🇧🇸 – überall Türkis (wir sind in den Exumas)

Ich darf Dich sehr herzlich bei einem neuen Symi-Blog begrüßen.

Ich möchte Dir anfangs berichten, dass es uns wirklich gut geht. Wir und SYMI sind wohlauf.
Wenn ich nicht immer Zugang zu Nachrichten hätte, würde ich hier weder einen Zoll, noch einen Atomkrieg mitbekommen. Natürlich nehme ich die Krisen dieser Welt wahr und bin besorgt darüber wie Du. In welche Richtung geht da unsere Welt?
Seit mehr als zwei Wochen sind wir nun schon wieder unterwegs. Ich war etwas faul und nur Andrea pflegte inzwischen fleissig ihren Polarsteps Account und fütterte ihn mit frischen Fotos, ich genoss einfach die Reise.
Nach unserer Ankunft in George Town am 26.3.25 waren wir wild darauf, endlich wieder in einen Supermarkt zu kommen. Obst, Gemüse, Milch und ein paar Schockis/Chips standen ganz oben auf der Einkaufsliste. Der Weg dahin ist in George Town mit dem Dinghy einzigartig. Der Steg für die Dinghys liegt in einem kleinen Inlandteich, den man nur erreichen kann, indem man durch einen kleinen Tunnel unter der Hauptstrasse hindurchfährt. Dort wird das Beiboot festgemacht. Gleich in der Nähe parkt ein Pick-Up Van, auf dessen Ladefläche man seinen Müllsack deponieren darf. Die fünf Dollar pro Sack wirft man beim schmal geöffneten Fahrerfenster in das Wageninnere. Ich machte noch davor einen kurzen Besuch bei der Tankstelle, um den 12 Liter Beiboot Tank aufzufüllen. Unser Dinghy ist ja wie unser Auto. Wir benutzen es fast täglich. Entweder, um Einkäufe zu machen, die Buchten zu erkunden, zu Tauchspots zu gelangen oder zum Abendessen an irgendeinem wackligen, kleinen Holzsteg eines lokalen Restaurants anzulegen. Unser Honda Außenbordmotor frisst Superbenzin in Maßen. Pro Stunde, so rechnet man bei Booten, benötigt er ca 3 Liter.

Wir tankten und machten dann mit dem Beiboot am Steg fest und gustierten im Supermarkt die Angebotslage. Obst und Gemüse gab es zwar, aber wie sich dann an Bord beim Kochen herausstellte, war die Qualität und Haltbarkeit nicht so gut, wie wir sie von anderen Inseln kannten. Egal, Hauptsache der Kühlschrank war wieder gefüllt. 
Wir verlegten Symi dann etwas weg von der Stadt vor eine kleine Insel östlich, die von Nord nach Süd, wie ein Wall vor den großen Wellen des Atlantiks schützt. Hunderte von anderen Seglern dachten sich offenbar das gleiche, denn wir lagen, wie in der Bucht von Poros, eng an eng nebeneinander.
Bevor der Wind seine Richtung nach Ost drehte dauerte es noch zwei Tage, die wir aber zum Erkunden nutzten.

Der seit Jahrzehnten beliebte Seglertreffpunkt „Chat N Chill Beachbar und Grill“ hat sich in den letzten 10 Jahren nur etwas vergrößert aber die vielen Dinghys, laute Reggaemusik und viele Menschen, die barfuss und in Shorts in der orange Abendsonne hier zum Sundowner oder auf einen Burger vorbeikommen sind gleich geblieben. Auch die angefütterten Rochen, die einen beim Schritt ins seichte Wasser über die Füsse gleiten gibt es noch.

