🇺🇸 – Warten im Creek
Ahoi und herzlich willkommen bei einem neuen Blog von SYMI.
Vor 10 Tagen beschlossen wir die hektische und so großschiffslastige Stadt Norfolk zu verlassen und uns näher an unser endgültiges Sommerziel anzupirschen. Die Ausfahrt aus unserer Ankerbucht, bis zum Erreichen der großen Chesapeak Bay, ist gute 9 Kilometer lang. Du motorst vorbei an einem Trockendock nach dem Anderen. Überall werden hier die grauen Riesenschiffe mit der Weissen Nummer am Bug geservicet oder was immer die Navy damit macht (ist natürlich Geheimsache). Ich hatte den Funk auf Kanal 16 eingestellt und wir trabten mit braven 5 kn am rechten Fahrwasserrand dahin, nicht weit entfernt von einem der grauen Navy Riesen, da hörte ich den Funk kurz und kühl: „Warship 21 is backing up“. Ich sah rechts einen Hafenschlepper und auch die Nummer 21, wie sie ganz langsam ihre 200 Meter aus der Parklücke nach rückwärts schob. Wirklich langsam. Das wird noch dauern, meinte ich zu Andrea und startete den zweiten Motor, um beschleunigen zu können und die Nummer 21 noch vor dem Auslaufen zu passieren. Mit sieben Knoten rasten wir heran. Von Ferne nahm ich akustisch eine typische Sirene eines US Einsatzfahrzeugs wahr, ein Auto dachte ich, die rasen ja dauernd irgendwem hinterher in den USA. Andrea aber schrie aufgeregt, da sind sie, sie kommen näher. Ich blickte mich um und sah ein Schnellboot der Militärpolizei mit blinkenden rot-blauen Einsatzlichtern 50 Meter hinter uns, genau auf uns zukommend. Aus dem Außenlautsprecher hörte ich eine Frauenstimme, konnte aber nicht verrstehen, was sie sagte. Zuviel Lärm und Wind rundherum. Sie kamen näher und ich mir war klar, daß galt SYMI. Ich funkte auf Kanal 16 was ich tun sollte, aber bekam per Funk keine Antwort.

Dann verstand ich den Lautsprecher, der nur mehr 15 Meter entfernt war: „Tack to port!!!“ Tack to port!!!“ Ich drehte Symi 90° nach Backbord und schon war die Sirene still. Natürlich wäre sich meine Vorbeifahrt gemütlich ausgegangen. Hier in Norfolk aber herrschen andere Sitten. Militär hat oberste Priorität und jedes Schiff, das einem Navyship begenet, hat sofort und uneingeschränkt den Anweisungen des Militärs folge zu leisten. Wir waren mit unserem neuen Kurs auf der linken Fahrwasserseite angekommen und erst als wir die rote Begrenzungstonne passiert hatten, ließ die Polizei von uns ab, schrie noch ein „Thank You“ durch ihren Außenlautsprecher und drehte ab, genau in Richtung Riese Nummer 21. Geschafft, dachte ich. Wieder was dazu gelernt. Das die Navy es nicht nur auf die „Kleinen“ abgesehen hat, hörte ich etwas später am Funk, als ein 300 Meter Container Schiff weiter draußen der Nr. 21 begegnete. Er wurde per Funk angewiesen, die Geschwindikeit zu drosseln, an den Rand zu fahren, und keinesfalls den Kurs zu ändern.
Dann rollten wir das Vorsegel aus und endlich glitt SYMI wieder mit eigener Kraft durchs Wasser. Es waren gut 50 Kilometer bis zur Einfahrt in den historischen Seitenarm von Yorktown. Kurz vor dem Ort bogen wir nach Norden in einen Flussarm ab und stießen dann auf unsere bereits seit zwei Tagen hier ankernden Freunde mit ihrem Katamaran „Enja“. Wir hatten schon in Grenada im November ausgemacht, einander zu treffen, unsere Zwischenstops aber ließen dies nie zu. Jetzt war es endlich so weit und wir freuten uns. Ihr Buddy-Boat war auch hier. Mary & Paul aus England.



