Unter Motor liefen wir mit fünf Knoten durch die letzte Nacht. Große, lange Atlantikwellen rollten regelmäßig unter unserem Boot hindurch um es nach Sekunden danach wieder ins Wellental hinunter zu lassen. Eine angenehme Bewegung. Der Vollmond der ersten drei Nächte hatte sich verschmälert und ging erst gegen 2:00 Uhr Nacht auf. Trotzdem beleuchtete er noch den friedlichen Ozean. Noch in der Dunkelheit erkannten wir die Lichter der Insel São Vicente und da der Wind etwas auffrischte setzten wir die Segel und liefen dann bei morgen Licht in die große Bucht von Mindelo ein.

Dann war nur mehr ein kleiner Slalom durch die Anke und BOOTE bis zur Einfahrt der Marine notwendig, wir meldeten uns per Funk an und wurden zu unserem Platz am Steg geführt.
Anlegen, und dann nach acht Tagen. Das erste Mal auf einem festen Steg springen, war ein gutes Gefühl.
In diesem Arena liegen 120 Yachten, die alle vorhaben, in den nächsten Tagen und Wochen nach Westen zu Segeln. Auf jedem Boot wird gebastelt und geschraubt, überall freundliche, lächelnde Gesichter. Immer wieder hört man Hupen und Rufen, um einem auslaufenden Schiff und deren Mannschaft „Au revoir, Bon voyage“ zu wünschen.
Am Ende des Steges befindet sich die Marinabar mit Tischen und angenehmer Musik. Bevor wir noch die bürokratischen Hürden absolvierten, gönnten wir vier uns dort ein Bier.

Die Kapverdischen Inseln sind ein sehr armes Land, dass aber ausschließlich fröhliche und positive Einwohner hat, der Durchschnittslohn liegt hier bei 110 € pro Monat. Das ist auch der Grund, warum beim Ausgang der Marine viele Einheimische auf Segler warten, die eine Taxifahrt um die Insel, T-shirts oder oder eine Unterwasserreinigung des Bootes brauchen. Segler und Kreuzfahrtschiffe sind neben normalen Touristen, glaube ich das einzige Einkommen, das auf diesen Inseln für einige einheimische einträglich ist.
Ein schon etwas komisches Gefühl, plötzlich wieder von Auspuffgerüchen und laut Hupen vorbeifahrenden Bussen und Autos umgeben zu sein. Allein der intensive Geruch sagt einem, dass man längere Zeit nur in guter Luft unterwegs war.
Um hier einzureisen, muss man sich bei der Hafen Polizei melden, dort seine Bootspapiere abgeben, die man bei der Abfahrt wieder zurück erhält (hoffentlich). Dies dauerte circa 1 Stunde, da auch andere Sieger dort warteten. Danach ging es zu um Immigration Office, wo ein Stempel in den Pass gedrückt wird und schon sind wir offiziell im Staate Kap Verden einklariert.
Da es während der gesamten Überfahrt keine technischen Probleme gab, ahnte ich, dass irgendetwas auf mich warten würde. Diesmal eine Dichtung an der Hochdruckleitung unseres Wassermachers, dessen Pumpe ich gerade in Lanzarote ausgetauscht hatte, und der blendend funktionierte. Ich werde ihn zerlegen und nach dem Rechten sehen.
Nachmittags ging es dann in die Stadt, wo wir durch die eher leeren Straßen, die von bunten Häusern gesäumt werden durchspazierten. Viele streunende Hunde liegen auf dem Gehsteigen, es gibt wenig Geschäfte. Während 2 Stunden spazieren gehen, wurden wir dreimal angebettelt. Leider ist die Armut hier sehr groß. Trotzdem spürt man den Positivismus der Menschen, die eine Mischung aus den Kulturkreise Afrikas, Spaniens, Portugals und der Karibik sind, also genetisch und im Grunde ihrer Einstellung fröhliche Menschen. Auch wenn sie hier in Armut leben müssen.
Die Automodelle sind durchwegs aus den achtziger Jahren. Fahrräder gibt es kaum, die Busse sind mindestens so alt wie meine Kinder.
Und so schlenderten wir durch den afrikanischen Gemüsemarkt, erkundigten uns wie ein Waschsalon hier funktioniert und kehrten dann in einem Restaurant ein.