Wir genossen jeder ein Kalik-Bier und waren dankbar für den netten Sonnenuntergang, den wir erleben durften.
Oft habe ich ihn schon erwähnt. Den Bewegungsmangel. Wo sich daher für uns eine landschaftliche Region für Betätigung anbietet, heisst es Sportschuhe an und mit dem Dinghy zum Strand. Da die Gezeitenunterschiede hier ungefähr einen Meter ausmachen muss man sein kleines Boot wohlweislich am Strand hochziehen und an irgendeiner Palme festbinden, damit man bei der Rückkehr nach dem Wandern keine böse Überraschung erlebt. Ich habe bei unserem „Rudolph“ (Dinghyname auf Grund seiner roten Farbe am Bug) am Heck zwei ausklappbare Räder montiert, die es bei gutem Untergrund ermöglichen, das Boot wie eine Schubkarre an den sicheren Strand zu ziehen. Der Motor wiegt 50 kg und das Boot nochmals so viel, dass läßt sich zu zweit nicht stemmen, rollen aber geht meist ganz gut. Unser Spaziergang führte uns am nächsten Tag über die kleine Insel zum Atlantikstrand, an den die Wellen anbranden und dabei so viel Lärm erzeugen, dass eine Unterhaltung schwierig wird.
Es war ein phänomenaler Ausblick von dort oben.

Endlich, der Winddreher war da und die Windgeschwindigkeit passte auch, nichts wie los in richtung Norden. Dorthin erstreckt sich das Inselgewirr der sogenannten „Exumas“ (siehe Karte am Ende). 180 km türkis Meer mit Wassertiefen zwischen ein und sechs Metern und gut 40 Inseln. Manche davon berühmt und touristisch überlaufen, wie Staniel Cay, wo sich die James Bond Grotte aus dem Film „Thunderball“ befindet oder der berühmte Strand mit den schwimmenden Schweinen. Andere Inseln haben noch leere Strände ohne Jetskis und Menschen.
Wir bevorzugen meist das Letztere und segelten los.
Alle paar Kilometer gibt es zwischen den Inseln Einfahrtspassagen, durch die man vom wilden Atlantik in die wellenarme türkis Traumwelt einfahren kann. Mal eng oder mal breiter, auf jeden Fall muss man wissen was man tut, weil es voraussetzt, daß die Tide in die seichte Inselwelt hinein (Flut) fließt nicht gegen die Atlantikwelle hinaus. Denn dabei könnten ernsthafte, bedrohliche Situationen entstehen, die durch die enormen Strömungskräfte schon so manches Schiff an den Felsen zerdrückt haben.
Nach drei Stunden Segeln, paßte bei uns Zeit, Flut und Wind hervorragend und bald schwebten wir über drei Meter Sand in einer Bucht und ankerten. Auch dort, verriet uns ein Bahamas Buch, gab es Schweine am Strand, nur angenehmer Weise ohne Menschenmassen herum. Kaum am Strand gelandet stürmten zehn kleine Ferkel und zwei Muttertiere zu uns ins Wasser und begrunzten uns. Ein etwas seltsames Erlebnis. Wir haben es getan.

Am nächsten Tag segelten wir mit herrlichem halben Wind bis Rudder Cut Cay (nochmals zum Auffrischen: Aussprache wie der Schlüssel auf Englisch; „kiie“). Dieses Eiland gehört dem Zauberer David Copperfield, der sich den Spass erlaubte ein aus Metall geschweißtes Piano auf fünf Meter Tiefe in eine seiner Buchten zu versenken. Wir ankerten daneben und trotz der wirklich intensiven Strömung tauchte ich hinunter.

Zum Übernachten wählten wir eine etwas nördlich davon gelegene Insel, die in der Navi-App ein Restaurant versprach. Beim Ankerwerfen war Niedrigwasser und ich konnte wieder einmal die Genauigkeit meines Echolots kontrollieren. Unter unserem Kiel waren genau 30cm Wasser. Wir genossen den Landgang zum so nobel klingenden <Little Farmers Cay Yacht Club>, den ich daheim als Landbeisl bezeichnen würde. Wir aßen was es gab und das waren 🍔 Burger und Pommes frites. Die „abwechslungsreiche“ US Küche ist hier leider fast überall zu Hause. Das haben wir schon mitbekommen.
Für die folgenden drei Tage suchten wir uns eine gut geschützte Bucht, da wieder einmal eine Kalt und somit Windfront durchrauschte. Abgesehen von einem weiteren Restaurant, dass wir besuchten, hatten wir an diesem verschlafenen Ort namens Black Point wieder Mal eine Begegnung mit großen Ammenhaien. Fischer warfen Fischabfälle ins Hafenwasser und schon waren sie da und fraßen die Reste. Diese Haiart ist für Menschen angeblich völlig ungefährlich. Wenn man aber, so wie wir, Haie rund ums eigene Boot ganz und gar nicht gewöhnt sind, flößt die Begegnung Respekt ein.

