🇺🇸 – Deltaville, VA. Wieder im Wasser
Liebe Freunde von SailingSymi,
Ich hoffe es geht Euch gut und der Frühling hat auch Österreich erreicht.
Seit dem letzten Video Blog waren wir auf dem Trockenen sehr fleißig an der Arbeit und haben neben dem Vollenden der Unterwasserschiffsreinigung mit einer Politur auch das Deck und die Stufenabgänge auf beiden Seiten mit Pflegemittel eingelassen. Wir haben alle Leinen inspiziert, Blöcke geschmiert, ich habe die Rettungswesten und ihre CO2 Patronen auf ihre Funktion überprüft, den Heisswasserboilerzufluss getauscht, neue Wasserfilter eingebaut, den Plotter (elektr.Seekarte) upgedatet, das Beiboot gereinigt, den Außenbordmotor ausgewintert und geserviced, Andrea hat die gesamte Kombüse zerlegt und alle Lebensmittel geordnet, die Kabinen gereinigt und bewohnbar gemacht und den Anker mit Schutzfarbe bemalt. Wir haben Winschen zerlegt, den alten Anker entsorgt, die Feuerlöscher vom Service geholt, die Fender aufgeblasen, alle Chromteile poliert, usw. usw. ….. es gab drei A4 Seiten to-do Liste … jetzt jedenfalls steht Symi wieder glänzend da.
Das Segel und alle Leinen hatten wir bereits eingezogen und es fehlte nur mehr der berühmte Ersatzteil für den Backbord Motor. Eine einzige M6 Schraube war vom Volvo Vertreter nicht lieferbar aber ist schließlich doch, wie man es kennt, mit Amazon innerhalb eines Tages angekommen. Auf die ist meist Verlass.
Donnerstag nachmittags war es schließlich soweit, der frisch reparierte Kran senkte SYMI sanft ins Wasser ab und nach einem Routinecheck unter die Bodenbretter (das tut jeder Kapitän, wenn sein Schiff zurück in sein Element kommt, solange noch die Kranschlaufen den Rumpf umarmen und die Möglichkeit bieten, das Boot bei Wassereinbruch rasch wieder in die Höhe zu ziehen) konnte ich positiv feststellen, dass bei Symi alles dicht war. Alle Hähne und Auslässe haben den Winter gut überstanden. Am nächsten Tag vollendete der Mechaniker das Einspritzpumpenservice und wir starteten erstmals die Motoren (ein Katamaran hat ja zwei davon). Sie liefen einwandfrei, endlich gab es warmes Wasser, dass bei uns mit einem Wärmetauscher durch die Motorkühlung beheizt wird. Das abendliche Duschen war später ein echtes Vergnügen.



