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Wer wir sind

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SAILINGSYMI

Alle Filme chronologisch geordnet

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Der gestrige Tag fühlte sich ein wenig wie Sonntag an. Obwohl man hier auf dem Meer im Nirgendwo keinerlei Hinweise für einen Wochentag feststellen kann, war es für uns ein Feiertag. Wir erreichten den Wegpunkt, der die Absolvierung der Hälfte der Gesamtstrecke markierte. Auf der papierener Seekarte am Wohnzimmertisch, auf der wir im alten Stil jeden Tag zu Mittag unsere aktuelle GPS Position, unseren wahren Ort, markieren, sind wir genau da, von wo das nächste Land in beide Richtungen 2000km entfernt ist.

Die einzigen Zeichen für Leben in unserer Umgebung sind manchmal ein Fisch an der Angel (gestern fingen wir eine junge Makrele, ließen sie aber zurück in ihr zu Hause, da die noch jung war) oder die fliehenden fliegenden Fische, die vor unserem Bug dutzende Meter weit übers Wasser fliegen und dann in die Wellen zurück platschen. Manche landen nachts an Deck. Die müssen wir dann leider am Morgen entsorgen werden, weil sie den Weg zurück in ihr Element nicht mehr gefunden haben.

Manchmal kommt ein Vogel, dessen Schrei über unserem Boot uns aufschrecken lässt. Woher kommt das Geräusch? Woher kommt denn der geflogen? Was tut der hier? Vorgestern kreiste ein Fregattvogel Paar kreischend eine viertel Stunde um uns herum. Die sind wirklich 2000km hierher geflogen, möglicher Weise hat sie ein Sturm hierher vertrieben? Und dann ziehen sie wieder weiter, wohin auch immer.

Delfine gab es bis ungefähr 600km von den Kapverden westlich, seither keine Spuren.

Die Umgebung veränderte sich heute für unser Auge auch durch die gelben Sargasso Seetang Pflanzen, die große wiesenartige Felder bilden und in den Wellen treiben und sich auch hin wieder zu unserem Missfallen am Angelhaken als vermeintlicher Fang einhängen.

Im Flugzeug über dem Atlantik blickst du wahrscheinlich kurz aus dem Fenster, denkst dir wie riesig das Blau da unten ist. Nur Wasser weit und breit und wie mag es wohl sein, da unten in einem Schiff zu fahren und schiebst deine Sonnenblende wieder zu, lehnst dich zurück und wartest auf die Landung in zwei, drei Stunden.

Hier „unten“ ist es nicht möglich, vom Boot aus die enormen Entfernungen abzuschätzen. Mein Sohn sagte mir heute, er findet es nach mehr als einer Woche auf See, jetzt völlig normal nur Wasser zu sehen. Es gibt hier eh nichts anderes, als existierten keine Bäume, Berge oder Wiesen, keine Inseln oder Häfen.

Die Köstlers mit einem Engel in Kevin Kostners Waterworld gefangen.

Dieser Gedanke erzeugt aber in keinster Weise Angst oder Unsicherheit. Du zeigst dich respektvoll dieser gewaltigen Größe gegenüber und respektierst die Gewalten. In heutigen Zeiten ist es durch die Satelliten Technologie ohnehin viel gefahrloser hier zu reisen. Wenn ich zwei Mal am Tag unsere Musk Schüssel anschalte und dann am Handy die maximal fünf Minuten abwarte, während ich gespannt auf den Bildschirm starre, in denen mir die App erklärt, dass sie eine Verbindung zu einem Satelliten sucht, einen gefunden hat und jetzt die Ausrichtung überprüft, um die Verbindung zu stabilisieren. Und dann Zack leuchtet der grüne Punkt auf. Verbindung ist erfolgt, sie sind online. Die einkommenden Emails und WhatsApp Nachrichten springen nur so herein. Emails, die so gar nicht in meine Realität und diese Umgebung passen, wie „Ärztekammer Wien lädt zum interdisziplinären Fachtag-bitte um online Anmeldung“. Dann schiesst mit bis zu 160Mbit der neue Wetterbericht herein und schon sehen wir, wie es in den nächsten Tagen mit Wellen und Wind weitergeht. Ein Blick auf den Himmel lässt mich die Wolken einordnen, zu welchem System, dass die Wetter App zeigt, passen sie. Ah ja, denke ich, nördlich von uns ist die Tiefdruckfront, darum diese Wellen, der Schwell und diese Windrichtung. Wieviel komplizierter war es da zu Beginn meiner Meeres Segel Karriere vor fast !! 40 !! Jahren.

