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Ahoi und einen schönen Tag wünsche ich Euch aus Cape Canaveral. USA.

Nach dem Landausflug für Zoll und Einklarierung im Regen, kehrten wir zu Symi an Bord zurück und mussten eine weitere Nacht bei teilweise wirklich extremen Regengüssen, zum Glück ohne Gewitter, in Westpalm Beach im Hafen verbringen. Hafen ist nicht ganz die richtige Beschreibung. Besser wäre: ein breiter Kanal. Florida ist an seiner Ostküste mit fast durchgehenden 0,5 bis 3 km breiten Inseln vom Atlantik abgeschirmt. Diese sind zum Beispiel bei Miami künstlich angelegt, weiter nördlich schmäler, aber natürlich. Zwischen dem Festland und den Inseln läuft der Intracoastal Waterway (ICW) dessen Struktur ich dir hier erklären will.

Die Idee eines durchgehenden Wasserwegs entlang der Ostküste entstand bereits im frühen 19. Jahrhundert, um eine sichere und effiziente Transportroute von Nord nach Süd zu schaffen. Er ist eine rund 4.800 Kilometer lange geschützte Wasserstraße entlang der Atlantik- und Golfküste der USA. In Florida spielt er eine bedeutende Rolle für die Binnenschifffahrt, den Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung der Küstenregionen. Der Ausbau des ICW begann 1880 mit der Gründung der Florida Coast Line Canal & Transportation Company. Diese private Gesellschaft baute bis 1912 ein 500 Kilometer langes Kanalsystems von Jacksonville bis Miami.
Ab 1929 übernahm der US-Kongress die Kontrolle über den Wasserweg und übertrug die Verantwortung für den Ausbau und die Wartung an das U.S. Army Corps of Engineers. Ab dem Zweiten Weltkrieg hatte der ICW strategische Hintergründe.
Die Bedrohung durch deutsche U-Boote entlang der Atlantikküste machte eine sichere, küstennahe Transportroute für militärische und kommerzielle Schiffe erforderlich. Der ICW ermöglichte es, Güter und Truppen effizient und geschützt entlang der Küste zu bewegen. Heute dient der ICW sowohl kommerziellen als auch Freizeitaktivitäten. Er verbindet wichtige Städte wie Jacksonville, Miami und Fort Lauderdale und bietet eine sichere Route für Boote und Yachten ohne auf dem Atlantik zu segeln. Der ICW Wasserweg ist Teil einer “Great Loop” genannten Schiffsroute, bei der man mit einer Motor- oder Segelyacht (wegen der vielen Brücken ohne Mast) von Miami nach New York, durch die großen Seen bei Ottawa in Kanada vorbei in den Mississippi nach Süden in den Golf von Mexiko und schließlich durch einen weiteren Kanal von der Westküste Floridas bis Miami zurück kommt. Für Interessierte hier der Link zur Tour ICW.
Wir müssen heuer „nur“ bis Washington DC kommen.
Mir war es während unserer Reise in der Karibik und Bahamas gar nicht bewusst, wie sehr sich in einem halben Jahr durchgehend auf dem Boot und auf See unterwegs die eigene Wahrnehmung schärft und man sich an Ruhe und Abgeschiedenheit gewöhnt hat, ja sie auch, wenn es mal eng und laut wird am Ankerplatz, herbeisehnt. Das Ohr nimmt Lärm lauter wahr, die Nase registriert jede kleinste Auspufffahne eines Mopeds, das an Land vorbeifährt, wesentlich intensiver und unsere Augen waren mehr oder weniger auf die Farbe Türkis eingestellt. Das Türkis oder Türkisgrün beruhigend wirkt konnte ich jahrelang in diversen OP-Sälen miterleben. Aber das Türkis des Meeres ist mir um vieles lieber.
Bis auf den Motorenlärm anderer Boote und die eventuell vom lokalen Restaurant herüber wehenden Küchengerüche waren unsere Sinne offen und frei. Die beliebten Wochenend-Karaoke-Nächte nimmt man genauso hin wie den manchmal lärmenden Nachbarn, der zum Sonnenuntergang seine Boots Stereoanlage ausreizt.
