Ahoi liebe Leserinnen und Leser, auf der anderen Seite des großen Teichs.
Was gibt es Neues bei uns auf SYMI?
Die etwas windarme Überfahrt von Saint Martin in die British Virgin Islands (BVI) verlief problemlos.
Nach fast einem Jahr waren wir wieder zurück auf britischem Boden.
Viele Veränderungen gab es nicht. Nach wie vor ist dieses kleine übersichtliche Segelgebiet jenes mit der höchsten Zahl an Charterbooten in der gesamten Karibik. An die 1500 Yachten werden hier vermietet. Dementsprechend voll sind auch die beliebten Orte und Buchten. Randvoll könnte man sagen. Zwischen den Inseln wuseln Yachten, Fähren und auch Kreuzfahrtschiffe. Der Anblick solcher Mengen an weißen Segeln erinnert mehr an eine große Regattaveranstaltung als an ein Urlaubsparadies. Meist folgen die Charter Kunden einem von der Charterfirma empfohlenen Zeit und Zielplan. 80% der Charterflotte besteht aus Katamaranen. Die sind grossräumig und flott und das Segeln scheint bei dieser Art Charterurlaub ohnehin eher zweitrangig. Leben auf dem Boot und der Besuch aller im Prospekt angegebenen Sehenswürdigkeiten scheint eher das Ziel. Zur Fortbewegung von A nach B werden meist gar nicht die Segel gesetzt, sondern es wird mit Vollgas motort. Dabei entwickelt jedes Schiff zwei Heckwellen und bei solch großen Mengen an umher kreuzenden Schiffen wird aus all diesen Heckwellen ein unnatürlich unruhiges Meer. Irgendwann prallen sie an eine Küste und alles was sie treffen wackelt, hebt und senkt sich. SIe erreichten auch uns. An einsamen Plätzen, ruhig vor Anker liegend lassen solch störende „Kunstwellen“ SYMI ganz schön schaukeln. Im zehn Minuten Takt und ich kann sagen: „Das nervt“.
Sind die Flotten der Charterboote dann am Nachmittag endlich an ihrem Ziel zusammengerottet, kommt langsam Ruhe in die Buchten, die Wellen bügeln sich selbst. Auch die Schnellboot Taxis, die Tagestouristen an diese schönen Orte bringen, sind Heim gefahren. Das Meer bekommt seine Nachtruhe.

Wir suchten diesmal eine möglichst vom Trubel abgelegene Bucht auf und gruben den Ankern südlich der kleinen Insel Eustatia in den weißen Sandboden. Türkis Wasser, nur vier andere Boote neben uns und ein herrlicher Ausblick über das Riff zur Nachbarinsel Necker Island, die dem Briten und Virgin-Group Gründer Richard Brenson gehört. Wenn wir zum Sundowner mit einem Drink in der Hand diesen Ausblick genießen, tun wir dies jedes Mal mit großer Dankbarkeit. Solch großartige Orte zu besuchen braucht es entweder ein Boot (zugegeben auch nicht die billigste Art zu Reisen) oder wirklich viel Geld. Die acht Bungalows auf Eustatia zum Beispiel erfuhren wir, werden pro Haus für $ 35.000.- aber pro Tag ! vermietet. Zur Zeit finden Umbauarbeiten statt, aber bald kann es da wieder los gehen. Der Transfer mit dem Speedboot ist inkludiert, der Helikopter nicht.

Wir genossen den Sonnenuntergang daher diesmal ganz besonders. Der ist übrigens in den etwas nördlicher gelegenen BVI um circa 20 Minuten später als in Grenada. Um 18:15 Uhr ist die Sonne verschwunden und 15 Minuten später ist es dunkel. Jahraus jahrein 12 Stunden Tag und 12 Stunden Nacht.
Diese kurzen Abende sind für mich der Wermutstropfen beim Segeln in den Tropen. Wie schön sind da die langen Abende in Griechenland, wo man bis halb Zehn Uhr abends beim Essen noch Licht hat.