Riesen Freude bereiten mir die automatisch weitergeleiteten subscriber Bestätigungen, Kommentare und Grüße, die wir zahlreich von Euch bekommen. Da denke ich mir, schau wie nett, sie beobachten uns und teilen dieses Abenteuer in ihren ruhigen Wohnzimmern mit uns.

An dieser Stelle und am „Hälfte-Tag möchte ich Euch allen sagen:

DANKE euch, dass Ihr da seid, dran bleibt und etwas Spaß und Freude habt, unsere Berichte zu lesen. Dankeschön.

Nun zurück auf SYMI.

Ich schreibe diesen Blog während meiner Wache, die von Mitternacht bis etwa 3:00 Uhr dauert.

Es ist laut Display am Kartenplotter 2:15 Uhr, stockdunkel, nur tollste Sterne leuchten in einer selten erlebten Klarheit fast bis zum Horizont herab.

Gut zu sehen, weil heute erstmals gar keine Wolken die Sicht verdecken.

Wir haben einen lauen leichten Wind von hinten und ich sitze im T-shirt und Bermuda hier, so warm ist es.

Beide Segel sind gesetzt und wir machen gute Fahrt zum nächsten Wegpunkt, den ich heute nach dem neuesten Wetterbericht eingetragen habe: „T10-0630“. Der ist das Ziel, welches wir am 10.Tag, also heute in knapp vier Stunden, um 6:30 Uhr erreichen sollten.

In 40 Minuten werde ich Andrea zu ihrer Wache wecken und ich kann bis morgen um acht Uhr schlafen. Ich freu mich auf mein Bett, weil heute fährt SYMI wieder mal so ruhig wie ein InterCity Zug auf Schienen durch die kleinen Atlantik Wellen in Richtung Karibik…

Sargasso Feld

Reading time: 4 min

Wellen entstehen hauptsächlich durch den Einfluss des Windes. Die Windgeschwindigkeit beeinflusst die Höhe der Wellen ebenso wie die Fläche des freien, vom Land unbeeinflussten Seengebietes (sogenannter „Fetch“). Je länger der Wind auf das Wasser wirkt, desto höher kann er die Wellen aufwühlen.

Die Wassertiefe wiederum ist ein weiterer Faktor für die Wellenhöhe. Je tiefer die See, umso höher die Wellen. Der Wind erzeugt also die Windsee.

Bei der Entstehung des Wellenbildes allerdings sind auch die Faktoren Strömung und Einflüsse durch in der Umgebung befindlichen Hoch/Tiefdruckgebiete beeinflussend. Ein Sturm in 1000km Entfernung kann seinen noch spürbaren Schwell (Wellen ohne Windeinfluss, die sich sozusagen im Absterben befinden und auslaufen) in alle Richtungen schicken. Diese werden dann ein Sekundärschwell. Schließlich beeinflussen noch Strömungen und Meerestemperaturen den Wellenablauf.

Dieser Mix aus unterschiedlichen Richtungen „(zer)stört“ die gleichmäßigen Windwellen und macht aus der Meeresoberfläche einen unruhigen Schauplatz.

So wird SYMI nicht nur angehoben und surft dann die Windwelle hinunter, sie bekommt sekündlich seitliche Wellenschläge oder wird durch eine sekundäre Welle von schräg hinten zur Seite gedrückt.

Um die Kräfte zu beschreiben, die sich auf mich, zum Beispiel im Bett in der Nacht, einwirken, muss ich ein paar Vergleichsparameter verknüpfen.