Nach einem kurzen Blick auf die Wetterprognose entschlossen wir uns heute Samstag die 30 Seemeilen Strecke, zur Hälfte sogar unter Segeln, bis nach Sarah Creek in Angriff zu nehmen. Hier waren wir bereits im Juli 2025 ein paar Wochen lang und liegen jetzt in einer kleinen Bucht vor Anker. Hundert Meter entfernt befindet sich ein kleiner Yachthafen, der „York River Yacht Haven“ mit einem Restaurant, und falls wir es brauchen, gäbe es auch gratis Wasser zum Nachfüllen. Welch ein Luxus!
Leider ist der Wetterbericht für die nächsten Tage nicht besonders gut, es soll regnen und auch auf 12° abkühlen. Das bedeutet für uns Warten und das Wetterprogramm täglich mehrmals beobachten.
Bermuda
In Deltavillle, noch auf dem Trockenen liegend, begegneten wir zufällig einem Pärchen mit Hund aus Frankreich und kamen im Gespräch auf die Bermudas und ihre Regeln bei der Einreise zu sprechen. Wir erfuhren mit Erstaunen, dass Bermuda äußerst strenge Lebensmittelgesetze haben soll. Die Einfuhr von Fleisch und anderen Lebensmitteln ist in Bermuda verboten und es bedürfe eines veterinärmedizinischen Gutachtens über die Herkunft des Fleisches, um es legal einzuführen. Ebenso sind Kartoffel, Zitronen, Grapefruit, Trauben, und überhaupt frische Früchte und Gemüsesorten verboten. Nur bei Konserven wäre man auf der sicheren Seite. Das erfuhren wir jetzt, nachdem wir noch vor fünf Tagen mit unserem Mietwagen vor der Rückgabe zu einem Großeinkauf zu Walmart fuhren. Wir besorgten dort alle oben genannten Lebensmittel und verstauten sie dann auf SYMI in unserem Tiefkühler und diversen Orten. Ich bemerkte bei der Kontrolle der Kühltemperatur, dass der Tiefkühler nicht mehr seine Tiefsttemperatur von -16° erreichte, baute ihn aus dem Wandschrank aus und diagnostizierte dann, dass der Ventilator am Wärmetauscher nicht mehr funktionierte. Somit schnell in die Rezeption des Boatyards gezischt, um wieder Mal eine neue Bestellung aufzugeben. Einen, wie in jedem PC installierten, 12 V Ventilator, der Gott sei Dank innerhalb eines Tages ankam und montiert wurde. Gefriergut gerettet. Jetzt läuft der Tiefkühler wieder wie er soll.
Was also sollen wir wegen der Lebensmittelrestriktionen auf Bermuda tun? Um den Vorrat zu reduzieren, essen wir seit vier Tagen Huhn in allen Varianten. Auf Empfehlung unserer Freunde Ingrid und Robert von der Segelyacht „Stravanza“ sollen wir in Bermuda bei der Ankunft möglichst weit entfernt von den Zollbehörde ankern, damit diese nicht auf die Idee kommen, uns an Bord einen Besuch abzustatten. Trotzdem werde ich, wie es Vorschrift ist, eine Liste mit allen an Bord befindlichen Lebensmitteln erstellen, gleichzeitig aber auch eine Fake Liste. Und wenn wir einmal dort angekommen sind, werde ich abwarten, was der Zöllner von uns verlangt. Wir hoffen, daß wir die Vorräte behalten können, denn die Verproviantierung auf den Bermudas ist ziemlich teuer, da ja dorthin alles importiert werden muss. Ich muss mich außerdem morgen noch eingehend mit den Regeln des Einklarierens einer Segelyacht auf dieser Inselgruppe beschäftigen. Auch da gibt es genaue Vorgaben. Zum Beispiel ist eine Voranmeldung der Ankunft 30 Seemeilen vor dem Einlaufen in den Hafen per Funkgerät vorgeschrieben…
Das alles ist aber derzeit Zukunftsmusik. Unser derzeitiges Problem ist das berühmte Wort: „ Wetterfenster“.
Eigentlich stehen wir hier bereit zur Abfahrt für die circa 810 Meilen (5-6 Tage) dauernde Überquerung. Nur das richtige Wetter scheint es derzeit nicht zu geben. Soviel ich auch mit dem Programm der Routenplanung herumspiele, es tut sich kein Fenster auf, dass uns ohne Starkwind oder unruhige See auf die Bermudas bringen würde. Hier verzeiht mir einen genaueren Blick auf die physikalisch-hydrodynamischen Gegebenheiten der US-Ostküste:
Das Hauptproblem der Überquerung ist der Golfstrom, der eine Breite von circa 120 km hat und als breites Förderband mit bis zu 7 km/h von Süden nach Norden, die amerikanische Ostküste hinauf zieht. Zur sicheren Überquerung dieses Stroms sollte kein Wind von mehr als 12 Knoten aus Nord oder Nordost gegen die Strömung blasen. Weht Wind gegen eine Strömung so entstehen dadurch sehr kurze und hohe Wellen, die in allen US-Seglerforen hier als „boat-braking“ bezeichnet werden. Somit suche ich nach einem Tag mit Südwind und keinen Sturmböen von 80 Km/h, was nicht einfach ist. Der Wechsel des La Nina zum El Nino Phänomen, der sogenannte ENSO-Status, hat nämlich seit März über den USA sehr instabile Luftdruckverhältnisse geschaffen. Das hat erstens einen sehr kalten Frühling und zweitens eine Häufung der Tiefdruckgebiete an der Ostküste, die auf den Atlantik hinaus ziehen, mit sich gebracht. Und so sieht auch das Prognoseprogramm aus. Kaum ist ein Tiefdruckgebiet von der Küste hinaus gezogen, ist schon das Nächste da.
Heute sieht es zumindest bis zum 5. Mai nicht so aus, als gäbe es ein passendes Wetter für unsere Überfahrt. Ich möchte nicht länger in meteorologischen Details wühlen, sondern lieber noch über uns erzählen.

Nach zwei Tagen auf dem Boot und am Wasser merkt man deutlich, wie ungewohnt der wackelnde Untersatz eigentlich ist. Man sollte glauben, dass man nach fast 20.000 km Segeln bis hierher, einfach wieder an Bord springt und sich wie zuletzt, behände wie ein Affe, während des Segelns von einem Ort zum anderen bewegen kann. Dem aber ist nicht so. Sogar im Bett ist das langsame auf und nieder des Boots noch etwas ungewohnt. Ebenso die Geräusche von Wind und Wellen und den verschiedenen Elektrogeräten an Bord, wie Eiskasten und Tiefkühler, die ab und zu anspringen und dann wieder verstummen.
Ich bin aber zu 100% sicher, dass wir recht rasch wieder unsere Sicherheit und Routinen zurückerlangen werden. Auf unserem fünf Tage Trip wird uns gar nichts anderes übrig bleiben.😉.
Gerade hat der prognostizierte Regen eingesetzt, wir haben alle Zippverschlüsse geschlossen und lauschen dem Donner und dem Regen, der jetzt auf unser Cockpitdach trommelt. Der Wind, der kurz aufgefrischt hat, ist wieder abgeflaut und es könnte eine gemütliche Nacht werden, ähnlich wie früher beim Campen im Zelt.

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag und bis bald auf SailingSymi.
Wie bekannt schreibe ich gerne und filme, Andrea ist die bessere Fotografin. Sie postet ihre Fotos nach dem Reiseverlauf in einer App namens „Polarsteps“.
Andreas Reisfotos findest du hier.
Wenn du benachrichtigt werden willst, wenn Andrea neue Bilder auflädt, müsstest Du Dir die Polarsteps-App (hier der IOS Link)auf dein Handy laden und dann Andrea zum "adden" auffordern.

Falls Du irgendeinen Beitrag des SYMI-Jahrs 2026 versäumt hast, findest Du hier Links zum Nachlesen.
