Unser Abschied von Sardinien war eigentlich nicht wirklich schwer. Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Sommerwochen auf SYMI keine „Buchtelwochen“ sein werden (Ausdruck für das gemütliche Ankern in Buchten mit bequemen kurzen Wegstrecken dazwischen). 

Wir sind in 🇬🇷 gestartet, um SYMI in die Poleposition im westlichen Mittelmeer für den Herbststart auf die Kanaren zu bringen. Dabei müssen wir günstige Wettervorhersagen und Windrichtungen nutzen, um schnell und sicher von A nach B zu kommen. Und so ergab sich bis auf zwei Tage auf den Liparischen und zwei auf den Ägidischen Inseln 🌴 keine Gelegenheit nette Buchten oder das Landesinnere zu erkunden. Ein anderes Mal vielleicht. Aus den gleichen Gründen haben wir jetzt Menorca einfach ausgelassen und steuern direkt auf Mallorca zu. 

Die erste Nachtfahrt von Sardinien weg konnten wir ausschließlich unter Segeln absolvieren. Es gab nicht viel Verkehr. Die Mengen an Schiffen, die man auf den MarineTraffic Seiten sieht sind auf so große Flächen verteilt, dass man fast immer meint, man ist allein auf weiter See. Nur drei Riesenfrachter kreuzten unseren Weg und dabei bekomme ich immer mehr Vertrauen in unser elektronisches Raymarine System. Und ich lerne es zu benutzen und zu verstehen. Sowohl das Radar, dass immer mitläuft, als auch das AIS automatic identification System, zeigen die genauen Begegnungszonen bereits zwei Stunden vorher auf dem Bildschirm an und piepsen und leuchte, bis man die Nachricht quittiert. Ab der ersten Warnung des Computers muss man nur mehr den Kurs des  „gegnerischen Schiffes“ verfolgen (ob er ihn einhält oder eventuell auch weiter abdreht) und irgendwann schiebt sich aus der Dunkelheit eine 300 Meter lange erleuchtete Wand in einem Kilometer Abstand vorbei. Das dumpfe Motorgeräusch brummt noch minutenlang nach. Dann erlischt der Alarm des Computers endgültig und SYMI pflügt weiter, wie seit Stunden, ins Schwarze Nichts vor uns. 

Eine extrem hohe Luftfeuchte in der Nacht war überaus unangenehm. Nicht nur dass sie einem unter die Sitzbacken kriecht, es ist auch das gesamte Boot von einem Wasserfilm überzogen. Das macht es wegen der Rutschgefahr gefährlicher sich bei Arbeiten an Deck zu bewegen.

Die Meerestemperatur liegt bei 27 Grad. In der Nacht konnte ich im Kielwasser der beiden Rümpfe zwei phosphoreszierende Spuren beobachten, die durch Berührung des Bootes mit Leuchtplankton zustande kommt. Sieht aus als fahre man auf bläulich leuchtenden Schienen. 

Am Mittwoch, den 12.7. war der Wind noch immer gut und wir kamen erneut ohne Hilfestellung eines Diesels bis zum Abend durch. 

Um 13:00 Uhr kreuzten wir die italienisch-spanische Seegrenze und wechselten unsere Gastlandflagge am Mast aus. Halbzeit sozusagen. 

Nach acht Motorstunden bei glatter See ging es in eine seglerisch fordernde Nacht. 

Kein Mond, Wind zwischen 18-24 Knoten zum Glück aus N. Ein alter Ostschwell gepaart mit den neuen Windwellen aus N.
SYMI jedenfalls zischte durch die Wellentäler und gut gerefft erreichten wir heute um 12:30 die SO-Ecke Mallorcas.


Jetzt nur noch zum Ankerplatz Cala Trenc und dann ein Sprung ins Türkis 😃👍🏻. 
Die Überfahrt in Zahlen: 304sm, 45 Stunden, Schnitt 6,6kn/h

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Der Aufenthalt auf Sardinien war nicht sehr lange. Da das Wetter leider etwas bewölkt und sehr windig war, haben wir beschlossen weiter zu segeln. Heute um 16:00 Uhr sind wir aus unserer Anker Bucht weg gesegelt, es gibt herrliche 15 Knoten Wind und wir brausen mit sieben Knoten gegen West in die sinkende Sonne.
Es wird eine zwei Tage zwei Nächte Tour und am Ende dieser Etappe ist etwas mehr an der SO-Ecke von Mallorca angesagt. Das macht aber nichts. Somit werden wir erst, wenn wir eine neue spanische Simkarte haben, in diesem Blog weiterschreiben. Bis dahin, wir sind auf dem Meer….

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Gestern angekommen ankerten wir bei wirklichen 30 Knoten Wind, in Böen auch mehr. Ich vertraue meinem 32 kg Mantus Anker sehr. Und obwohl es pfiff und jaulte waren wir ganz beruhigt über unseren Ankerplatz.


Bevor uns unsere Müdigkeit von der letzten Fahrt nach einem herrlichen Andrea-Dinner mit Orzos & Scampi beim abendlichen Amazon-Videoabend nach 15 Minuten einschlafen lies, überschauten wir die Böen und andere Boote in unserer Bucht und bemerkten eine Yacht an der westlichen Felswand der Bucht, zu der der Wind genau hinblies. Auf den Fotos, die Andrea innerhalb einer Stunde gemacht hat, versank die Yacht komplett auf den, laut elektronischer Seekarte, 5m tiefen Grund. Nur das Rettungsfloß widerstand dem Sinken, riß offensichtlich aus seiner Verankerung, entfaltete sich und trieb nun in der zunehmenden Dunkelheit blinkend über dem versunkenen Wrack. Das war es es ja nun mehr oder weniger, ein Wrack. Ich funkte mit einem dem Wrack am nächsten ankernenden Boot, da ich zuvor auf dem Notrufkanal die italienische Konversation nicht ganz verstanden hatte. Er teilte mit, daß die Küstenwachen verständigt sei, es wären aber von seinem Boot aus beobachtet keine Personen an Bord gesehen worden.
Als es stockfinster war kam schließlich die Gusardia Costiera und beleuchtete die im schweren Seegang an der Felswand versunkene Yacht. Da keine Gefahr für Personen bestand, verlies sie nach einer Stunde wieder die Bucht.
Heute liegt das Wrack noch immer an der selben Stelle, nur der Mast ist zu sehen und die Rettungsinsel schaukelt darüber in den langsam abflauenden Windewellen. Zum Glück kamen keine Menschen zu Schaden. Die Bergung wird wohl erst beginnen, bis der Wind morgen abgeflaut ist.
Facit, das alle Segler kennen: Richtig Ankern ist (über)lebenswichtig.
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