Am nächsten Tag klarierten wir bei den Behörden aus, ließen die Pässe stempeln, und segelten das kurze Stück bis zur der Grenze zu USA nächsten Insel. Die Nacht dort war etwas unruhig und stürmisch und wir fuhren daher gleich morgens durch den circa 1,5 km breiten Kanal zwischen Saint John (USA) und Tortola (BVI) und nahmen dann vor der Hauptstadt der Insel Saint John, eine Boje. Da kurz danach eine SMS hereinkam, dass unsere Einreichung im amerikanischen online System, die ich während der Fahrt abgeschickt hatte, abgelehnt wurde, fuhren Andrea und ich sogleich mit dem Beiboot zum Immigration Office in die Stadt, um das Problem zu klären. Mit den US Behörden ist bekanntlich nicht zu scherzen, noch dazu in Zeiten wie diesen.
Das Büro hat seine eigene Anlegestelle, ist fest eingezäunt und wird rundherum von unzählbaren Kameras überwacht. Wir sind nun in den USA, dachte ich bei mir. Die freundliche und in sauberster Uniform gekleidete Beamtin erklärte mir hinter ihrer dicken Glasscheibe sitzend, das sie mein Boot am Weg hierher beobachtet hätte und ich an der Grenze zu den BVI ein wenig im Zick-Zack Kurs segelte. Somit machte ich mehrfache Grenzübertritte ins britische Territorium und zurück und damit ist mein online Antrag ungültig. Aber ich dürfte ihn korrigieren und sollte nochmals alle Papiere und Daten am PC im Foyer des Büros eingeben.
Ich füllte also nochmals alles online aus und nach Abnahme eines Fingerabdrucks, einem aktuellen Foto und der Kontrolle unseres 10-Jahres Visums wurden wir von ihr mit den Worten: „ Welcome to the US Virgin Island – Guys“, herzlich begrüßt.
St.John gehörte früher zu Dänemark (Sankt Jan) und wurde erst 1917 um 25 Million Dollar an die USA verkauft.
In ihrer Blütezeit zwischen 1740 bis zur Beendiging der Sklaverei 1848 hatten die Dänen hier eine rege Wirtschaft, betrieben Zuckerrohrplantagen und exportierten den Zucker nach Europa. Jahrhunderte lang mußten hier bis zu 110.000 afrikanische Sklaven die Schwerstarbeit auf den Feldern und in den Fabriken erledigen. Nach deren Befreiung Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es für die eingesessenen Zuckerrohrbarone unwirtschaftlich ihre Arbeitskräfte bezahlen zu müssen und sie verließen die Insel. Außerdem rang vor allem der südamerikanische Kontinent der Karibik den Platz ab. Durch den technischen Fortschritt arbeiteten dort bereits dampfbetriebene Zuckermühlen, die mit weit weniger Personal auskamen. Wir besuchten eine der Landwirtschaften. In Europa wurde gleichzeitig die Zuckerrübe entdeckt und somit konnte Zucker lokal produziert werden. Die Ruinen stehen heute als Denkmal und Mahnmal gegen die Sklaverei. Die Siedlung heißt „Annaberg“.
Hier die Windmühlenruine am Gut „Annaberg“, das 1894 aufgegeben worden war.

Die Insel steht zu zwei Drittel unter Naturschutz und das Ankern ist an fast allen Orten verboten.
Kaum waren wir vom Einwanderungsbehördenweg zurück an Bord, besuchte uns ein freundlicher älterer Herr mit seinem Schlauchboot, überreichte mir einen Prospekt und erklärte sehr freundlich, welche Regeln es im Nationalpark zu beachten gibt: wir sind verpflichtet an Bojen anzulegen, diese Kosten $ 26.- pro Nacht und können mittels App online bezahlt werden.

Strände dürfen nur an bestimmten markierten Punkten mit einem Beiboot angefahren werden. Das Beiboot muss nach dem Anlanden sofort aus dem Wasser gezogen werden. Alle Strände sind mit Schwimmbojen abgegrenzt. Es gibt auf jedem Strand ein Müllzentrum und genügend Auto Parkplätze.
Jetskis, Wasserskifahren und andere lärmende und wellenerzeugenden Wassersportaktivitäten sind verboten. Ab 22:00 Uhr, sagte Jeff, ist Bettruhe in der Bucht.
Das ist Ordnung. Eben Amerika. Wir waren in den letzten 1,5 Jahren auf keiner so sauberen und aufgeräumten Insel. Die Amis machen das wirklich gut.
Alle kommen freundlich auf dich zu, jeder grüßt dich, lächelt und ist hilfsbereit. Nur die Preise.
Die Preise sind wesentlich höher als in Europa und als bisher in der Karibik. Ein Beispiel von heute. In der Frittenbude am Strand kostete ein Thunfisch Sandwich auf einem Papierteller 16.-, das Dosenbier 6.-, also zu zweit zahlten wir 44.- US-Dollar für einen Mini Imbiss.
Wir unternahmen eine kleine Wanderung von 5 km und konnten den wunderbaren Ausblick auf unsere Bucht genießen.

Der Plan für die kommenden zehn Tage ist bei uns sehr wetterabhängig. In der nächsten Tagen gibt es starken Ostwind und immer wieder Regen. Wir werden von Saint John auf die Nachbarinsel Saint Thomas übersetzen und erwarten am 11. Februar Besuch aus Wien 🤩. Andreas Schwester kommt für vier Wochen an Bord und wird uns in den Bahamas irgendwo verlassen.

Ich schicke die besten Grüße von Bord. Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal
Euer Captain

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