Was passierte nun mit mir, als wir in West Palm Beach ankerten: in meinem Bett liegend, nahm ich beim Einschlafen wahr, das ein auffälliges Brummen um mich war. Eine Art Lärmglocke, die man örtlich nicht festlegen konnte. Es war ein Gemisch aus Autos, Industrie, Hafen, Geräusche von Schleppern und Kreuzfahrtschiffen, von entfernt passierenden Zügen und nicht zu vergessen, den zahlreichen Kleinflugzeugen, die hier in Florida herumfliegen wie zu Hause die Tauben.
Man spürt, hört, riecht, daß die Stadt, die einen umgibt, lebt und pulsiert. Auch die Lichtverschmutzung fällt sofort auf. Es wird in diesem Hafenteil nie ganz dunkel und Sterne schauen ist somit vorbei.
Dieses Pulsieren und Brummen waren etwas, dass ich in den letzten Monaten völlig vergessen hatte. Bei der Erledigung der Zollpapiere und dem damit verbundenen Spaziergang an Land, vorbei am Terminal des Kreuzfahrt Unternehmens MSC, das in der Größe einem Flughafen Graz alle Ehre macht, komme ich mir in der Hektik des Hafenbetriebs irgendwie fremd oder wie am falschen Ort vor. Es kam mir wirklich die Frage in den Sinn, wie denn eine so große Stadt mit ihren vielen Einwohnern und Einrichtungen überhaupt funktionieren kann.
Ich war schon an die ruhige, kleine Welt gewöhnt. Hatte ich wirklich vergessen, dass es selbstverständlich ist, dass alle Menschen ihrer Arbeit nachgehen und jede Stadt und jedes Unternehmen seine Ordnung hat nach Protokollen, die tagtäglich aufs Neue ablaufen. Ich war nicht auf dem Mond und auch nicht in der Südsee, aber ich war weit genug weg von Trubel und Hektik der großen Städte. Dies war jetzt vorbei, das war uns von Anfang an bei der Planung der USA Reise bewusst. Am nächsten Morgen weckte uns Sonnenschein und beim Rundgang um das Bootsdeck, bemerkte ich den nächsten Beweis für die Rückkehr in die Zivilisation. Mit dem starken Regen haben sich offensichtlich Metallpartikel auf dem Boot niedergelassen und die gesamte weiße Decksoberfläche mit braunen Spuren bedeckt. Zuerst dachte ich noch, ich wische es mit dem feuchten Finger weg, musste aber dann mit schwereren Gerät anrücken, einem französischen Spezial Entroster (natürlich biologisch abbaubar). Andrea und ich verbrachten mindestens 4 Stunden, ausgestattet mit je einem kleinen Borstenpinsel, um die sicherlich 200 Roststellen einzeln zu betupfen und nachträglich mit klarem Süßwasser. abzuspülen. Anders war dem Rost nicht beizukommen und wenn man ihn nicht entfernt, würde er ewig auf dem Deck sitzen und sich einbrennen. Woher diese Eisenmoleküle kamen, werden wir nie erfahren.

West Palm Beach

Schleunigst verließen wir mit SYMI diesen lauten Hafen und segelten an der Außenseite der Küste bis zur nächsten Einfahrt nordwärts. Durch einen Kanal ging’s zu einem verschlafenen typisch amerikanischen Nest namens Manatee Pocket. Leider war dies nur der Name „Seekuh Nest“. Wir bekamen an unserer Boje leider keines dieser so tollpatschig wirkenden lieben Tiere zu Gesicht. Wir hoffen aber weiterhin auf eine Begegnung.
Da unsere Vorräte bereits zur Neige gingen, besuchten wir einen Supermarkt. Auch hier findet man das ewige amerikanische Motto. Alles ist XXL. Die Auswahl und Markenvielfalt überwältigte uns wiedermal. Obst, Gemüse, Käse und Wurst Serials und Milchsorten in 3,5 Liter Plastikflaschen. Low, 1%, 2%, high fat or no fat. Nach den Minimärkten der Exumas waren wir begeistert von dieser XXL Auswahl. Cheese Balls kauften wir keine!

