Liebe Leser und innen unseres SYMI-Blogs. Gut, dass Du hereinschaust, es ist der Abschluss Blog dieser Segelsaison für uns.
Mehr als eine Woche hatten wir in der kleinen Bucht von Deltaville vor Anker vor unserem Boatyard gewartet. Hatten Reinigungsarbeiten begonnen, um die Zeit tot zu schlagen. Dann endlich mit zwei Tagen Verspätung wurde SYMI aus ihrem Element herausgekrant und gewaschen. Was sich an ihrem Rumpf zeigte, war das Ergebnis zweier Monate in nährstoffreichen Gewässern. Die kleinen vulkanartigen Muscheln (engl. Barnacles genannt) setzten sich haufenweise am Rumpf fest. Der Metallschaber hatte es schwer, sie abzukratzen. So einen Bewuchs hatte ich noch nie zuvor.
SYMI wurde an den Waldrand des kleinen Parkplatzes gestellt und wir begannen drei Seiten Checkliste abzuarbeiten.
Ich führte ein komplettes Jahresservice beider Dieselmotoren inklusive antifrost Maßnahmen durch. Im Winter kann hier in Deltaville durchaus Schnee liegen. Vom Segel abnehmen und verstauen, Wäsche waschen, Wassertank reinigen bis hin zum Laden aller Akkus für die neun Monate, während denen SYMI still stehen wird. Wir kämpften uns in 2,5 Tagen durch die Liste. 32 Grad und Sonne machten es irgendwie noch unerträglicher. Abends waren wir beide am Ende unserer Kräfte. Meine Sportuhr erklärte mir dann auch warum. Meine intensiven Aktivitäten habe ich auf 200 Minuten pro Woche eingestellt. Am ersten Tag beglückwünschte mich die Garmin zu einem 3-Fach Sieg, also 600 Minuten hoher Aktivität, gestern Abend sogar zu der 6-fachen Leistung. Dazu machte ich auf dem Boot allein 7000 Schritte pro Tag. Wie gut, daß man heut zu Tage seine Müdigkeit digital erklärt bekommt😜.
Samstag Mittag kletterten wir mit unseren vollen Taschen noch einmal die Hühnerleiter vom Heck hinunter, setzten uns in das klimatisierte Auto und blickten uns still an. Das hieß: „vorbei ist’s mit Wasser und Freiheit, jetzt gehts zurück in die Zivilisation“.
Wir haben für zwei Tage in Richmond, der Hauptstadt Virginias, ein Hotelzimmer gebucht, um Montag ab 8:00 Uhr im Büro der US CBP (Customs and Border Protection) vorzusprechen. Ich muss meine Lizenz zum Befahren der US Gewässer mit einem Privatboot still legen lassen. Natürlich werden wir uns auch die Stadt ansehen. Von den CBP Behörden am Flughafen Richmonds wollen wir direkt zum Washington Dulles Airport weiterfahren, um schließlich unseren Flug nach Wien zu erwischen. . .
Das also war unsere Segelsaison 2024/25.
Danke, dass Du bis zum Schluss dabei warst, du Dich mitgefreut und mitgefiebert hast. Auch Kommentare oder Nachrichten haben uns immer sehr gefreut. Danke.
Nun ist eine Pause bis März geplant. Erst wenn es in Deltaville wärmer wird, wollen wir zu SYMI zurückkehren. Welche Route wir dann wählen, wissen wir heute noch nicht. Jetzt wollen wir in der Welt ankommen und genießen mal unsere Zuhause und unsere Freunde. Also vielleicht sehen wir uns ja?
Alles Gute, bleibt gesund
Beste Grüße aus einem Hotel in Richmond, Virginia.
