🇺🇸 – Hampton, wir warten auf ein Fenster

Liebe Freunde von SailingSymi,

In diesem Blog wollen wir euch darüber informieren, warum wir im Moment noch immer in den USA sind, was es bedeutet auf ein Fenster zu warten und warum das Wetter in den USA, wie auch in Europa, diesen Frühling zu kalt war und etwas verrückt gespielt hat.
Wir sind letzte Woche circa 100 km von Deltaville nach Süd Osten bis nach Norfolk hinuntergesegelt und stehen derzeit an einem sehr sicheren Ort in einem Fluss, der durch die Stadt Hampton fließt, an einem sehr gemütlichen Ankerplatz, direkt vor einem Museum.
Die nächsten Tage gibt es kräftigen Südwind und kühle Temperaturen. In der Nacht hat es am Bord 8° und tagsüber gehen die Werte nicht über 16° hinaus.
Zum Glück hat Symi eine dieselbetriebene Webasto Heizung, wie in einem LKW, mit der wir im Inneren des Bootes Temperaturen um die 22° halten können, was unsere Abende, das Einschlafen und Aufstehen wesentlich gemütlicher macht.
Das Fenster, auf das wir warten, ist ein Wetterfenster. Dies bedeutet eine geeignete Wetterperiode, die es zulässt, sicher von hier über die fünf Tage Distanz bis nach Bermuda zu gelangen. Das Problem des derzeitigen Wettermusters ist in Meteorologenkreisen Amerikas ein viel diskutiertes.
Ich hoffe, es ist dir nicht zu sachlich, wenn ich in diesem Blog etwas näher auf die meteorologischen Ursachen dafür eingehe. Im Übrigen trifft dieses Muster auch auf den heurigen Frühling in Europa zu, der im Schnitt zu kühl war.

Schuld an diesem Wetter Durcheinander und den vielen Tiefdruckgebieten und Kaltfronten im Osten der USA ist der polare Jetstream. Ein sehr starker Höhenwind in circa 10km, der ganzjährig wellenartig von West nach Ost um den Nordpol wandert.
Durch die globale Erwärmung bildet er manchmal (eben heuer im Jänner) weit nach Süden reichende Ausstülpungen, die wie ein verkehrtes Omega bis zu den großen Seen und Chicago oder noch weiter südlich reichen. Ein Meteorologe sagte, es ist so, wie wenn Kanada die Kühlschranktür offen gelassen hätte. Die Kaltluft des Nordpols wird mit dem Jetstream nach Süden mitgerissen und somit nach Amerika eingeblasen.

Im ersten Bild unten siehst du Amerika mit dem Jetstream (oben im Bild) und der Kaltluft, die der Jetstream über das ganze Land von West nach Ost mitbringt. Somit wäre also die Kälte erklärt, die von Kanada bis Washington reicht. Klicke zum Vergrößern auf das Bild.

Warum aber gibt es dann zu viel Wind und instabiles Wetter? Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen der polaren Kaltluft und der über Amerika herrschenden wärmeren Luft entstehen, viel häufiger als normal, kräftige Tiefdruckgebiete.
Diese wandern dann von Westen nach Osten und kommen schließlich oftmals in Tagesabständen an die Ostküste und den Westatlantik, wo wir uns befinden. Dadurch entstehen erstens für die Jahreszeit viel zu niedrige Temperaturen und zweitens für den Monat Mai viel zu starke und uneinheitlich Winde.

Am Bild oben siehst du unseren Standort und im roten Kreis jenes Gebiet, das uns betrifft und das wir uns für fünf Tage mit gutem Wetter wünschen.
Für unser Wetterfenster entscheidend ist, dass:
1.) der Wind aus südlicher Richtung kommt, um nicht mit dem nach Norden ziehenden Golfstrom zu interferieren
2.) uns keine kräftigen Sturmtiefs während der 5 Tage, an denen wir uns auf See befinden, überfallen können.
Überfallen bedeutet hier, dass man beim Segeln ohne gute vorausschauend Planung mit Wind bis zu 80 km/h und Wellen von 3-4 m Höhe konfrontiert sein kann, was weder für das Boot noch für uns gut wäre. Also lieber warten. Noch haben wir keinen Zeitdruck.
Und wann wird es besser werden? Das wird sich sicher nicht nur Andrea hier fragen.
Laut der langen Vorausschau sollte Mitte Mai der Spuk ein Ende haben und die Kühlschranktür in Kanada wieder geschlossen werden. Das würde bedeuten, dass sich der Jetstream wieder in seinen normalen Bahnen bewegen sollte.

Nun hast du den wissenschaftlichen Ausflug überstanden und verstehst hoffentlich, warum wir immer noch auf unser Fenster warten.
Noch ein paar Bilder aus der Stadt Hampton.

Liebe Grüße von Bord und pass gut auf Dich auf…
Pavlos Kosteki und Crew