Derzeit ist der Mond stark im Abnehmen und der Aufgang ist erst gegen 2:30 Uhr. Dann erscheint er mit der Sichel unten über unserem Kielwasser, über den schäumenden Wellen, die SYMI auf seiner Nachtfahrt hinterlässt. Der Lärm der Wellen bei 8 Knoten Fahrt ist wirklich gross. Es rauscht und zischt ohrenbetäubend wenn die 2,5 m hohen Wellen, weiss schäumend knapp bevor sie uns erreichen durch ihre höhere Geschwindigkeit unter uns hindurch rollen, Symi heben und sie dann ins Wellental sausen lassen, bis die nächste Welle nach ca. 10. Sekunden angerollt kommt.
Auf Wache gehe ich zur Kontrolle zum Heck. Dafür muss ich die Zelteinhausung, die unser Cockpit vor Wind schützt, öffnen.
Mit dem Blick auf das Meer im Mondlicht wird mir klar, welch winzige schwimmende Insel wir hier auf dieser Welt sind und wie fern das Land ist – 1000 km nach Osten und 3000 km nach Westen. Etwas Angst gebe ich zu, kam bei mir in dieser Nacht auf Wache schon auf. Der erste festere Wind auf dem Ozean, wie läuft das Boot in diesen Wellen und habe ich alle Notmaßnahmen vorbereitet, im Falle des Falles? Dann der Wind. Nimmt er vielleicht doch abrupt zu und hält sich nicht an die Wettermodelle? Oder driftet vielleicht ein Container oder ein schlafender Wal genau vor uns dahin? Sie wären in dieser Dunkelheit unmöglich zu sehen. Dann durchschoss mich ein anderer Gedanke, wenn ich durch eine falsche Bewegung ins Wasser falle, das sichere Ende wäre das bei Nacht. Darum tragen wir für alle Tätigkeiten in der Nacht, wo der Rest der Crew schläft, eine Automatikweste, die bei Wasserkontakt einen Alarm am Schiff auslöst und 24 Stunden per Satellit die Position des Treibenden sendet. . . 🥵
Also schnell zurück ins Cockpit, den Zipp zugezogen und zurück zum Steuerstand. Hier im Karbäuschen ist es gemütlich, windgeschützt und sicher. Die Instrumente zeigen gleichbleibende Verhältnisse und vollkommene Beruhigung tritt in meinem Kopf ein.
Mehr Geschichten über Nachtfahrten und Kojen werde ich gerne ein anderes Mal zum Besten geben.
Geht morgens gegen 7:30 Uhr die Sonne auf, zeigt das Meer wieder sein freundliches und altbekanntes Gesicht. Alles bedrohliche ist entschwunden.
Der bisher sehr zuverlässige Autopilot führt uns Wegpunkt für Wegpunkt weiter durch den scheinbar leeren Atlantik. Er steuert jede einzelnen Welle aus und Symi surft manchmal die Wellen mit Highspeed ins Tal (gestern 16kn 🤪)
Begegnungen mit Schiffen sind rar. Manchmal erscheint auf dem Display des AIS im Umkreis von 100 km irgendein vorbeifahrendes Frachtschiff, sonst ist nur weit und breit Meer.
Wir hatten übrigens von gestern auf heute den schnellsten 24 Stunden Schnitt (Etmal): 170 sm.
Heute hat der Wind nachgelassen, die Wellen sind kleiner geworden und jeder an Bord geht seinen Routinen nach. Lesen, Kochen, Ruhen, Steuern, Navigieren, Kartenspielen und ich schreibe Blog. Laut dem Wetterbericht wird der Wind in drei Tagen eine Zone der Flaute vor uns bilden, die wir südlich umsegeln wollen, um keinen Motor einsetzten zu müssen. Darum planten wir unseren Kurs auch zunächst nach WSW, morgen abends drehen wir dann in Richtung Westen.
Noch ein paar Worte zu unserer Verbindung in die Aussenwelt. Die Satelliten Internetverbindung ist eine großartige Sache. Innerhalb von längstens fünf Min. nach dem Einschalten hat Musks Schüssel eine 140Mbit schnelle Verbindung zur Zivilisation aufgebaut. Schneller als Magenta zu Hause. Der Download des Wetters ist ruckzuck erledigt. Datensparen ist aber angesagt, da wir ein Limit haben und nicht wissen wie lange wir auf die andere Seite brauchen. Alles in allem ist diese Erfindung ein Meilenstein für die Blauwassersegler.
Ah ja, die Temperatur steigt beständig, heute haben wir 27 Grad und Sonne mit ein paar Passatwolken. Schön.

Beste Grüße von Bord wie immer. ⛵️

Bei jedem Wind gibts abends den Atlantik-Film-Club

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Die erste Nacht verlief angenehm. Bis auf die Begegnung und einem Ausweichmanöver mit einem japanischen Fischer namens Nikeimaru 84 lief SYMI brav dahin.

Der heutige Tag begann dann eher windarm. 2 fliegende Fische, die sich in der Nacht an Deck verirrt hatten wurden entsorgt. Das werden sicher noch mehr werden.

Zum Glück ist Nini wieder wohlauf. Auch Ferdis Batterien sind wieder aufgeladen. Also die Mannschaft meldete sich zurück zum Dienst. Wir segelten Kurs 290 dann 270, jedenfalls je nach Windrichtung immer gegen Westen. Auf der Karte sind wir ja noch nicht weit, aber immerhin 150sm in den ersten 24 Stunden ist guter Schnitt.

Elon Musks Schüssel funktioniert und ich kann Wetterberichte runterladen und Euch schreiben. Die Temperatur ist übrigens Tag und Nacht bei 25 Grad.

Heute abends gab es Andreas Schinkenfleckerln mit Krautsalat.

Jetzt wird Ferdi den Film Oppenheimer im Cockpit-Kino projezieren und dann läuft die übliche Wachschicht bis morgen Früh.

Beste Grüße von Bord :-))

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6. Dezember 2023. In ca. 2 Stunden werden wir Mindelo verlassen, rechts abbiegen und dann 13 Tage auf der Autobahn 2100sm nach Westen segeln.

Ich werde in der Rubrik Wo wir sind 🌏 Kurznachrichten posten, aber keine Blogs.

Wie alle hier sagen: „See you on the other side“.

🙏🏼🌏⛵️

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