Tische auf der Straße, Temperatur 24°, es fühlt sich an wie im Sommer in Griechenland.
In fast jedem besseren Restaurant gibt es Livemusik, etwas, was diese Insel prägt ist die Musik und die Gitarren. Ein Mann erzählte uns, dass es für die Menschen hier unmöglich ist, Essen ohne live Musik zu genießen. Die Musik gehört dazu, wie das Salz in der Suppe.
Die Preise im Restaurant sind gehoben, obwohl das Restaurant keine gehobene Kategorie ist. Drei Hauptspeisen und sechs Getränke und schon sind 70 € weg.
Dafür kostet ein Taxi nur zwei Euro, egal in welche Richtung man fährt.
Mir tat das Essen mit den Shrimps- Spaghetti scheinbar nicht gut, in der Nacht gurgelte es in meinem Bauch und den heutigen Tag wollte ich mich nicht gerne vom Boot wegbegeben.
Zum Zeitpunkt dieses Blogs am Samstagabend geht es aber wieder aufwärts.
Heute gehen wir essen und werden morgen den Supermarkt aufsuchen, um Proviant zu kaufen. Am Montag sollte ich mit einem Techniker den Wassermacher zerlegen und uns bei den Behörden abmelden, da wir Dienstag planen, los zu fahren.
Von meinem Nachbarn am Steg hörte ich den guten Satz, fahre aus der Bucht dann nach rechts und immer geradeaus. Dann kommst du in die Karibik, das wollen wir am Dienstag tun. Wir werden uns von unterwegs per Position und Blog immer wieder melden.
Beste Grüße von Bord an Euch alle, daheim im Schnee.

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Heute um 10:00 Uhr nach ruhiger Motornacht haben wir glücklich in Mindelo Marina angelegt.
Nach 774sm Gesamtdistanz.
Es ist sommerlich warm und hier wuselt es von Seglern und freundlichen Einheimischen. Der Reggae dröhnt schon hier recht laut in der Bar und wir sind froh das erste Drittel hinter uns zu haben.
:-))) glücklich genießen wir ein Bier …

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Nachdem wir heute um 1:00 Uhr Mauretaniens Seegrenze überquert haben und dabei auf dem AIS (automatischen Identifikationssystem) sahen, wie viele Fischerboote vor dieser durch ihre Lage und atlantischen Strömungsverhältnisse vom Fischreichtum gesegneten Küste kreuzten, haben wir gut daran getan, uns etwas westlich zu halten. Nicht alle haben AIS und sind gut beleuchtet.

Mauretaniens Bevölkerung lebt vom Fisch/Sardinenreichtum hier. Wie ich in einer ARTE Doku kurz vor der Abreise gesehen habe, ist dies jedoch nicht mehr wirklich der Fall. Auf diese Geschichte möchte ich kurz eingehen.

Während der letzten zehn Jahre hat sich hier an der Küste chinesische und türkische Fischereiindustrie angesiedelt, die das vorgegebene Fangquotum an jährlichen Fischen um das 40-fache überschreitet. Rücksichtslos werden Sardinen geerntet. Das dabei die mauretanische Bevölkerung hungert verwundert nicht.

Die Sardinen werden vor Ort zu Fischöl verarbeitet, sodann auf Tankschiffe verladen und an die zwei größten Bio Lachs Farmen (in Norwegen und Frankreich) verschifft. Dort wird das Öl zu Pellets weiter verarbeitet und schließlich den Zucht Biolachsen verfüttert, die in ganz Europa, also auch in Österreich, erhältlich sind.

Zur Züchtung von einem Kilo Lachs sind vier Kilo Sardinen notwendig! Dafür darf der Lachs „Bio“ heißen.

Restriktionen wurden zwar erlassen, Proteste von Naturschützern verliefen leider ohne Erfolg, und so lange in diesem Land geschmiert wird und die Nachfrage aus unserer Konsumwahnsinnswelt vorhanden ist (der Ruf nach Bio nimmt ja immer weiter zu) und das Geld fließt, werden weiterhin riesige Fangflotten vor dieser Küste ihr Unwesen treiben. Und außer ein paar vorbeisegelnden Booten wird das niemand stören.

Vielleicht denkst du beim nächsten Bio-Lachskauf an meine Geschichte …

Auf dem Weg, noch 280sm

Nun zum Bordleben auf SYMI:

Wir sind jetzt gut an die Schiffsbewegungen gewöhnt und der Tag vergeht recht rasch.

Bei den Nachtfahrten hat uns der Vollmond gute Dienste geleistet, da es für die neue Crew natürlich angenehmer ist, mit Himmelsbeleuchtung in der Nacht Wache zu schieben.

Ich erledige einige Servicearbeiten, lese und schaue und genieße die jeden Tag zunehmende Wärme. Außerdem schmökern wir in Vorfreude Literatur über die Kapverdischen Inseln, über das, was uns erwartet.

4.Abendessen

Heute Morgen hatte es bereits 24 Grad.In der Grafik siehst du, wie die Temperatur steigt und die Windgeschwindigkeit abnimmt.

Wir haben noch 2,5 Tage vor uns, der Wind wird spürbar weniger und den letzten Tag der Reise werden wir den Motor benützen müssen.

Ahoi an Alle ⛵️

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