Ich hoffe es geht Euch gut. In mehreren Telefonaten habe ich über die grausliche Jänner Kälte mit Nebel und all ihren viralen Begleiterscheinungen gehört. Richtig grauslich, war die einhellige Meinung. Dies ist einer der Gründe, warum ich hier bin.
In den USA ist es derzeit mit dem Wetter auch nicht viel besser als in Europa. New York beispielsweise hatte heute -12°. In Florida schneite es. Diese massiven Tiefdrucksysteme die zuerst über die USA ziehen und dann in den Atlantik hinaus, haben auch Auswirkungen auf unser Wetter in der NO- Karibik. Hier ziehen alle vier bis sieben Tage so richtig kräftige tropisache Schauer mit Starkwindböen durch. Das Meer bringt dabei relativ hohen Seegang mit, wodurch es in manchen Buchten sehr unbequem werden kann. Für einen Ortswechsel auf eine benachbarte Insel ist man als Segler gut beraten, ein passendes Wetterfenster abzuwarten. Genau das taten wir in den letzten 10 Tagen hier auf Saint Martin.
Nach einer problemlosen und eher windarmen Passage von Barbuda nach hierher, vorbei an der Insel St. Barth, liegen wir nun in einer Lagune im französischen Teil von St. Martin. Nur 1,9 Meter Wassertiefe hat dieser See, ein idealer Vorteil für einen Katamaran (unsere SYMI hat 1,15 m Tiefgang). Hier drinnen ist die Welle klein und auch die Windböen werden durch umliegende Hügel gebremst. Lediglich die Schnellboote der Tagestouristen sausen oftmals unter Tags viel zu flott durch die Lagune und beuteln uns dann ordentlich durch. Sie führen ihre Gäste aus dem holländischen Süden der Insel durch unsere Lagune zu den netten Badeplätzen im Nordwesten.
Wir hatten hier einige Erledigungen geplant. Das Wetter war passend dazu. Wechselhaft und eher kühl bei 28°. Mit einem Mietwagen besuchten wir dann an einem Tag den Bootsersatzteilhändler, am Zweiten einen Supermarkt und dann natürlich machten wir den Pflichtbesuch beim 🦜 Papagei Voliere Park. Wir lieben es dort mit einem Futtertrog in der Hand zu warten, bis ein oder zwei Papageien angeflogen kommen und sich seelenruhig auf meine Hand setzen um im Futtertrog zu naschen. Innerhalb eines Jahres ist es das dritte Mal, dass wir dort auf Besuch sind. Nach zwei Stunden fast meditativem Vogelbeobachten fuhren wir zurück zu SYMI. Ganz glücklich, mit einem Grinser im Gesicht und einem Patzerl am T-shirt.
Die restlichen Tage vergingen mit einigen Arbeiten an Bord auch recht flott. Ein Schalter der elektrischen Winsch war zu tauschen. Die Sitzpölster im Cockpit bekamen neuen Schaumstoff. Ich baute eine kräftigere WC Wasserpumpe ein und so weiter und so fort.
Einen Abend feierten wir den 60-er von unserem deutschen Bootsnachbarn Uwe. Feuchtfröhlich mit herrlichem Abendessen. Die Sozialisierung mit anderen Bootsfreunden zu gemeinsamen Sundowner Drinks an Bord oder einem Abendessen im Restaurant ist für uns ein wichtiger und auch sehr positiver Teil des Seglerlebens. Die Zeit verflog wieder mal und heute Samstag ist ein Fenster da, um die 150 km in die British Virgin Islands über zu setzten.
Wir werden um 3:00 morgens starten und hoffentlich am späten Nachmittag auf Virgin Gorda ankommen. Heute haben wir noch unsere letzten EC Dollars (East Caribbean Dollar) in US-Dollar gewechselt, ab morgen zahlen wir dann bis zum Sommer nur mehr mit US-$.