XXL Cheese Balls

Von dieser Marina ging es dann ganz gemütlich mit 5-6 kn den ICW weiter nach Norden. Mehr als acht Stunden und somit ca. 40 sm kann man pro Tag nicht schaffen und außerdem gibt es fast die ganze Zeit Grundstücke und Häuser zu bestaunen, die rechts und links, wie teure Villen an Wörthersees Ufern liegen.
Dazwischen passierten wir sicher ein halbes Dutzend fest gebaute hohe Autobahnbrücken. Sowohl auf der Seekarte als auch vor der Brücke ist die Durchfahrtshöhe beschrieben. Es sind alle 65 Fuß hoch. SYMI’s Mast hat mit Antenne eine Höhe von 59 Fuß.
Daher hatten wir bei der ersten Durchfahrt etwas Bammel, als das aber hinter uns lag, schauten wir bei den weiteren Brücken nicht mal mehr hinauf zum Masttop.

Delfine und Schildkröten schwimmen dazwischen und auf den Fahrkanal Betonnungszeichen sitzen Fregattvögel, Seeadler oder Pelikane.

SYMI am See unterwegs

Der ICW ist manchmal abwechslungsreich, manchmal etwas langweilig. Zu einem langweiligen Teilstück gehört jener Teil, der von seiner Größe durchaus dem Neusiedlersee entsprechen könnte. Tiefe rundherum nur 70cm, in der eher schmalen Fahrrinne aber 2m tief.
Wir passierten dann die Orte Vero Beach und Palm Beach und nahmen uns schließlich genau gegenüber der großen Montagehalle von Cape Canaveral eine Mooringboje. Titusville heißt der Ort.

Unser Plan ist für fünf Tage einen Mietwagen zu nehmen, das Boot an der Boje zu lassen und Richtung Orlando zu fahren. Die Themenparks warten…
Pass gut auf auf Dich und bis demnächst
Pauli von Bord SYMI (größere Fotos findest Du hier)

Reading time: 7 min

Ahoi und Willkommen zu einem kurzen Update von uns.
Ich möchte es gerne einmal sagen:
Ein herzliches Dankeschön an unsere treue Leserschaft unserer Blogs.

Nachdem wir unsere lieben Freunde in Nassau abgesetzt hatten, verließen wir diesen unwirtlich Ort sehr rasch und segelten eine große Strecke bis in die östlichen Abaco Inseln. Die Abacos bilden einen Bogen und die nordöstliche Begrenzung der Bahamas. Da sie häufig von Hurrikans heim gesucht wurden, ist die Infrastruktur dort nicht aufregend. Es gibt einige wenige Orte, wie zum Beispiel Hope Town, an denen Amerikaner ihre Häuschen gebaut haben und Hotelanlagen liegen. Der Großteil der Inseln ist wenig bis gar nicht bewohnt.
Hope Town ist außerdem für den angeblich weltweit letzten mit Kerosin betriebenen aktiven Leuchturm bekannt. Ein sympathischer Ort, wie aus dem amerikanischen Bilderbuch.

In Fox Town, wo sich wirklich Möwe und Fisch gute Nacht sagen, landeten wir mit dem Dinghy am Steg an und gingen zum einzigen Restaurant vor Ort für ein akzeptables Frühdinner. Abgesehen von der freundlichen Besitzerin und einigen Barbesuchern lehnte auf der Terrasse ein völlig verwahrloster Einheimischer, der wie ein Zombie ins Leere starrte. Crystal Meth ist in diesem Ort scheinbar sehr beliebt. Auf den Straßen irrten noch weitere Gestalten herum, sodaß wir schließlich feststellten, dass man in Fox Town nachts besser nicht unterwegs sein sollte.

