei Tage reserviert hatte. Wir konnten Cartagena gemütlich besichtigen, tagsüber war es fast 30° warm und sonnig. Cartagena wurde von den Römern besiedelt, und hatte wie alle Mittelmeer Städte eine oft wechselnde Geschichte mit vielen Eroberungen und verschiedenen Besitzern. Beeindruckend fanden wir das erst in den achtziger Jahren durch einen Abriss einer Häuserzeile mitten im Zentrum, entdeckte Amphitheater, dass 5000 Personen Platz bot. Die Stadt hat schöne Einkaufsstraße und gepflegte Gründerzeithäuser und machte einen sauberen und sicheren Eindruck auf uns. Ich besuchte das Marine Museum, während Andrea ein bisschen auf Shopping Tour ging.

Am zweiten Tag erledigten noch Essenseinkäufe und schon ging es morgens wieder hinaus auf See. 
Den Abfahrtszeitpunkt wählte ich wegen des günstigen Windes so gut, dass wir unter Segeln und Ausnutzung der Strömung, die auch noch bis dorthin von Gibraltar ins Mittelmeer hineinzieht und sich an dieser Ecke des Festlandes immer weiter verwirbelt, rasch voran kamen. Nach einer ereignislosen Nacht erreichten wir zu Mittag die Westküste von Formentera.
Es war zwar schon Nebensaison, aber hier war nichts davon zu merken. Das wunderschöne türkis Wasser am weißen Strand ist, glaube ich, das ganze Jahr über von hunderten von Booten bevölkert. Eigentlich ankerten nur wenige langzeit Segler, wie wir, hier. Der Großteil der Motorboote und Megayachten werden gechartert und das ist nicht billig. Für einen Tag auf einem 15 m Motorboot werden zwischen 3000-5000 €+ Benzinkosten fällig. Auf der Homepage eines Unternehmens veranschlagten sie den Verbrauch des Bootes mit 250 Litern/Stunden. Da kommt also rasch einiges zusammen, wenn man einen Tag Luxus haben möchte. Geld spielt hier scheinbar nur eine geringe Rolle. Bist du einmal vor Anker, kannst du dich von einem Schlauchboot eines der zahlreichen Restaurants abholen und zum Steg bringen lassen. Genau das taten wir und bemerkten dann als wir auf der großzügigen Terrasse mit Blick auf die Bucht Platz nahmen und die anderen Gäste an ihren Tischen beäugten, dass wir hier den Altersschnitt etwas drückten. So viele junge Menschen! Haben die alle genügend Geld, um sich das zu leisten? Wo ist hier die Krise? 
Die Tische bogen sich voll von Meeresfrüchten, Paellas und Weingläsern, gediegene Chillout Musik lullte uns perfekt ein, während dein Blick über die Klippe hinunter auf das türkis Meer, das von Bootsmassen verparkt ist, schweift. Abends gegen acht Uhr erlebt man hier einen wirklich unglaublich intensiv orangefarbenen Sonnenuntergang vom Feinsten.
Wir verspeisten gemeinsam einen Fisch, hatten jeder eine Vorspeise und ein Bier und zahlten 300 €. Man ist ja nicht jeden Tag hier.
Schwimmen im Türkis ist nur ganz nahe am Boot empfehlenswert. Rücksichtslose Motorboot Kapitäne rasen mit Riesenwellen im Kielwasser an dir vorbei. Nicht auszudenken, wenn man etwas vom Boot entfernt schwimmen sollte.

Für die dritte Nacht verlegten wir uns mit zwei Stunden Fahrt auf die Ostseite des nur 500 meter breiten Formenteras. Einerseits, weil der Wind über Nacht auf West drehte und andererseits, weil wir uns somit für die anstehende nächste Etappe ein paar Meilen ersparen konnten.

Für die über 350 Seemeilen, die wir am Montag, den 15. September in Angriff nahmen, berechneten wir drei Tage und zwei Nächte. Da, wie schon erwähnt, vor allem Ost Winde vorherrschend sind, wollte ich unbedingt den kurz anhaltenden westlichen Wind nutzen, um nach Osten, nach Sardinien zu Segeln. Auch diese Überfahrt wird sicher lange als sehr positiv und aufregend in unserer Erinnerung haften. Der Wind reichte gerade aus um mit voller Leichtwindbesegelung mit sechs Knoten dahin zu gleiten. Nur kleinste Wellen und keine Strömung behinderten Symis Fahrt. In der Nacht schlief der Wind gänzlich ein und wir starteten, wie geplant, den Motor. Da hier keinerlei Lichtverschmutzung existiert und wir kurz nach Neumond waren bot sich uns in der Nacht ein Himmelsschauspiel der Sonderklasse. Die Sterne funkelten bis auf den Horizont herab und selbst meine Hundswache von 4:00 bis 8:00 Uhr früh war bei 25° und dieser Aussicht ein Vergnügen. In der Meeresoberfläche spiegelten sich die Milchstraße und Sterne, sodaß die gesamte Umgebung und der Himmel zu einem riesigen Planetarium verschmolzen.
Abgesehen von einer furchteinflößenden Gewitterfront, die mir bei Sonnenaufgang begegnete verlief alles gut.
Tagsüber wurde wieder gesegelt, und das Meer lag wie ein kleiner See vor uns. Wir begegneten hier kaum anderen Schiffen, da die Hauptroute der Großschifffahrt durch das Mittelmeer entlang der nordafrikanischen Küste verläuft.

Am Abend, kurz nach Sonnenuntergang, mit dem letzten Licht, liefen wir in die Bucht von Porto Pino/Sardinien ein, warfen den Anker und schliefen uns ordentlich aus. An genau diesem Ort verbrachten wir bei der Ausfahrt aus dem Mittelmeer 2023 schon einmal eine Nacht und wußten daher auch noch, daß es ein hervorragendes Restaurant im Ort gab, das wir dann am nächsten Abend besuchten.
Samstag, den 19.9.26 machten wir einen kleinen Spaziergang zu einem See in hunderte Flamingos lebten, kauften nochmals ein wenig Brot und Obst ein und kehrten dann auf Symi zurück, um sie für die morgige nächste Etappe vorzubereiten. 80 Liter Diesel mußten aus Kanistern in den Tank umgefüllt, das Beiboot und der Außenbordmotor wieder verstaut werden. Und morgen um 6:00 Uhr geht es weiter. 
255 Seemeilen (erneut drei Tage und zwei Nächte) zu den Liparischen Inseln.

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Wie immer schicken wir die besten grüße an alle


Die Symis