Willkommen zum zweiten Symi-Blog im neuen Jahr. Nach unserer Neujahrs-Reggaeparty sehnten wir uns wieder nach etwas mehr Ruhe und segelten zwei Stunden an die Südost Ecke von Antigua. Dort erstreckt sich ein so genanntes Barriere Riff von Nord nach Süd und schützt eine große Bucht namens „Nonsuch Bay“ vor den großen Atlantikwellen. Hinter dem Riff sind die Wellen wesentlich kleiner, der Wind aber weht weiterhin ohne Barriere in die Bucht hinein. Ein Paradies für Kiter und Windsurfer. Trotz ausklingender Weihnachtsferien und einiger Megayachten und Großsegler gab es noch genügend freie Plätze zum Ankern. Abenteuerlustig und naturinteressiert fuhren wir mit dem Schlauchboot zu den zwei in der Seekarte empfohlenen Schnorchelspots. Aber leider auch hier, wie eigentlich in fast der gesamten Ostkaribik, sind diese Riffe grau und tot. Seien es der Hurrikan 2017 oder die Wassererwärmung, die schuld sind, es bietet sich dem Schnorchler eine graue Geröllanhäufung auf dem Sandboden. Keine Fische, nur etwas Seegras.Ab und zu sieht man eine Meeresschildkröte.
Während die USA und Europa mit Eiseskälte und Schnee beschäftigt sind, wirkte sich dieses Wettergeschehen auch auf uns aus. Eine Kaltfront mit Regen senkte bei uns die Temperatur für einen Tag auf 26 Grad. Viele von Euch werden jetzt schmunzeln und sagen: „Jo eh“, aber für uns, die wir seit Grenada nie unter 29° hatten, war es eine angenehme kühle Abwechslung. Der Regen störte mich wenig, denn – manchem Leser wird das Problem bekannt vorkommen – die steuerbord Toilette wollte wieder mal gar nicht mehr arbeiten. Diesmal war jener Teil durchzuputzen, den ich vor dem einem Monat noch nicht gereinigt hatte. Installateurroutine für mich. Das Badezimmer mit seinen Wänden zerlegen, Leitungsschlauch ausbauen, Salzsäure, Bohrmaschine, akrobatische Verrenkungen, braune Spritzer an den Wänden und auf der Haut. Aber nach sechs Stunden pumpte das WC wieder wie ein Wasserfall. Und ich denke mir wieder mal, wie wahr der Spruch ist: Bluewatersailing is boat repair in exotic places. Ein Wetterfenster mit gleichmäßigem Wind aus SO zwang uns förmlich zum Aufbruch zur Nachbarinsel Barbuda. Drei Stunden dahingleiten im Wind und schon ließen wir unseren Anker in das türkisfarbene Wasser vor dem Princess Diana Beach im Süden der Insel fallen. Die Farbenpracht dieser Strände ist wirklich unglaublich.
Wir unternahmen mit unseren Freunden Iris & Peter auf dem menschenleeren, weißen, puderartigen Mehlstrand müßte man sagen, denn so fühlt sich dieser weiche Sand zwischen den Zehen an, einen herrlichen Strandspaziergang. Auf den drei Kilometern Strecke, die wir dahinschlenderten war niemand außer uns und die rauschenden Wellen, die rhythmisch in halbkreisförmigen Mustern türkisfarbenes Wasser auf den Strand drängten. Ein wahres Paradies. Fast am Ende dieses insgesamt 9 km langen Strandes kamen wir zu einer, derzeit geschlossenen Strandbar namens „NOBU“. Diese hochpreisige Sushi-Restaurant-Kette (derzeit weltweit 57 Restaurants) wurde hier 2021 eröffnet. Ich las, daß ausgerechnet einer meiner Lieblingsschauspieler, Robert De Niro, aus Liebe zu diesem schönen Stück Erde, durch die Errichtung seines NOBU-Nobelresorts eine Ankurbelung der Bauwirtschaft und Förderung neuer Hotelbauten erreichen will. Alle sollen nach Barbuda zum Sushi kommen. Die Natur scheint ihm egal. Gelegen an eben diesem Strand bietet De Niro nicht nur Bar und Sushi sondern auch seit 2022 Cabanas zum Luxuswohnen an. Das Grundstück ist durch eine extrem holprige Staubstraße mit dem Hauptdorf Codrington verbunden. Das Hinterland ist Brackwasser und Mangroven. Die Gäste fliegen dem Helikopter vom Antigua Airport ein. Seit dem Hurrikan Irma 2017 ist Barbudas eigener Airport immer noch teilweise zerstört aber wird laut Plakatwänden an der Hauptstraße wieder bald aufgebaut werden. Derzeit geht daher nur Helikopterfliegen. Da kann man wenigstens gleich im Vorgarten landen und erspart sich die Taxifahrt. Auf dem Nachbargrundstück erfüllt sich De Niro’s Traum vom großen Hotelstrand bereits. An die 30 Häuser stehen im Rohbau in der staubigen Baustelle. Aber auch das verwundert doch eigentlich nicht. Hauptsache viele neue Hotels, viel Beton und dafür gibts dann überall das gleiche Cocktail und Essens Menü, Kingsize Beds und Aircondition. Ob Rio, Fiji oder Malediven es lebe die Vielfalt. Denn diese Insel wird das selbe Schicksal erleiden, wie viele viele anderen schöne Plätze dieser Erde. Wir haben Barbuda noch fast heil erlebt. Danke.
