🇺🇸 – Der letzte Teil des Waterways
Herzlich Willkommen zum neuen SYMI Blog.
Wir verließen also die kleine Stadt Beaufort zeitig am Morgen. Das Gebiet in North Carolina, das wir zu durchfahren hatten ist fast überall Wildnis mit einer Ausdehnung von ungefähr 300×300 Kilometern. Vereinzelt gibt es zwar Orte, die durch Straßen verbunden sind, in Wahrheit aber ist es ein riesiger Naturpark. Als Vergleich fällt mir hier der Naturpark Lobau, nahe bei Wien ein. Nur die Größenordnung ist etwas anders – einfach USA. Der Wasserweg führt manchmal über breite Kanäle, manchmal wird es im natürlichen Flußbett etwas enger. Zur Abwechslung liegen verbindende, große, sehr seichte Seen dazwischen. Die Tiefen dort betragen etwa 60-80 cm. Sie sehen aber aus wie gewaltig große Seen. Sie zu durchfahren bedarf großer Sorgfalt, da nur zwei Meter neben der Fahrrinne ein plötzlicher Stop mit Steckenbleiben im Sand vorprogrammiert ist. Zwei Mal sind wir trotzdem aufgelaufen, konnten uns aber zum Glück mit beiden Motoren im Rückwärtsgang selbst befreien. Hier Schlepphilfe zu bekommen wäre nicht so einfach.
Es ist für jeden etwas dabei. Wir fuhren meist mit nur einem Motor (den Zweiten kann man zur Diesel Ersparnis ruhen lassen) und genossen auch so manchen Tag ohne Sonne dahin zu tuckern.
An den Ufern gibt es immer etwas zu sehen, man hört Vögel, Grillen, sieht am Ufer Sandläufer, Silberreiher und ist von der Weite der Landschaft fasziniert.
Der vorausgesagte 17:00 Uhr Regenguss war pünktlich da und mit geschlossenen Fenstern in unserem Steuerhaus war es gemütlich die letzten Seemeilen bis zum ersten Übernachtungsplatz zurückzulegen.

Belhaven klingt bedeutender als es ist. 1400 Einwohner, eine kleine Marina und ein paar Wohnhäuser, die am Wasser stehen sind alles, was es hier zu sehen gibt. Da es auch nach dem dunkel werden weiter regnet und Andrea ein wunderbares Abendessen gekocht hatte, kam es uns gar nicht in den Sinn, diesen Ort näher zu inspizieren.
Wir gingen früh schlafen und ließen uns durch den aufs Deck trommelnden Regen und über das Boot ziehenden Windböen in den Schlaf wiegen.
Um die maximalen Meilen pro Tag zu erreichen, ging der Anker bei Sonnenschein um 7:00 Uhr hoch, und wir setzten die Flussfahrt fort.
Obwohl wir es erhofft hatten im Alligator River endlich einem wilden Alligator zu begegnen, ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Man kann in der Dämmerung Rehe sehen, Seeadler umkreisten uns aber keine Reptilien.

Wir schlängelten uns den Fluss weiter in nördliche Richtung und ab und zu quert eine Autobrücke den Weg. Je weiter es nach Norden ging umso seltener wurden die bequemen 40m hohen Durchfahrtsbrücken und umso häufiger gab es Dreh-oder Klappbrücken. Die Durchfahrt bedarf eines standardisierten Prozederes.
Einen Kilometer vor der Brücke ist es in North Carolina der Funkkanal 13 mit dem man den Brückenwärter anruft und um eine Öffnung bittet. Die Wärter sind ausgesprochen höfliche Menschen, die Stimmen klingen meist älter, angeblich tun einigen Kriegsveteranen diesen Dienst. Sie antworten dir sofort, daß du deine Geschwindigkeit beibehalten sollst und bis zum Eintreffen bei der Brücke, wird sie offen sein. Und so funktionierte es auch.
Kaum hatte ich das Funkgerät weggelegt, hörte man schon die Glocken für die Schranken auf der Straße läuten, die Autos stoppten und mit fünf Mal Hupen drehte sich das 50 Meter Brückenstück um 90 Grad und SYMI glitt durch dei Durchfahrt hindurch, per Funk heißt es dann von mir, „SYMI has passed, thank you for the opening and have a great day“. Freundlich kommt es dann zurück „Safe Journey, SYMI“.
Drei Brücken öffneten nur zur vollen Stunde, was man dann mit in die Geschwindigkeit einkalkulieren muss, um pünktlich vor Ort zu sein.