Ahoi und danke, daß Du bei SailingSYMI vorbei schaust. Dies wird wohl der vorletzte Blog für die nächsten Monate sein. Denn ab August kannst Du die Geschichten nur mehr Live hören, bei einem Glaserl…🍻
Wir haben nach 12 Tagen den netten Ankerplatz nahe dem Yachtclub Yorktown nach dem Auffüllen der Tanks mit Treibstoff und Wasser verlassen und folgten der Spur unserer Freunde vom Katamaran <Enja> in den Mobjack Creek. Dies ist ein weiterer, nördlich gelegener Seitenarm der großen Chesapeake Bay. Die unzähligen Seitenarme mit ihren verschlungenen mäandernden Flussläufen sind dutzende Kilometer von einander entfernt und man kann nur mit Motor die bezeichneten Rinnen befahren. Ist man einmal aus dem Fluß draußen, in der Bay, kommt gleich ein schönes Segelgefühl auf. Es plätschern die Wellen an den Rumpf, leichter Südwind bläst einem auf die Wange und das Segel zieht SYMI langsam voran, hinaus in die Weite der Bucht. Dabei lässt sich die schiere Größe dieser Wasserfläche nicht erahnen. Ich habe auf der Seekarte den Neusiedler See quer in die Bucht gelegt. Mit seinen 14 sm (26 km) Länge entspricht er der durchschnittlichen Breite der Chesapeake. Mit seiner größten Breite von 4 sm /7,5 km) zwischen Breitenbrunn und Podersdorf ließe er sich mehr als 26 Mal in die Chesapeake Bay legen. Wir motorten dann einen Fluss ein paar Meilen hinauf und trafen auf unsere Freunde. Der Grund für diesen Buchtbesuch war eine Besichtigung eines alternativen Bootsplatzes für das Winterlager. Sehr ordentlich und sauber präsentiert sich uns der „Zimmermann Boatyard“, nur die Zufahrt durch den Seitenarm des Flusses ist etwas problematisch. Ein Katamaran (Einrumpfboote gehen generell nicht) kann nur bei Springtide (da muss es entweder Voll- oder Neumond sein) bis zur Krananlage fahren. Daher müssen Sigrid und Thomas bis Ende Juli auf dieses Ereignis warten, dann gehen sie dort mit ihrer Enja aus dem Wasser und wir haben ja an einem anderen Ort unser Lager gebucht.
Nach einem milden Abend mit wunderschönem Mondaufgang, regnete es die Nacht durch und wir verließen am Donnerstag die Mobjack Bay und fuhren zunächst durch dichtesten Regen hinaus in in die große Bucht.
Als wir das weite Wasser erreicht hatte, scheinte bereits wieder die Sonne und nach 5 Stunden Fahrt nahmen wir die schmale und seichte Einfahrt in die Deltaville Marina Bucht und ankerten vor unserem Boatyard.
Voller Tatendrang besuchten wir gestern das Büro, fanden es aber leer vor. Die nette, junge Managerin Heidi arbeitete gerade an der Instandsetzung eines Bootes. Dort fanden wir sie schließlich auch. Auf unsere Frage, ob unser Krantermin am 14.7. stattfindet, sagte sie uns, dass leider drei geplante Wasserungen von Yachten wegen technischer Probleme noch nicht stattfinden konnten und wir derzeit keinen Platz am Trockenen hätten. Sie seien total ausgebucht. Das klang nicht gut und ärgerte uns sehr. Nach der komplizierten Vorplanung in den letzten Wochen mit Mietwagen, Zimmersuche, Ersatzteilen, Mechaniker und ganz besonders mit dem Heimflug war das keine gute Nachricht. Also was tun? Abwarten und vielleicht geht’s am Dienstag, meinte Heidi. Wir haben auch gar keine andere Möglichkeit. Es gibt hier in der Nähe keinen anderen Kran, der Katamarane heben könnte. Wir sind positiv und ich erledige einige technische Instandsetzungen schon jetzt vor Anker, damit möglichst wenig übrig bleibt, falls der Termin noch weiter nach hinten geschoben wird. Andrea checkt alle Vorräte nach Ablaufdaten und ordnet alles in Plastikkisten, damit es bei Frost keine bösen Überraschungen gibt. Die To-do-Liste ist immer noch lang, aber es wird schön langsam. Zum Beispiel reinigte ich im Beiboot sitzend den gesamten Flächenbereich über der Wasserlinie, der durch die sechs Wochen im braunen Intra Coastal Waterway Wasser Symis Weiss in grausliches Braun verfärbte. Zum Glück fand ich in meiner Putzmittelsammlung einen speziellen Rumpfreiniger, mit dem es unter körperlich hartem Einsatz gelang, wieder weisse Farbe zum Vorschein zu bringen.