Das Essen war gut und am nächsten Tag überquerten wir die Bahama Bank zu der einsamen Insel „Sales Cay“, ankerten dort noch eine Nacht und fuhren schließlich am Samstag über die Grand Bahama Bank bis West End. Der Name sagt alles. Es ist die nordwestlichste Siedlung auf der Insel Great Bahama.

Außer einer Marina und einigen Häusern und der für uns wichtigen Ausreisebehörde gibt es dort nichts. Obwohl nichts, stimmt gar nicht. Da wir in der elektronischen Seekarte den Eintrag einer „Marina Ruine“ fanden, interessierte uns was wohl hinter diesem Ausdruck stecken mag. Wir googelten, dass Anfang der Zweitausender Jahre ein amerikanisches Investoren Konsortium hier ein 4,9 Milliarden Dollar Projekt für eine Hotelanlage der Superlative geplant hatte. Es sollte neben zwei 18-Loch Golfplätzen, ein Hotel in der Größe des Schlosses Versailles bieten, weiters Restaurants, Kino, Shopping Malls, Marinas und anderes.

Die Vorarbeiten begannen, aber nach nur wenigen Jahren, in denen lediglich die Wasserkanäle und der Airport vorbereitet waren, mussten die Investoren wegen Zahlungsunfähigkeit und Schulden das Gesamtprojekt abbrechen. Das Stück Land ging an die Regierung zurück. Die Homepage und Beschreibung dieses megalomanen Projekts steht wirklich als Symbol für den scheinbar grenzenlosen Bauwahn dieser Welt. Ein kurzer Klick auf den Link zahlt sich aus. Man traut seinen Augen nicht, was Planung war und was wir als Realität der Umsetzung sahen.
Da der Wellengang und der Wind an der Küste recht stark waren und die Marina 170 $ für eine Nacht verrechnen würde, entschlossen wir uns in die Ruine hinein zu fahren. Die Einfahrt und der Kanal waren 5 Meter tief, die Wände an der Seite betoniert und mit Steinen belegt. Unglaublich teuer ausgeführte Arbeiten dachten wir, die teilweise schon wieder von der Natur zurück erobert wurde. Symi verankerten wir an einer breiteren Stelle im Kanal und nach dem Abstellen der Motoren hörten wir nur ein paar Vögel zwitschern. Die Wellen im Inneren waren kaum spürbar und es herrschte eine Ruhe, wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt hatten.

Dieser Zustand der Ruhe währte nur kurz, da wir zu Fuß bis 17:00 Uhr die circa 4 km entfernten Marina mit dem Büro der Zollbehörde erreichen mussten. Also rein ins Beiboot und in einem Seitenkanal möglichst nahe an den Flughafen heranfahren, das Boot an einem Stein fest gemacht und dann ging’s zu Fuß weiter. Hinein in ein seltsam verlorenes Projektgebiet. Eine wie in Stronachs „Fontana“ ausgebaute Straße mit fertiger und bereits kaputter Straßenbeleuchtung und Hydranten entlang. Die Bauplätze für die vorgesehenen Villen waren bereits planiert und die Strom und Wasseranschlüsse verrosteten alle 50 m vor sich hin. Beim Durchqueren dieser Anlage hatten wir das Gefühl, in einer Dokumentation über die Erde nach einem Atomkrieg zu sein. Völlig menschenleere Gegend, der Wind rauschte in den Nadelbäumen, die sich die Fusswege teilweise zurückerobert haben. Abgefallene Nadeln knirschen unter meinen Schuhen. Keiner kehrt hier mehr den Boden. Etwas später passierten wir ein altes Schild, dass zwei Golf Pros zeigte und den Eingang dieser Anlage schmücken sollte, aber zu einem traurigen Anblick verkam. Wie rasch sich alles ändern kann.