Gestern brachte uns ein Taxi über eben diese Staubstraße zur Hauptpier von Codrington. Dort bestiegen wir ein 6-Personen Ausflugsboot und glitten durch die riesige Nordlagune in das zweitgrößte Brut und Naturschutzgebiet von Fregattvögeln auf der Welt. Nur auf den Galapagos Inseln ist die Vogel Population noch größer als diese 25.000 Individuen zählende hier. Derzeit ist Brutsaison. Keines der Männchen, die hier im Nest sitzen, läßt sich durch uns stören. Wir gleiten lautlos vorbei, immer tiefer durch die Mangrovenstraßen. Hier sitzen sie und brüten. Die Blätter unter ihnen sind weiß vom Kot, dessen Geruch sich durch die ganze Kolonie verbreitet. Fregattvögel sind wahre Flugmeister. Eigentlich Segelflieger. Mit ihren bis 180 cm Spannweite bei nur 1,5 kg Körpergewicht können sie sich mittels Thermik in Höhen bis 4000 Meter hinauf schrauben und auf diese Weise Distanzen bis zu 400 km täglich zurücklegen. Schwierig, sagte unser Guide, ist nur der Startvorgang. Mit ihren kurzen Beinchen und langen Flügeln müssen sie mindestens 2 Meter über dem Grund sitzen, um abheben zu können. In den Mangroven neben uns klappern die Schnäbel und blähen sich die roten Kehlsäcke der Männchen. Eine Schar von hunderten Vögeln kreist über unserem Boot. Unser Guide erläuterte uns auch mit großer Begeisterung, daß es im Leben der Fregattvögel eine Verhaltensumkehr im Vergleich zum Menschen gibt. Es sind die Männchen, die das Ei ausbrüten und die Vogelkinder drei Monate aufziehen, bis sie fliegen können. Die Aufgabe der Weibchen ist die wesentlich anstrengendere. Sie schaffen den ganzen Tag Nahrung aus dem Meer herbei und müssen Männchen und Küken füttern. Dafür hat sich beim Weibchen ein längeren Schnabel entwickelt mit dem sie im Segelflug ganz knapp über der Wasseroberfläche Fische herausfängt. Dieser Rollentausch begeisterte den sympathischen Erzähler ungemein. „The males are sitting at home doing nothing, just have to open their beaks for the food that their partners have to catch far out at sea and to bring home. That’s good life.“
Wir werden noch bis Montag hier verweilen und dann günstige NO Winde nutzen, um die 150 km bis nach Saint Martin zu absolvieren. Herzliche Grüße von Bord und ein schönes Wochenende
Tip: Andrea hat mit der App <Polarsteps> noch viele weitere Fotos unserer Reise hochgeladen. Lade dir gratis die App herunter, erstelle einen Account (den du nie verwenden wirst) oder klicke auf diesen Link, der Dich direkt zu Andreas Account bringt.
Gerade noch rechtzeitig möchten wir Euch allen ein „Wunderbares, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr“ wünschen.
Nach unserer fast zweiwöchigen Pause auf der Insel Marie Galante segelten wir zu einem Abstecher auf die kleinen „3 Inseln der Heiligen“ im Südosten Guadeloupes. Diese bereits im Vorjahr beschriebene Insel ist besonders nett angelegt, es gibt fast keine Autos und ein bisschen erinnert sie mich an Griechenland. Mit anderen Bootsfreunden bestiegen wir den 200 m hohen „Berg“ auf dem ein Kastell aus dem Jahr 1777 steht, dass die Franzosen vor den Engländern beschützt hat. Nur eine kurze 40-jährige Interims Zeit hatten die Engländer hier das Sagen.