Teile des ICW sind zum Teil durch Bauarbeiten künstlich verbunden. Das bemerkten wir, als wir in den 48km langen schnurgeraden Kanal einbogen. Hier gab es keine Ausfahrt, keine Raststätte oder Parkplatz. Wie auf dem Drohnenfoto unten ersichtlich war rund um uns nur Natur, kilometerweit, bis zum Horizont.
An den Ufern nur die Reste des immer wiederkehrenden Ausbaggerns, damit der Kanal nicht zuwächst und versandet. Eine Sysiphus Arbeit.
Am Ende des Kanals mussten wir noch einen kleinen See durchqueren, eine Drehbrücke zur Öffnung auffordern und endlich bogen wir, schon in der Dämmerung in einen Seitenarm ab. Der Wind hatte zugenommen und schob uns mit dem Vorsegel kräftig voran. Kaum waren wir abseits der markierten Straße, bemerkten wir Hunderte von kleinen Bojen, die hier in langen Reihen zum Krabbenfang ausgelegt werden. Es glich einem Slalom durch dieses Bojenfeld, zum Glück war noch etwas Licht. Ankern, Andrea kochte ein gutes Abendmahl und wie bei Seglern üblich, 21:00 Uhr ist Sailor’s Midnight.


Tagwache um 7:00 Uhr. Weiter geht’s.
Ein See von gut 30 km mußte überquert werden. Der 20 Meter breite Kanal, der mit roten und grünen Stehern gut markiert ist führte uns hindurch.
Die heimischen Seeadler hier haben sich diese Markierungspfähle (mit gratis Nachtlicht) als Nistplätze ausgesucht. Dutzende Steher sind bewohnt und die Mieter hocken am Nestrand und füttern ihre Küken. Das laute Piepsen der Kleinen ist weit zu hören.
Da es wieder zu regnen drohte und wir uns nach der Überquerung in einem weiteren Kanal befanden und nirgendwo „wild“ ankern hätten können, gönnten wir uns einen längseits Liegeplatz im nächsten Dorf namens Coinjock. Kaum längseits am Steg festgemacht entlud sich ein starkes Gewitter über uns. Der Regen sollte bis zum Morgen nicht mehr nachlassen.
Unser Hunger aber trieb uns mit Schirm und Regenjacke in das an der Mole befindliche Beisl. Nach diesem 11 Stunden Tag blieb unsere Küche kalt.

Auch hier präsentierte man uns das immer gleiche Menü:
Burger, Crabcake, Steak, Cesars Salad, french Fries und Pizza.
Ganz allgemein stellten wir nach diesen Wochen nicht mehr die Frage „warum“ hier so viele Menschen dick sind. Es war für uns, seit wir in West Palm Beach losgefahren sind unmöglich, ein Restaurant mit gesunden Speisen zu finden. Wir fuhren natürlich eine Hauptverkehrsader ab und der Vergleich mit Landgasthäusern in Österreich drängt sich auf.
Bei dieser Standard Speiseauswahl ist es für die Bevölkerung nicht einfach sich gesund ernähren. Das macht wirklich nachdenklich. Die Supermärkte haben zwar viel frisches Gemüse und Obst aber gleichzeitig extrem schlechte Fertignahrung in den Tiefkühlern. Sprichst du mit den Menschen, sagen viele, daß es abends viel einfacher wäre ein „Fertig Gericht“ in die Mikrowelle zu schieben, als zu kochen. So ist das eben in great America.
Der nächste Morgen begrüßte uns mit sonnigem Wetter und wir begaben uns wieder auf die Piste.
Wir schlängelten uns weiter durch den North Landing River und überquerten gegen Mittag die Landesgrenze zu Virginia. Punkt zwei Uhr öffnete die nächste Drehbrücke und wir hatten noch vier Minuten bis dorthin zu fahren. Auch das war kein Problem, ich funkte den Wärter an, er möge doch etwas Geduld haben und die Brücke für SYMI offen halten. Ich erwähnte es schon, höflich und mit ruhiger tiefer Stimme gab er zurück: „Captain, no worries, I keep the traffic blocked and my bridge open until you are through“, und so war es dann auch. Ein Boot, dachte ich, ist hier wichtiger als 200 Autos, die brav hinter den Schranken warteten.
Für die letzte Nacht machten wir an einem Steg vor der einzigen Schleuse des ICW fest. Ruhiges Wetter, spiegelglattes Wasser und nur eine Schildkröte und zwei Enten kamen zu Besuch. Mehr war hier nicht los. Darum schliefen wir tief und fest.
Punkt 10:00 ertönte das Horn der Highwaybrücke und wir schlüpften unten durch. Danach rückten auch die anderen wartenden fünf Yachten in der Schleusenkammer, die gleich danach folgte, zusammen und es ging 60cm hinunter in den Elizabeth River, der uns die letzte Etappe bis Norfolk trug. Ab da sind die Ufer von Industrie gesäumt. Kräne, Kohlelager, Raffinerien und viele Schleppkähne und Werften sind zu sehen.
Die letzte anzufunkende Brücke war eine technisch ganz Besondere. Eine Hebebrücke, die den 6 spurigen Fahrbahnteil bis auf 40 Meter Höhe anhob. Das Timing war wieder perfekt, die Autos warteten und SYMI düste unten durch.


