Tag 2
Ahoi vom Atlantik,
Gestern nach der Abfahrt blieb hinter uns die Insel Santa Maria und eine orangerote Sonne im Kielwasser. Wir fuhren mit Motor durch die 1.Nacht. Es war sternenklar. Wie eine Käseglocke wölbten sich die Sterne und die Milchstraße über uns. Zum Greifen nahe und ein klarer Himmel, wie wir ihn selten erlebt haben. Im Dunkeln hinterließ der eine laufende Motor eine phosphoreszierende Spur hinter uns, wie eine Schiene, auf der wir dahin fuhren.
Der heutige Tag war sonnig und wir konnten die Segel zur Motorunterstützung setzten. Trotzdem blieb unsere Geschwindigkeit bei nur 5 Knoten. Aber Zeit haben wir ja. Später gabs wieder Delfinbesuch und gegen Abend begleiteten uns kleine Thunfisch neben dem Boot. Ich warf sofort die Angel aus und kaum hatte sie das Wasser berührt, hatte ich einen dran. Er konnte sich aber leider wieder befreien und teilte seinen Genossen scheinbar mit, dass ich am Angeln war und sie ja nicht anbeißen sollten, denn bis zum Abendessen blieb ich erfolglos. Darum koche ich heute Huhn mit Cashewnüssen Das hatten wir schon gefangen 🙃.
Die kommende Nacht wird wieder eine Ruhige. Ich sende allen liebe Grüße vom Meer. Uns geht’s blendend.
LG Pavlos
Tag 3
Ahoi !
Wie gestern war die letzte Nacht auch so ruhig, dass die nicht Dienst habenden wunderbar schliefen. Heute nimmt der Wind endlich etwas zu, sodass wir die Segel als Motorunterstützung nehmen konnten. Derzeit 42° Windwinkel. Beim Backbord Motor tropft zwar etwas Öl aus dem Wasserpumpengehäuse, das am Motorblock montiert ist, dort ist die Dichtung zu tauschen. Das eilt aber nicht. Immer was los … der Crew und mir geht es gut 👍🏻 und wir haben noch 4-5 Tage vor uns. Eigentlich vergeht die Zeit vergeht rasch auf dem Boot. Wir haben festgestellt, dass hier auf hoher See der letzte Ort auf der Welt zu sein scheint, an dem man die absolute Natur und Ruhe genießen kann. Zwar ist 360° rundum nur Wasser, aber dafür auch keine Ampeln, keine anderen Schiffe, ab und zu treibt eine Schildkröte an uns vorüber oder Delfine kommen zu Besuch. Keine Flugzeuge, kein Lärm und keine Regularien!
Ich sauge diese Weite und die Ruhe in mir auf, weil ich weiß, kaum werden wir in Spanien ankommen, sind wir wieder im Strudel der rastlosen Menschheit.
Macht’s gut und bis morgen.
LG Pavlo
Tag 4
Eigentlich begann die letzte Nacht mit einem schönen Sonnenuntergang und war danach genauso ruhig wie die vorletzte. Um circa Mitternacht weckte mich Anna, da das Radar in 6 Meilen Entfernung ein Objekt gefunden hatte. Wir versuchten alle Tricks, herauszufinden, um was es sich da handelt. Es war in der dunklen Nacht kein Licht zu sehen, und nachdem wir zuerst 20° nach Süden ausgewichen sind und uns das Objekt folgte, kehrten wir wieder auf unseren alten Kurs zurück und passierten dann in circa 4 Meilen Entfernung dieses unbekannte Objekt. Kurze Zeit später verschwand es vom Radarschirm. Ich vermute eine Gruppe von Walen. Da heute das einzige große Frachtschiff an uns vorbei fuhr und ich einen Radar Größenvergleich hatte, muss es sich um etwas das gute 250 m lang war, gehandelt haben. Ein chinesischer illegaler Fischer, unbeleuchtet? Wale? Atlantis?
Ich blieb dann gleich wach und vollendete um 5:00 Uhr meinen Dienst, den ich an Andrea übergab.
Heute, endlich um 15:00 Uhr nahm der Wind auf zwölf Knoten zu und wir sausen jetzt mit über sieben Knoten Richtung Osten. Wir leisten uns heute die Starlink Roaming Gebühr, um das Finale der WM zu sehen. Noch drei Tage bis Faro.