Fort_Napoleon
Da der Wind deutlich zunahm und noch dazu aus dem Norden seine Wellen in die Bucht drückte, wurde das Liegen vor Anker recht ungemütlich und wir beschlossen an die Westküste Guadeloups möglichst weit nach Norden in eine ruhige Bucht zu übersiedeln. Kaum waren wir im Lee der großen Insel angelangt, schlief der Wind ein. Wir legten uns für eine Nacht in eine ruhige Bucht und fuhren am nächsten Morgen bis zum Ort Deshaies, ganz an der NW Ecke. Die Nacht dort war ausgesprochen kühl und angenehm, da der Wind die mit dichtem Urwald bedeckten Berghänge hinunter streicht und kühle Luft (24Grad) in die kleine malerische Bucht bläst. Beim Segeln in der Karibik ist meist nicht einmal ein dünnes Leintuch als Decke beim Schlafen notwendig, da sie Temperatur auch nachts kaum unter die 27° Marke geht. Das Ausklarieren, also Abmelden aus dem Inselstaat in einem offiziellen Büro ist seit September 2024 nicht mehr notwendig. Es gibt eine Erneuerung durch ein digitalen An-Abmeldesystem. Auf den französischen Überseeinseln reicht zur Meldung nunmehr ein ausgefülltes online Formular. Einziger Wermutstropfen: die vier Seiten müssen vor dem Besuch des nächsten Landes vom Besucher ausgedruckt werden. Zum Glück habe ich einen kleinen Laserdrucker an Bord mitgenommen. Die Überfahrt am 31. Dezember von Gouadeloupe nach Antigua war nicht sonderlich aufregend und bei unruhigen Wellen und wenig Wind schafften wir es rechtzeitig in den Hafen an der Südküste.
Wir ankerkten in der Freeman Bay und konnten die Behördenwege noch bis 16:00 Uhr am Silvester Tag erledigen. Etwas nervös waren Andrea und ich bereits am Nachmittag, da wir bemerkt hatten, dass unsere Simkarten aus Grenada hier nicht funktionierten. Ausgerechnet am Sylvestertag. Echt ein Mist. Lediglich in einer kleinen Bar beim Vorglühen um 17:00 Uhr war es uns möglich über den langsamen, lokalen WLAN die Heimat mit ein paar Textnachrichten zu beglücken und Glückwünsche in Empfang zu nehmen. Am 1. Januar hatten wir noch immer keinen Empfang, was in Zeiten wie diesen gar nicht mehr so einfach ist. Auch für uns „Oldies“. Am 2. Januar erstanden wir endlich eine neue Simkarte und wir hoffen, dass diese uns bis Puerto Rico begleiten wird.
Für den Abend reservierten wir im Antigua Yachtclub einen Tisch und hatten zu sechst ein kurzweiliges, lustiges und wunderbares asiatisches Abendessen mit Weinbegleitung. Am Rückweg in unseren Hafen bemerkte ich ein kleines Restaurant mit einer Drei Mann Reggae Band. Wir ließen uns dort auf einen Gintonic nieder und genossen die schwer eingerauchten drei älteren Herren, die sehr authentisch und groovig ihre Musik zum besten gaben.
Kurz vor Mitternacht waren wir wieder in unserer Anker Buch zurück, um um 00:00 Uhr das großes Feuerwerk zu sehen. Die Sechser Sylvester Crew traf sich dann noch zum Absacker-Silvester-Getränk um 1:00 Uhr auf SYMI’s Achterdeck. An evening to remember.
Gestern Nachmittag „bestiegen“ wir den kleinen Berg über unserer Bucht. Auf dem steilen Weg erreichten wir nach einer halben Stunde „Shirley Heights“. Ein Touristen Hotspot am Gipfel, aber mit einem herrlich Blick auf die Buchten und Nelson Harbour. Mit Steel Drum Musik und einer Reggae Band ließen wir den Abend ausklingen. Es machte einen Riesen Spaß so großartige Musik wieder mal live und laut zu erleben. Heute Vormittag sind wir drei Stunden weiter nach NO gesegelt. Auf der Ostseite von Antigua liegen dutzende Buchten und Ankerplätze hinter einer großen Riffkette, an die der Atlantik rollt. Hier werden wir sicher ein paar Tage bleiben.
Ein wunderbares Wochenende und Liebe Grüße senden wir von Bord SYMI.