Wellen entstehen hauptsächlich durch den Einfluss des Windes. Die Windgeschwindigkeit beeinflusst die Höhe der Wellen ebenso wie die Fläche des freien, vom Land unbeeinflussten Seengebietes (sogenannter „Fetch“). Je länger der Wind auf das Wasser wirkt, desto höher kann er die Wellen aufwühlen.

Die Wassertiefe wiederum ist ein weiterer Faktor für die Wellenhöhe. Je tiefer die See, umso höher die Wellen. Der Wind erzeugt also die Windsee.

Bei der Entstehung des Wellenbildes allerdings sind auch die Faktoren Strömung und Einflüsse durch in der Umgebung befindlichen Hoch/Tiefdruckgebiete beeinflussend. Ein Sturm in 1000km Entfernung kann seinen noch spürbaren Schwell (Wellen ohne Windeinfluss, die sich sozusagen im Absterben befinden und auslaufen) in alle Richtungen schicken. Diese werden dann ein Sekundärschwell. Schließlich beeinflussen noch Strömungen und Meerestemperaturen den Wellenablauf.

Dieser Mix aus unterschiedlichen Richtungen „(zer)stört“ die gleichmäßigen Windwellen und macht aus der Meeresoberfläche einen unruhigen Schauplatz.

So wird SYMI nicht nur angehoben und surft dann die Windwelle hinunter, sie bekommt sekündlich seitliche Wellenschläge oder wird durch eine sekundäre Welle von schräg hinten zur Seite gedrückt.

Um die Kräfte zu beschreiben, die sich auf mich, zum Beispiel im Bett in der Nacht, einwirken, muss ich ein paar Vergleichsparameter verknüpfen.

Stell dir folgende Situationen als ein Ganzes vor:

1. Seitliches Rütteln: auf der Ladefläche eines Geländewagens off-road mitfahren(im Liegen)

2. Beschleunigung: in einem Autobus in der Stadt, stehend, eine kurvige Strecke mit kurzen Notbremsungen erleben.

3. Auf einer Schaukel die kurze Schwerelosigkeit fühlen.

Beim Stehen und Gehen an Bord in schwererem Wetter ist die Koordination des Gehirns bei all den unterschiedlichen Impulsen aus verschiedenen Richtungen etwas überfordert und man fühlt sich ähnlich dyskoordiniert wie nach einer Flasche Wein und ein paar Ouzos.

Dieser Wackelzustand ist natürlich nicht ein Dauernder. Durch Planen und Legen eines günstigen Bootskurses hat man auch starken Einfluss auf diese Faktoren.

Die modernen Windvoraussagen enthalten Details zu den bevorstehenden Wellenverhältnissen.

◦ Höhe

◦ Richtung

◦ Wellenlänge

◦ Voraussichtliches Rollen

◦ Vertikale Beschleunigung

Wie das die Mitsegler und Mitseglerinnen erleben, soll jeder einzelne beschreiben:

Anna/Nini

„Da ich in der Bugkabine schlafe, bekomme ich nicht nur das gut beschriebene Wackeln mit, sondern spüre auch wie der Bug das Wasser vor mir teilt. Von beiden Seiten platscht und gluckst es, ich fühle mich wie in einer Waschmaschine, werde hin und her gerollt, aber auf eine gemütliche Art. Ich bin die einzige an Bord, der manchmal schlecht wird aber finde das dies absolut nicht verwunderlich, wenn der Alltag auf einmal so durchgeschüttelt wird.“

Ferdi

„Ich denke, die Bewegungen sind wie voll betrunken auf freier Fläche gegen einen Sturm anzugehen. Mit Böen von der Seite, die dich abrupt zur Seite drücken.“

Andrea

„Für mich ist es ein ständiges Hin und Her geworfen werden. Ähnlich vielleicht wie im Round-up im Wurschtelprater. Egal ob man liegt, sitzt oder steht. Außerdem ist es eine Herausforderung für meine bediente Wirbelsäule.“

Auf SYMI, einem Katamaran, entfällt zum Glück die Komponente des schief Stehens des Bootes durch die Segel.

Jenen, die es kennen, werden diese Zeilen wenig Neues geboten haben, jenen, die nur auf festem Boden leben, wurde damit hoffentlich nicht ganz die Romantik des Segelns verdorben.

Ein wunderbarer, positiver Aspekt von Wellen ist hier im tropischen Meer, das bereits 27,5 Grad hat, das Phänomen des leuchtenden Planktons in der Nacht. In vielen brechenden und durch das Boot geteilten Wellen leuchten bioluminiszierende Algen auf, wenn sie bewegt werden. Magische Augenblicke im Dunkeln, wenn SYMI grün leuchtende Spuren, wie Schienen, hinter sich im Kielwasser läßt.

Der Wind hat heute am 7. Tag abgenommen. Wir machen trotzdem gute Fahrt und wollen übermorgen die Mitte der Strecke erreichen.

Durch Ferdis Weiterreise nach LA am 25.12. habe ich das Anlaufziel jetzt von Tobago auf Grenada umgestellt. Sind ca. 75sm mehr, aber er kann so hoffentlich den Flug nicht verpassen.

Beste Grüße von Bord 🌏⛵️📡