Die teilweise fünf Zentimeter dicken Muschelbänke, die an Symis Rumpf angewachsen waren, werde ich erst am Trockenen entfernen können. Einen solch langen Bart hatte das Boot noch nie. Schande und außerdem bremst es die Fahrt um fast 1 Knoten. Eine Außenreinigung, wie wir sie sonst mit Taucherbrille machten, konnten wir seit Palm Beach zunächst wegen der Haie, später Alligatoren und Schlangen, hier in der Chesapeake wegen der lästigen, nesselnden Quallen nicht mehr durchführen. Jetzt haben wir das Wochenende vor uns und hoffen auf einen baldigen Krantermin.
Ob und wie wir es geschafft haben, kann ich Dir hoffentlich in einer Woche schreiben. Wir freuen uns auf Euch alle 🙃 und wünschen wie immer
Ahoi und herzlich willkommen bei einem neuen Blog von SYMI.
Vor 10 Tagen beschlossen wir die hektische und so großschiffslastige Stadt Norfolk zu verlassen und uns näher an unser endgültiges Sommerziel anzupirschen. Die Ausfahrt aus unserer Ankerbucht, bis zum Erreichen der großen Chesapeak Bay, ist gute 9 Kilometer lang. Du motorst vorbei an einem Trockendock nach dem Anderen. Überall werden hier die grauen Riesenschiffe mit der Weissen Nummer am Bug geservicet oder was immer die Navy damit macht (ist natürlich Geheimsache). Ich hatte den Funk auf Kanal 16 eingestellt und wir trabten mit braven 5 kn am rechten Fahrwasserrand dahin, nicht weit entfernt von einem der grauen Navy Riesen, da hörte ich den Funk kurz und kühl: „Warship 21 is backing up“. Ich sah rechts einen Hafenschlepper und auch die Nummer 21, wie sie ganz langsam ihre 200 Meter aus der Parklücke nach rückwärts schob. Wirklich langsam. Das wird noch dauern, meinte ich zu Andrea und startete den zweiten Motor, um beschleunigen zu können und die Nummer 21 noch vor dem Auslaufen zu passieren. Mit sieben Knoten rasten wir heran. Von Ferne nahm ich akustisch eine typische Sirene eines US Einsatzfahrzeugs wahr, ein Auto dachte ich, die rasen ja dauernd irgendwem hinterher in den USA. Andrea aber schrie aufgeregt, da sind sie, sie kommen näher. Ich blickte mich um und sah ein Schnellboot der Militärpolizei mit blinkenden rot-blauen Einsatzlichtern 50 Meter hinter uns, genau auf uns zukommend. Aus dem Außenlautsprecher hörte ich eine Frauenstimme, konnte aber nicht verrstehen, was sie sagte. Zuviel Lärm und Wind rundherum. Sie kamen näher und ich mir war klar, daß galt SYMI. Ich funkte auf Kanal 16 was ich tun sollte, aber bekam per Funk keine Antwort.
Dann verstand ich den Lautsprecher, der nur mehr 15 Meter entfernt war: „Tack to port!!!“ Tack to port!!!“ Ich drehte Symi 90° nach Backbord und schon war die Sirene still. Natürlich wäre sich meine Vorbeifahrt gemütlich ausgegangen. Hier in Norfolk aber herrschen andere Sitten. Militär hat oberste Priorität und jedes Schiff, das einem Navyship begenet, hat sofort und uneingeschränkt den Anweisungen des Militärs folge zu leisten. Wir waren mit unserem neuen Kurs auf der linken Fahrwasserseite angekommen und erst als wir die rote Begrenzungstonne passiert hatten, ließ die Polizei von uns ab, schrie noch ein „Thank You“ durch ihren Außenlautsprecher und drehte ab, genau in Richtung Riese Nummer 21. Geschafft, dachte ich. Wieder was dazu gelernt. Das die Navy es nicht nur auf die „Kleinen“ abgesehen hat, hörte ich etwas später am Funk, als ein 300 Meter Container Schiff weiter draußen der Nr. 21 begegnete. Er wurde per Funk angewiesen, die Geschwindikeit zu drosseln, an den Rand zu fahren, und keinesfalls den Kurs zu ändern. Dann rollten wir das Vorsegel aus und endlich glitt SYMI wieder mit eigener Kraft durchs Wasser. Es waren gut 50 Kilometer bis zur Einfahrt in den historischen Seitenarm von Yorktown. Kurz vor dem Ort bogen wir nach Norden in einen Flussarm ab und stießen dann auf unsere bereits seit zwei Tagen hier ankernden Freunde mit ihrem Katamaran „Enja“. Wir hatten schon in Grenada im November ausgemacht, einander zu treffen, unsere Zwischenstops aber ließen dies nie zu. Jetzt war es endlich so weit und wir freuten uns. Ihr Buddy-Boat war auch hier. Mary & Paul aus England.