Postskriptum: meine Schulter ist heute leider nicht gebessert. Vielleicht morgen?
Noch einen schönen WM Abend und beste Grüße von Ford.
Pavlos
Tag 5
Ahoi liebe Leser. In der vergangenen Nacht hielt der Wind bei 15-17 Knoten, das hieß beide Segel waren gesetzt, und es ging recht flott dahin. Die Wellen wurden langsam größer, weil der Windzunamen und das umhergehen am Bord war schon etwas erschwert. Was ich noch nicht erwähnt hatte, war ein kleines undichtes Loch in der Zuleitung zu unserem Steuerbord. WC, das zur Folge hatte, dass bei jedem Mal spülen, 1/4 l Wasser in die Bilge die geronnen war. Andrea bemerkte es als Erste und nach dem Öffnen der Bodenbretter schwammen die Kisten mit Vorräten fröhlich in der Bilge hin und her.
Mithilfe der elektrischen Sumpfpumpe konnten wir gut 100 l Wasser aus pumpen, mit der manuellen Pumpe waren es nochmals 50-70 l, wir spülten danach mit Süßwasser alle nass gewordenen Dinge ab und legten die Bilge komplett trocken. Eine herrliche Aufgabe vor dem Abendessen. Ich machte mich dann bereits zum dritten Mal an die Reparatur der WC Schüssel. Montiert sie ab und konnte den Fehler mit einer neuen Dichtung beheben. Heute blieb es trocken und ich habe Hoffnung, dass es weiterhin so bleiben wird. Nach dem Essen hielten wir die Daumen für España und freut uns über deren Sieg. Am heutigen Segeltag Nummero vier legte der Wind noch etwas nach und wir fuhren eine Schnittgeschwindigkeit von 7,2 Knoten heraus. Mit der zunehmenden Wellen,höhe und den Bocksprünge von Symi nahm auch die leichte Übelkeit von Anna zu. Es ist zum Glück nicht so schlimm und da wir noch zwei Tage vor uns haben, aber ab morgen Wind und Wellen nachlassen sollten, sind wir guter Hoffnung, dass wir drei die Fahrt weiterhin genießen können.
Andrea bereitet gerade den Schweinslungenbraten zu während Anna und ich die Systeme und unsere Uhren und Handys auf die spanische Küstenzeit, GMT +1 umstellen. Jetzt freuen wir uns auf ein gutes Papperl und grüßen alle von Bord.
Pavlos
Tag 6
Liebe Freunde,
Unsere Nacht war flott und schmerzlos. Keine Vorkommnisse und Probleme.
Ein 24-Std. Schnitt von 141sm ist ganz zufriedenstellend. Der Abstand zur portugiesischen Küste schrumpft und ist gerade nur mehr 81sm.
Wir werden also morgen Früh am SW Eck vorbeisegeln und uns dann wegen der Orcas entlang der Küste vorantasten.
Ich hoffe die Orcas sind weit weg und haben’s schön dort. Das morgige Endziel, an dem uns Anna wieder verlassen wird, hängt von der Dauer der Nachtfahrt ab. Sie ist so flexibel, dass wir sie fast überall aus der Mannschaft ausmustern könnten.
Habt’s gut und liebe Grüße von Bord
Euer Captain P.
7.Tag
Ahoi liebe Leser,
Exakt lässt sich die Ankunftszeit bei einer einwöchigen Tour gar nicht planen. Wir schafften es um 10:00 Uhr den SW-Landpunkt von Portugal zu erreichen. In der Nacht waren alle drei Wachen intensiv damit beschäftigt, den Großschiffsverkehr, der westlich der portugiesischen Küste von Nord nach Süd zieht zu durchqueren. Es passierten uns 300 m lange Tanker und Frachtschiffe, teilweise wirklich knapp. Derzeit fahren wir auf der 20 m tiefen Linie die Küste nach Osten entlang. Bis auf ein paar Delfine gab es keinen Kontakt mit anderen Meeressäugern. Ihr wisst, welche ich meine. Für heute wollen wir den Ort fort erreichen, ankern und mit einem wohlverdienten Ankerbier auf die erfolgreiche Passage anstoßen. Morgen früh wird Anna von Bord gehen und wir werden uns um 7:00 Uhr auf den weiteren Weg nach Osten entlang der Küste machen.
Habt noch einen schönen Tag.
Mit besten Grüßen von Bord in europäischen Gewässern, euer
Captain Pavlos