Auf dem dort eigens errichteten Flughafen parkten zwei kleine Maschinen, Menschen waren keine zu sehen.
Als wir der Marina näher kamen, passierten wir ein paar bewohnte Ferienhäuser, die aber scheinbar zum Marina Komplex gehörten. Sowohl Marina als auch die Häuser in der Umgebung boten einen eher tristen Anblick.
Das Ausklarieren war rasch erledigt und wir sparzierten die 3,6 Kilometer durch dieses unheimliche Gebiet wieder zurück und fuhren mit dem Beiboot durch den Kanal zu Symi zurück.
Wir haben nun die Bahmas hinter uns gelassen. Mehr als zwei herrliche Monate durften wir dort verbringen. Rund 1500 km kreuzten wir im Türkis umher und es war wirklich exzeptionell schön, sodass uns der Abschied nicht leicht fällt.
Wir wollten auf keinen Fall in der Ghost Town Marina mehrere Tage wegen schlechten Wetters hängen bleiben und da wir unseren Reisezeitplan, der sich nach dem Beginn der Hurrikan Saison, aber auch nach unserer Segelpause im Juli mit Heimatbesuch richtet, einhalten wollen, beschlossen wir am Muttertag-Sonntag, trotz prognostizierter 20-26 Kn Wind aus Südost, die Überfahrt nach Florida zu starten. Ein zweites Reff im Großsegel und schon gings in Richtung Golfstrom und West Palm Beach dahin.

Was ist der Golfstrom, magst du jetzt sagen.
Der Golfstrom ist eine starke, derzeit 29 Grad warme Meeresströmung im Westatlantik, die warmes Wasser aus der Karibik entlang Mexiko, der Ostküste Nordamerikas nordostwärts bis nach Europa transportiert. Er ist für das relativ warme Wetter in Europa (ohne ihn wäre es in Europa wesentlich kühler) verantwortlich. Der Strom schiebt sich wie ein riesiges Band, bis zu 200 km breit und mit einer Geschwindikeit bis zu 6 km/h nach Norden und später an Grönland vorbei Richtung Ost.
Beim Überqueren mit dem Boot bei viel Wind aus Nord bilden sich große gefährliche Wellen (Strömung gegen Wind), die eine Überfahrt sehr riskant machen können. Wir fuhren gestern bei 20 Knoten Südostwind los. Das ist eine gute Windrichtung. Beim Navigieren muss man darauf achten, daß durch den starken nördlich treibenden Strom, ein Zielpunkt nie direkt angefahren werden kann. Der Strom würde deinen Ankunftsort um gute 10km nach Norden versetzen. Um also unser Ziel – Palm Beach – nicht zu verfehlen, mußte ich den Kurs um gute 30° vorhalten und SYMI’s Bug in Richtung Boca Raton ausrichten. Mit dem AIS (grüne Bootssymbole von Fahrzeugen in der Umgebung) sah ich auch seltsame Gefährte. Ich bin schon nahe der USA, dachte ich (roter Kreis).

Obwohl es flott dahin ging fühlten sich die Wellen und das Wasser auf dem wir segelten anders und sehr unruhig an. Ich möchte mir, dachte ich, hier niemals bei Nordwind segeln. Nach acht Stunden steuerte ich in den breiten Einfahrtskanal von West Palm Beach hinein. Wir ankerten mitten im Flussbecken des riesigen Hafens. Starke Tidenströmungen und viel Wind ließen SYMI am Anker ziemlich zappeln. Aber alles war gut gelaufen. Ich mußte nun per US-App der Homeland Security die digitale Anmeldung vornehmen. Zum Glück hatte ich alle Boots- und Personedaten bereits vor Monaten in den US-Virgins eingegeben und nach ein paar Minuten erhielten wir per SMS die Nachricht, daß wir registriert waren, aber Montag beim CPB Officer des Einwanderungsbüros des Hafens vorsprechen müßten und Fingerabdrücke abgeben sollten. Ein normales Verfahren. Dann fielen wir recht müde ins Bett.
Heute morgen regnete es und wir setzten mit dem Dinghy zum Hafenamt über und durch einen freundlichen Zollbeamten erhielten wir nach zehn MInuten unsere Cruising-Lizenz für SYMI für ein Jahr in amerikanischen Gewässern und mit den Worten: „Welcome to the US, guys“ verabschiedete sich der Beamte. 36.- Dollar Fee war zu berappen. Bürokratie kostet eben.