Jetzt war es vorbei mit der Natur und es wurde städtisch. Wir „betraten“ den weltweit größten Marinestützpunkt und Hafen. Klar wurde uns das bald. Wir passierten die Trockendocks von sage und schreibe zwei Flugzeugträgern und fünf Schlachtschiffen. Marineakademie, Kräne und eine eigene Raffinerie mit Treibstofflagern sind mit eingeschlossen.
Privatboote dürfen sich den Navy Einrichtungen nicht mehr als 200 Meter annähern. Man sollte also beim Fahren im Kanal darauf achten, sich auf Abstand zu halten. Die Stadt Norfolk hat 280.000 Einwohner. Die Hälfte dient hier wahrscheinlich der Navy. Die Stadt ist beidseits des Ufers angelegt. Im Westen die Altstadt und im Osten eine enorm wachsende, moderne Neustadt.
Genau dazwischen bildet der Fluss eine Bucht, die „Hospital Bay“, die ein idealer Ankerplatz ist. Hier ließen wir den Anker fallen.
Unsere Freunde vom Segelboot Enja empfahlen uns den Besuch des Museums und des Museumsschiffes USS Wisconsin. Gesagt getan, mit dem Beiboot querten wir den Fluss, machten es an einer öffentlichen Mole fest und bestiegen eines der größten ausgemusterten Kriegsschiffe, die die USA je gebaut hat.
Fast 300 m lang, ausgestattet mit Cruise Missiles und zwei Dreierdecksgeschützen mit 40cm ! Kaliber. Damit schossen sie über 30 km weit. Die USS Wisconsin diente im 2. WK und zuletzt beim Unternehmen „Desert Storm“ im Irak. Seit 1991 ist sie außer Dienst und ein Museum. Auch für uns Zwei als überzeugte Pazifisten war der Besuch beeindruckend. Kriegschiffe, stellten wir danach fest, haben wir jetzt genug besucht. Da wir uns müde fühlten, die Nachmittagshitze über der Stadt glühte, sparzierten wir zu einer fast menschenleeren Mall in der Nähe und setzten uns in ein Kino. Wir waren bis auf vier andere Besucher alleine. „Drachenzähmen leicht gemacht“ war angesagt. Die Sitze waren weich und bequem, es war kühl und wir waren seit acht Monaten nicht mehr im Kino. Grooooßartiges Gefühl.



Dann aber rasch aufs Boot zurück, weil sich ein riesen Gewitter angesagt hatte. Blitze zuckten um uns und der Wind frischte stürmisch auf. Wir zogen die Jalousien zu und hatten es an Bord gemütlich.
In Norfolk, vor unserem Ankerplatz war die ICW Markierung mit dem 0-Kilometer Schild. Wir hatten es also geschafft. Wir waren jetzt von West-Palm-Beach bis Norfolk gereist. Gesamtzeit fünf Wochen und 3415 km. Das Foto zeigt SYMI’s Weg.

Die Zeit tickt für uns. Der Krantag wird Mitte Juli sein und dann soll SYMI am Trockenen stehen. Die Abbauarbeiten und das Vorbereiten an Bord beginnen und jeder Bootsbesitzer weiß, wie lange die abzuarbeitenden Listen sind. Da wir nur 180 km südlich von Washington DC parken werden und der Winter hier streng sein kann, müssen wir SYMI auch gegen Frost und Schnee wappnen. Es wartet also viel Arbeit in den nächsten drei Wochen auf uns.
Bis zum Kranen wollen wir noch etwas in der Küstengegend von Chesapeake Bay (die gesamt über 300 km lang ist) herumhängen und uns die „historischen Plätze“ ansehen.
Wie immer wünschen wir Dir alles Gute.
Bis demnächst und beste Grüße von Bord.