Stell dir folgende Situationen als ein Ganzes vor:

1. Seitliches Rütteln: auf der Ladefläche eines Geländewagens off-road mitfahren(im Liegen)

2. Beschleunigung: in einem Autobus in der Stadt, stehend, eine kurvige Strecke mit kurzen Notbremsungen erleben.

3. Auf einer Schaukel die kurze Schwerelosigkeit fühlen.

Beim Stehen und Gehen an Bord in schwererem Wetter ist die Koordination des Gehirns bei all den unterschiedlichen Impulsen aus verschiedenen Richtungen etwas überfordert und man fühlt sich ähnlich dyskoordiniert wie nach einer Flasche Wein und ein paar Ouzos.

Dieser Wackelzustand ist natürlich nicht ein Dauernder. Durch Planen und Legen eines günstigen Bootskurses hat man auch starken Einfluss auf diese Faktoren.

Die modernen Windvoraussagen enthalten Details zu den bevorstehenden Wellenverhältnissen.

◦ Höhe

◦ Richtung

◦ Wellenlänge

◦ Voraussichtliches Rollen

◦ Vertikale Beschleunigung

Wie das die Mitsegler und Mitseglerinnen erleben, soll jeder einzelne beschreiben:

Anna/Nini

„Da ich in der Bugkabine schlafe, bekomme ich nicht nur das gut beschriebene Wackeln mit, sondern spüre auch wie der Bug das Wasser vor mir teilt. Von beiden Seiten platscht und gluckst es, ich fühle mich wie in einer Waschmaschine, werde hin und her gerollt, aber auf eine gemütliche Art. Ich bin die einzige an Bord, der manchmal schlecht wird aber finde das dies absolut nicht verwunderlich, wenn der Alltag auf einmal so durchgeschüttelt wird.“

Ferdi

„Ich denke, die Bewegungen sind wie voll betrunken auf freier Fläche gegen einen Sturm anzugehen. Mit Böen von der Seite, die dich abrupt zur Seite drücken.“

Andrea

„Für mich ist es ein ständiges Hin und Her geworfen werden. Ähnlich vielleicht wie im Round-up im Wurschtelprater. Egal ob man liegt, sitzt oder steht. Außerdem ist es eine Herausforderung für meine bediente Wirbelsäule.“

Auf SYMI, einem Katamaran, entfällt zum Glück die Komponente des schief Stehens des Bootes durch die Segel.

Jenen, die es kennen, werden diese Zeilen wenig Neues geboten haben, jenen, die nur auf festem Boden leben, wurde damit hoffentlich nicht ganz die Romantik des Segelns verdorben.

Ein wunderbarer, positiver Aspekt von Wellen ist hier im tropischen Meer, das bereits 27,5 Grad hat, das Phänomen des leuchtenden Planktons in der Nacht. In vielen brechenden und durch das Boot geteilten Wellen leuchten bioluminiszierende Algen auf, wenn sie bewegt werden. Magische Augenblicke im Dunkeln, wenn SYMI grün leuchtende Spuren, wie Schienen, hinter sich im Kielwasser läßt.

Der Wind hat heute am 7. Tag abgenommen. Wir machen trotzdem gute Fahrt und wollen übermorgen die Mitte der Strecke erreichen.

Durch Ferdis Weiterreise nach LA am 25.12. habe ich das Anlaufziel jetzt von Tobago auf Grenada umgestellt. Sind ca. 75sm mehr, aber er kann so hoffentlich den Flug nicht verpassen.