Wir ankerten in der Mitte des Creeks, rechts und links von uns lagen Häuser mit gepflegten Rasen und Stegen. Jedes mit einer Stars and Stripes Fahne davor. Alle aber ohne Strand? Verwunderung und eine Ahnung kam bei uns hoch. Das Thermometer war inzwischen durch ein stationäres Hoch auf 36° geklettert, es blies kein Windhauch und wir zerronnen, wie Eis in der Sonne. Alle Ventilatoren an Bord halfen nicht, die Hitze zu vertreiben.
Hier in den Seitenarmen ist das Wasser sehr warm und trüb und wir wurden von Einheimischen gewarnt, schwimmen zu gehen. Böse Quallen mit langen Tentakeln wohnen hier und können einen ganz schön verbrennen, sagten sie. Aus diesem Grund fuhren wir drei Schiffscrews die 15 Minuten Strecke mit unseren Beibooten nach Yorktown hinüber, um dort im kühlen, lokalen Museum den Tag zu verbringen.
Yorktown ist ein 100 Häuser Ort, sehr gepflegt und für Amerikaner eine Art Mekka. Hier kämpften 1781 Amerikaner und Franzosen gegen die Besatzungstruppen der Engländer. Mit Erfolg und durch diesen Krieg erlangte die USA ihre Freiheit. Das Museum war angenehm gekühlt und die kurze Geschichte dieses Krieges war auf unzähligen Tafeln und Ausstellungstücken auf mehrere Räume ausgedehnt, als würde das Mittelalter in Europa beschrieben. Nette Gschicht, aber so viel haben die USA halt in ihrer kurzen Vergangenheit nicht erlebt.


Abends luden wir an Bord zum Fleischlaberlessen, das Andrea hervorragend vorbereitet hatte.

Für die nächsten zwei Tage mieteten wir uns ein Auto. Bis zur Mietstation brachte uns ein Uber und wir waren selig, im kühlen Auto die Gegend erkunden zu können. Wir besuchten den 30 Minuten entfernten Boatyard in Deltaville, wo wir in weniger als zwei Wochen SYMI in die Sommer/Winterpause stellen werden. Das Gelände ist klein, mitten in einem Wald und könnte auch in Weitra im Waldvierel sein. Unser Termin war fixiert und der nächste und finale Schritt somit auch. Zurück ging es durch Wiesen und Maisfelder, endlos groß. Aber, wir wollten noch nicht in den Backofen SYMI zurück, sondern fuhren zu einem Kino. Wir genossen „Mission Impossible 2“ in Liegesitzen mit Popcorn. Civilization here we come. Am zweiten Tag begleiteten uns Sigrid und Thomas im Auto und es wurde eingekauft und auch noch die Stadt Williamsburg besucht.
Samstag fand in Yorktown der kleine Farmers Market statt, den wir nicht versäumen wollten. Frische Pfirsiche und Brot sind immer gut.


Der Vorteil unseres Ankerplatzes ist die Nähe zum hiesigen Yachtclub, der ein gutes Restaurant besitzt und an dessen Steg wir gratis Süßwasser tanken können.
Heute ist Dienstag, der 1.7.25 und es ist ein Wetterumschwung im Gange. Es wird labil und somit gewittrig und vielleicht dann auch nur etwas kühler.
Unser Plan ist nun noch eine Woche hier zu bleiben, Reinigungs und Pflegearbeiten auf SYMI zu erledigen und dann die letzten 45 km bis zum Boatyard hinauf zu fahren. Dort wird am Montag, den 14.7. gekrant, wir haben ein kleines Zimmer für 5 Nächte in der Nähe des Yards gebucht und am 21.7. sollte uns die AUA mit unserem Freund und Flugkapitän Thomas K. nach Wien bringen.
Wir hoffen, daß alles klappen wird und freuen uns nach beinahe 9 Monaten sehr auf zu Hause und alle Menschen, die uns gefehlt haben.
Wir wünschen Euch kühlen Kopf in der Hitze in Europa und trinkt genug Wasser bitte!
Beste Grüße von Bord SYMI