Der nördlichste Punkt unserer Exuma Tour sollte Johnny Depps und gleich daneben die Insel des Aga Kahn sein. Beide liegen in einem das nördliche Drittel der Exumas bedeckenden speziellen Naturschutzgebiet. Dort, so sagt es die online Beschreibung, ist Lagerfeuer und das Mitnehmen von Hunden auf einsame Strände strengstens verboten. Es versteht sich von selbst, daß auch das Betreten aller Privatinseln verboten ist. Darauf wird durch große Warnschilder deutlich hingewiesen. Jede Übernachtung am Boot im Park, egal ob ankernd oder an einer Boje, kostet je nach Bootsgröße, zwischen 30.-(für uns) bis 120.-$ pro Nacht. Dadurch sind weniger Boote unterwegs.
Die vielen Kanäle, Durchfahrten, Sanddünen und überall leuchtet türkis Wasser dazwischen. Es ist wirklich wunderschön. Unzählige Schattierungen von Türkis werden dem Auge fast zu viel. Setzt man aber die Sonnenbrille auf, ist die Farbenpracht durch die Polarisation noch eine Stufe höher. Selbst die weissen Bäuche der Seemöwen leuchten türkis.
Wir fuhren an Land und wanderten auf der atlantischen Seite über Sanddünen bis zu einem großen bühnenartigen Höhleneingang, der vor Ewigkeiten von den Wellen des Atlantiks ausgewaschen wurde. Mit dem Dinghy fuhren wir dann noch den kurzen Weg zu einem kleinen Felsen, der sich mit einem Schild selbst beschreibt: „The Aquarium“. Zwei Bojen sind davor im Boden zum Festmachen für Dinghys verankert. Gleich beim Hineingleiten aus dem Beiboot ins Wasser ist man tatsächlich von 100ten Fischen umgeben. So viele haben wir in der gesamten Karibik tatsächlich noch nie gesehen.

Das Wetter bestimmt jede unserer Fahrten. Jeden Ort an dem wir uns aufhalten. Es bestimmt die Dauer des Aufenthaltes und den Tag der Abreise. Jeden Tag ist es meine Aufgabe Wetterdaten zu vergleichen, mögliche Routen und Ankerplätze mit einzubeziehen und mit Andrea zu entscheiden, welches Ziel wir anvisieren. So verließen wir den Naturpark nach zwei Tagen Richtung Süden zurück und suchten uns ein neues Plätzchen, daß uns vor einer Gewitterfront ruhigen Schutz gewährleisten würde. Den Seekartentiefen folgend und gleichzeitig mit Augapfelnavigation motorten wir in eine kleine zwei Meter seichte aber gut geschützte Stelle und ankerten. Ganz in unserer Nähe ist eine Sandbank, auf der eine Schaukel installiert wurde, um Touristen wie uns ein schönes Fotomotiv zu bieten. Bei Ebbe fällt die Bank komplett trocken. So fuhren wir kurzer Hand hinüber und auch wir setzten uns auf die Schaukel.

Der weitere Weg ab morgen ist noch nicht fix. Auf jeden Fall müssen wir spätestens am 18.4.25 in George Town zurück sein, um am 20.4. unsere Freunde Katharina und Georg abzuholen.
Unten siehst Du eine Karte der gesamten Exumas und den eingezeichneten Weg in blau und rot, den wir hier segelten. Im Menü Fotos oder mit diesem Link hier kannst Du noch weitere Fotos sehen.

Ich hoffe es hat Dir Spass gemacht auf SYMI’s Blog.
Alles Gute und beste Grüße von Bord wie immer
Pauli