Beste Grüße von Bord 🌏⛵️📡

Reading time: 3 min

Derzeit ist der Mond stark im Abnehmen und der Aufgang ist erst gegen 2:30 Uhr. Dann erscheint er mit der Sichel unten über unserem Kielwasser, über den schäumenden Wellen, die SYMI auf seiner Nachtfahrt hinterlässt. Der Lärm der Wellen bei 8 Knoten Fahrt ist wirklich gross. Es rauscht und zischt ohrenbetäubend wenn die 2,5 m hohen Wellen, weiss schäumend knapp bevor sie uns erreichen durch ihre höhere Geschwindigkeit unter uns hindurch rollen, Symi heben und sie dann ins Wellental sausen lassen, bis die nächste Welle nach ca. 10. Sekunden angerollt kommt.
Auf Wache gehe ich zur Kontrolle zum Heck. Dafür muss ich die Zelteinhausung, die unser Cockpit vor Wind schützt, öffnen.
Mit dem Blick auf das Meer im Mondlicht wird mir klar, welch winzige schwimmende Insel wir hier auf dieser Welt sind und wie fern das Land ist – 1000 km nach Osten und 3000 km nach Westen. Etwas Angst gebe ich zu, kam bei mir in dieser Nacht auf Wache schon auf. Der erste festere Wind auf dem Ozean, wie läuft das Boot in diesen Wellen und habe ich alle Notmaßnahmen vorbereitet, im Falle des Falles? Dann der Wind. Nimmt er vielleicht doch abrupt zu und hält sich nicht an die Wettermodelle? Oder driftet vielleicht ein Container oder ein schlafender Wal genau vor uns dahin? Sie wären in dieser Dunkelheit unmöglich zu sehen. Dann durchschoss mich ein anderer Gedanke, wenn ich durch eine falsche Bewegung ins Wasser falle, das sichere Ende wäre das bei Nacht. Darum tragen wir für alle Tätigkeiten in der Nacht, wo der Rest der Crew schläft, eine Automatikweste, die bei Wasserkontakt einen Alarm am Schiff auslöst und 24 Stunden per Satellit die Position des Treibenden sendet. . . 🥵
Also schnell zurück ins Cockpit, den Zipp zugezogen und zurück zum Steuerstand. Hier im Karbäuschen ist es gemütlich, windgeschützt und sicher. Die Instrumente zeigen gleichbleibende Verhältnisse und vollkommene Beruhigung tritt in meinem Kopf ein.
Mehr Geschichten über Nachtfahrten und Kojen werde ich gerne ein anderes Mal zum Besten geben.
Geht morgens gegen 7:30 Uhr die Sonne auf, zeigt das Meer wieder sein freundliches und altbekanntes Gesicht. Alles bedrohliche ist entschwunden.
Der bisher sehr zuverlässige Autopilot führt uns Wegpunkt für Wegpunkt weiter durch den scheinbar leeren Atlantik. Er steuert jede einzelnen Welle aus und Symi surft manchmal die Wellen mit Highspeed ins Tal (gestern 16kn 🤪)
Begegnungen mit Schiffen sind rar. Manchmal erscheint auf dem Display des AIS im Umkreis von 100 km irgendein vorbeifahrendes Frachtschiff, sonst ist nur weit und breit Meer.
Wir hatten übrigens von gestern auf heute den schnellsten 24 Stunden Schnitt (Etmal): 170 sm.
Heute hat der Wind nachgelassen, die Wellen sind kleiner geworden und jeder an Bord geht seinen Routinen nach. Lesen, Kochen, Ruhen, Steuern, Navigieren, Kartenspielen und ich schreibe Blog. Laut dem Wetterbericht wird der Wind in drei Tagen eine Zone der Flaute vor uns bilden, die wir südlich umsegeln wollen, um keinen Motor einsetzten zu müssen. Darum planten wir unseren Kurs auch zunächst nach WSW, morgen abends drehen wir dann in Richtung Westen.
Noch ein paar Worte zu unserer Verbindung in die Aussenwelt. Die Satelliten Internetverbindung ist eine großartige Sache. Innerhalb von längstens fünf Min. nach dem Einschalten hat Musks Schüssel eine 140Mbit schnelle Verbindung zur Zivilisation aufgebaut. Schneller als Magenta zu Hause. Der Download des Wetters ist ruckzuck erledigt. Datensparen ist aber angesagt, da wir ein Limit haben und nicht wissen wie lange wir auf die andere Seite brauchen. Alles in allem ist diese Erfindung ein Meilenstein für die Blauwassersegler.
Ah ja, die Temperatur steigt beständig, heute haben wir 27 Grad und Sonne mit ein paar Passatwolken. Schön.

Beste Grüße von Bord wie immer. ⛵️

Bei jedem Wind gibts abends den Atlantik-Film-Club

Reading time: 3 min
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