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Seit unserem letzten Video Blog ist viel passiert.
Wir haben die Turks und Caicos Inseln verlassen und sind in einer Nachtfahrt bis zur südöstlichsten Insel der Bahamas gesegelt. Seit langer Zeit konnten wir bei diesem Schlag wieder den Spinnaker setzen und der zog uns mit perfekter Geschwindigkeit dem Ziel entgegen.

Der Leuchtturm auf der vorgelagerten Insel Acklin Island steht seit 1866 an diesem Ort. Das Wohnhaus der Leuchtturmwärter, aber auch die Metalltreppe im Leuchtturm sind zerfallen und schon lange leuchtet kein warnender Lichtstrahl aufs Meer hinaus, um Schiffe vor der Gefahr dieser Meeresecke zu warnen. Seit es das GPS Navigationssystem gibt, sind solche Leuchttürme obsolet.
Er sieht aber noch immer sehr schön aus. Vor allem bei Vollmond.


Jetzt sind wir also am Südende der Bahamas, darum ein paar Sätze zu dieser Region.
Die Bahamas sind ein eigener Commonwealth Staat und bilden eine Inselkette mit rund 700 Inseln und 2.400 Korallenriffen (sogenannte „Cays“, die man aber so wie den Schlüssel auf Englisch „kiis“ ausspricht). Es leben an die 400.000 Menschen hier, die meisten im Norden, wo auch die Hauptstadt Nassau liegt.
Die Ausdehnung Nord-Süd ist etwa 650 km.

In Erinnerung an einen meiner schönsten Segeltörns im Jahr 2015, bei dem ich als reiner Mitfahrer das Vergnügen hatte mit Doris und Wolfi (den Seenomaden) auf ihrer „Nomad“ einen Teil der Bahmas und Südkuba kennen zu lernen, freute ich mich besonders auf den Besuch der einsameren Inseln. Eine davon war Crooked Island. Dort besuchten wir vor zehn Jahren eine kleine Siedlung namens Albert Town. Nun war ich endlich auf eigenem Rumpf hierher gesegelt und wollte mit Andrea diese kleinste Siedlung in den gesamten Bahamas neuerlich besuchen. Eine zwei Kilometer lange Staubstrasse führt vom Bootsanleger quer über das schmale Land. Die Sonne leuchtete hell, es war aber nicht unerträglich heiß auf dem Weg in die Stadt. Eben diese Sonnenkraft war einst der wirtschaftliche Motor dieser Insel.
Während der britischen Kolonialzeit, insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert, war der Salzabbau eine bedeutende Industrie hier. Natürliche Salzpfannen (flache Gebiete, die sich mit Meerwasser füllen und dann unter der Sonne verdunsten) ermöglichten eine relativ einfache Salzgewinnung.
Das gewonnene Salz wurde vor allem in die USA und nach Europa exportiert, wo es zur Konservierung verwendet wurde.
Die ansässigen britischen Familien und ihre 100 ten von Sklaven lebten an diesem Ort vom Salzabbau ganz passabel. An die 2000 Einwohner zählte Albert Town zu ihren besten Zeiten. Als 1834 endlich die Sklaverei abgeschafft wurde, rentierte sich das Salzgeschäft für die Briten nicht mehr, da sie nun selbst hätten arbeiten müssen. Der Ort verlor an Bedeutung. Viele Einwohner zogen nach Nassau oder in die USA, um dort Arbeit zu finden. Mehrere Hurrikans während der letzten 100 Jahre gaben dann der Ansiedlung den Rest.
Vor zehn Jahren noch hatte die – übrigens größte – Kirche in den Bahamas noch einen Dachstuhl, die Volkschule erhielt noch einen Mini Betrieb aufrecht, es lebten aber damals nur mehr ein paar Dutzend Menschen hier.
Jetzt, im März 2025 sahen wir kaum Häuser, die bewohnt waren. Ruinen ohne Dächer, ohne Fenster. Kleine Bäume wuchsen in diesen Häusern in die Höhe und Autowracks rosteten im Garten dahin. Seit dem Hurrikan 2018 waren die Wände und das Dach der Kirche eingebrochen, im kleinen Friedhof waren die Gräber von Pflanzen überwuchert und kaum mehr erkennbar. Wilde Ziegen, die sich hier stark vermehren, grasten dazwischen.




Auf einem Weg nahe der Kirche trafen wir dann den 64 jährigen Pete Rose. Er war gerade zum Handy aufladen zum Haus seines Cousins gegangen. Strom hat er nämlich in seiner Hütte keinen aber dafür Fließwasser aus einer Entsalzungsanlage, erzählt er. Höchst freundlich lädt er uns ein, mit ihm die Ruinen von Albert Town, die teilweise von dichtem Gebüsch und Bäumen überwachsen sind, zu erforschen. Dabei erzählt er Geschichten über die Blütezeit des Ortes. So erfahren wir von Pete, dass neben ihm nur noch vier Menschen in Albert Town leben. Es gibt nur ein Auto, dass aber leider vor kurzem mitten am Hauptweg liegen geblieben ist. Es bräuchte neue Einspritzdüsen, sagt Pete. Unser Gespräch wird emotionaler, als ich ihm erzähle, dass ich bei meinem Erstbesuch 2015 hier noch in einem Mini Market eingekauft hatte. Ohh, meint er, das war sein Onkel. Er ist 2018 bei einem Hurrikan verstorben. Er hat nicht viel zu tun auf Fortune Island, wie dieser Teil der Insel heißt. Tagsüber durchkämmt er gerne die Erde in der Umgebung der Ruinen nach alten Glasflaschen. Nachdem er uns einen Weg durchs Dickicht geschlagen hatte, stocherte er mit seiner Machete im Boden herum. Manchmal trifft er auf Glas. Die Flaschen verkauft Pete in Nassau oder auf EBay. Schließlich erreichen wir seine Holzhütte, die ebenso verlassen worden war und die sich Pete als Wohnort ausgesucht hat. Ein altes Stahlrohr Bett mit zerwühlten Decken und Pölstern und ein Stuhl stehen im Zimmer. Er öffnet die Holzläden, läßt Licht herein und dann zeigt er uns sehr stolz seine Flaschensammlung. Von Cola Flaschen aus den 50er bis zu handgearbeiteten Weinflaschen. Die meisten sehen wirklich alt aus.
Andrea erhält ein Geschenk von Pete. „Let me bless You too“, sagte er. Eine Haar-Tonikum Flasche, die wir später googeln und sie ins New York von 1870 einordnen können. Wert bei Sammlern 20.-$. Wert bei uns = unschätzbare Erinnerung.
Wir bedanken uns und ich fliege noch eine Runde mit meiner Drohne, um dieses abenteuerliche Nest von oben zu fotografieren. Die folgenden zwei Tage verbrachten wir direkt im Riff der Westseite. Glasklares Wasser und ein ein 10 km langer Sandstrand gehörten nur uns.