Wir ankerten in der Mitte des Creeks, rechts und links von uns lagen Häuser mit gepflegten Rasen und Stegen. Jedes mit einer Stars and Stripes Fahne davor. Alle aber ohne Strand? Verwunderung und eine Ahnung kam bei uns hoch. Das Thermometer war inzwischen durch ein stationäres Hoch auf 36° geklettert, es blies kein Windhauch und wir zerronnen, wie Eis in der Sonne. Alle Ventilatoren an Bord halfen nicht, die Hitze zu vertreiben. Hier in den Seitenarmen ist das Wasser sehr warm und trüb und wir wurden von Einheimischen gewarnt, schwimmen zu gehen. Böse Quallen mit langen Tentakeln wohnen hier und können einen ganz schön verbrennen, sagten sie. Aus diesem Grund fuhren wir drei Schiffscrews die 15 Minuten Strecke mit unseren Beibooten nach Yorktown hinüber, um dort im kühlen, lokalen Museum den Tag zu verbringen. Yorktown ist ein 100 Häuser Ort, sehr gepflegt und für Amerikaner eine Art Mekka. Hier kämpften 1781 Amerikaner und Franzosen gegen die Besatzungstruppen der Engländer. Mit Erfolg und durch diesen Krieg erlangte die USA ihre Freiheit. Das Museum war angenehm gekühlt und die kurze Geschichte dieses Krieges war auf unzähligen Tafeln und Ausstellungstücken auf mehrere Räume ausgedehnt, als würde das Mittelalter in Europa beschrieben. Nette Gschicht, aber so viel haben die USA halt in ihrer kurzen Vergangenheit nicht erlebt.
Abends luden wir an Bord zum Fleischlaberlessen, das Andrea hervorragend vorbereitet hatte.
Für die nächsten zwei Tage mieteten wir uns ein Auto. Bis zur Mietstation brachte uns ein Uber und wir waren selig, im kühlen Auto die Gegend erkunden zu können. Wir besuchten den 30 Minuten entfernten Boatyard in Deltaville, wo wir in weniger als zwei Wochen SYMI in die Sommer/Winterpause stellen werden. Das Gelände ist klein, mitten in einem Wald und könnte auch in Weitra im Waldvierel sein. Unser Termin war fixiert und der nächste und finale Schritt somit auch. Zurück ging es durch Wiesen und Maisfelder, endlos groß. Aber, wir wollten noch nicht in den Backofen SYMI zurück, sondern fuhren zu einem Kino. Wir genossen „Mission Impossible 2“ in Liegesitzen mit Popcorn. Civilization here we come. Am zweiten Tag begleiteten uns Sigrid und Thomas im Auto und es wurde eingekauft und auch noch die Stadt Williamsburg besucht.
Samstag fand in Yorktown der kleine Farmers Market statt, den wir nicht versäumen wollten. Frische Pfirsiche und Brot sind immer gut.
Der Vorteil unseres Ankerplatzes ist die Nähe zum hiesigen Yachtclub, der ein gutes Restaurant besitzt und an dessen Steg wir gratis Süßwasser tanken können. Heute ist Dienstag, der 1.7.25 und es ist ein Wetterumschwung im Gange. Es wird labil und somit gewittrig und vielleicht dann auch nur etwas kühler. Unser Plan ist nun noch eine Woche hier zu bleiben, Reinigungs und Pflegearbeiten auf SYMI zu erledigen und dann die letzten 45 km bis zum Boatyard hinauf zu fahren. Dort wird am Montag, den 14.7. gekrant, wir haben ein kleines Zimmer für 5 Nächte in der Nähe des Yards gebucht und am 21.7. sollte uns die AUA mit unserem Freund und Flugkapitän Thomas K. nach Wien bringen. Wir hoffen, daß alles klappen wird und freuen uns nach beinahe 9 Monaten sehr auf zu Hause und alle Menschen, die uns gefehlt haben.
Wir wünschen Euch kühlen Kopf in der Hitze in Europa und trinkt genug Wasser bitte!