Die nächsten zwei Tage war das Wetter unbeständig und sehr windig und wir blieben in der geschützten Bucht liegen. Da wir nun doch schon fünf Tage in dem Bahamas unterwegs waren, müssten wir langsam daran denken offiziell einzuklarieren. Tags darauf ist hinter dieser Kaltfront wenig Wind und wir motorten daher an die Ostküste der Insel Long Island (48 sm) und ankern im Ort Clarence Town. Der Zoll und Immigrations Prozess muss auch hier zuerst online per App gemacht werden, was mich gut und gerne fast zwei Stunden kostete (unglaublich umständliche Homepage). 24 Stunden vor dem Eintreffen muss man sich per Whats App text message melden und die ETA (estimated time of arrival) angeben. Und siehe da. Kaum waren wir mit dem Ankern fertig, erhielten wir die WhatsApp, der Beamte ist um 16:00 Uhr in der hier befindlichen „Flying Fish Marina“. Clarence Town ist der Haupthafen. Auch Fischer bringen ihren Fang an diese Pier und verkaufen oder nehmen ihre Fische dann vor Ort aus. Darum staunten wir nicht schlecht als wir mit unserem Dinghy anlegen wollten und plötzlich neben uns zwei Haiflossen aus dem Wasser auftauchen und neben uns her schwimmen. Von der Pier aus zählten wir dann neun Haie, die sichtlich auf Futter warteten. Das Schild sagt alles über dieses Verhalten.


Wir erledigten pünktlichst und sehr freundlich unsere Einreise Formalitäten.
Long Island, wie der Name schon sagt, ist 100 Kilometer lang und spärlich besiedelt. Am nächsten Tag segeln wir mit Halbwind um die Nordspitze herum und lassen den Anker in der Calabash Bay, 100 Meter vor einem der schönsten Strände, die wir in letzter Zeit gesehen haben, fallen.
Hier befindet sich ein kanadisches Hotel in dem fast nur Amerikaner absteigen. Sie haben nur 3 Stunden von Miami hierher.
Ein Mietwagen bringt uns am nächsten Tag nochmals in den Süden zurück. Dort ist das berühmte „Dean’s Blue Hole“ in dem regelmäßig Meisterschaften im Freitauchen stattfinden. Es ist 200 Meter tief und 40 Meter breit und leider an diesem Tag durch die starken Strömungen nicht glasklar wie im Prospekt. Bei den gefährlichen Apnoetauchbewerben sind an diesem Ort bereits mehr als 200 Personen verstorben.

Heute Dienstag sprinteten wir mit SYMI über die kurze Distanz von 22 sm auf die nächste westlich gelegene Insel Great Exuma und landeten in George Town.
Hier ist man wieder in der Cruiser Szene zurück. In diesem bestens vor dem Atlantik und den Ostwinden geschützten Inselreich verbringen hunderte Amerikaner und Kanadier als sogenannte „Snow Birds“ den Winter mit ihren Yachten in der Wärme. Es ist schwer zu schätzen, aber an die 300 Yachten werden hier schon liegen.
Wir trafen heute wieder Mal die Vitilas, Doris und Uwe und planen morgen, nach 18 Tagen, einkaufen zu gehen. Der Müll sammelt sich auch schon an Bord und unsere Beinchen sollten wir auch wieder bewegen. Landausflug also ist die Lösung.
Ab Donnerstag ist viel Wind aus Ost und Regenfront angesagt. Da heisst es Schutz suchen hinter den vielen kleinen Inseln. Zum Wetter ist allgemein zu sagen, dass wir seit Puerto Rico deutlich spüren in den kühleren Norden zu kommen. Tagsüber sind 26-28° Standard, nachts hat es manchmal nur 22° (Du wirst an dieser Stelle wahrscheinlich lachen, aber wenn man Monate lang bei Dauertemperaturen von 29-31° umherfährt, dann sind 22° sehr wenig).
Durch die US-Sommerzeit und die nördlichere Breite ist es jetzt statt 18:oo Uhr erst um 19:30 Uhr dunkel. Das macht den Abend bedeutend angenehmer.
Die Pläne für die nächsten 3 Wochen:
Wir wollen bald in die Exumas nach Norden segeln und müssen am 20.4.25 nach George Town zurückkehren, um 2 Gäste an Bord zu empfangen. Darüber später.
Alles Gute wünschen wir Dir wie immer von Bord, take care
Die SYMI Crew