Wie es mit SYMI und uns im Intracoastal Waterway weitergeht, was der ICW überhaupt ist und welche Pläne wir bis zum Saisonende Mitte Juli haben. Bleib bitte dran, ich werde berichten.

Mach’s gut und Ahoi von Bord SYMI
Pauli und Andrea

Reading time: 7 min

Herzlich willkommen zu einem neuen Blog von SailingSymi.com.

Wir holten Katharina und Georg pünktlich am Ostersonntag am vereinbarten Treffpunkt in George Town ab und trotz des frischen Windes und hoher Wellen im Hafen konnten wir sie mit dem Beiboot halbwegs trocken an Bord von SYMI bringen.
Es ist jedes Mal ein Vergnügen, nette Menschen aus der Heimat an Bord zu haben, Nachrichten zu hören und nach Wochen der Zweisamkeit wieder einmal gemütlich zu viert, bei einem Glas Wein sitzend, zu tratschen und nicht zu vergessen, die mitgebrachten Ersatzteile oder wunderbare Geschenke, wie Schokoriegel oder Kaffekapseln aus der Heimat entgegen zu nehmen.
Da wir noch zwei Tage das schlechte Wetter abwarten mussten wanderten wir am Atlantikstrand und planten dabei Routendetails. Wir beschlossen, die Segeltour one way zu fahren, also anstatt nach der Halbzeit wieder nach George Town zurückkehren zu müssen, Nassau als Zielpunkt zu wählen. Dies bedeutete nicht nur wesentlich entspannteres Segeln, sondern auch gemeinsam Neues entdecken zu können. Delta Airways waren da sehr kulant. Mit nur 17.- $ Gebühr pro Person war alles erledigt.
Zum Ankern legten wir uns am letzten Tag in George Town direkt neben das Schiff unserer österreichischen Freunde, die „Stravanza“. Leider hatten wir nur einmal die Gelegenheit auf ein Plauscherl bei Kaffee. Seit ungefähr drei Monaten versuchten wir mit Ingrid und Robert irgendwo unsere Wege kreuzen zu lassen. Diesmal glückte es, wenn auch nur für kurz. Sie werden nach Kanada weiter segeln.

Wir kreuzten am nächsten Tag hinaus auf den Atlantik, an der Ostseite der Inselkette entlang, bis nach Lee Stocking Island, wo wir durch einen Pass in den westlichen, türkisfarbigen Teil der Exumas hineinsegeln konnten.
Ab nun standen ruhige Nächte mit täglich neuen Abenteuern auf dem Gästeprogramm.
Erster Halt war ein Besuch der Iguanas (Echsen), die auf einer kleinen Insel leben und, so nehme ich an, durch die täglichen Touristenbesuche gefüttert und gezähmt wurden. Gleich nach der Anlandung am Strand mit unserem Dinghy watschelten ein halbes Dutzend auf uns zu. Andrea hatte alte Äpfel in kleine Stücke zerteilt und mitgebracht und warf die Würfel nun in den Sand. Direkt vor die hungrigen Iguana Mäuler. Es schmeckte ihnen sehr. Bald rauschte das nächste Motorboot mit Touristen heran und übernahm nun unsere Aufgabe.

Wir hoben den Anker und fuhren unter Motor in engen Kanälen, die zwischen einzelnen Inseln hindurch führten, entlang. Bei einer dieser Inseln, die der Schweizer Milliardärin Dona Bertarelli gehört, fanden wir eine sehr ruhige und schöne Bucht, ankerten und waren erstaunt, wie rasch ein Begrüßungshai um unser Boot schwamm und alles inspizierte.
Laut Recherche plant die Naturschützerin und Philanthropin
Bertarelli ein klimaneutrales !? (ist da irgendwo ein Widerspruch) Ferienresort. Mit Hotel, Bungalows, Shopping und Kino mitten in den Exumas. In einem YouTube habe ich Bertarelli noch über die Wichtigkeit von klimaneutralem Denken sprechen gehört. Ihre Baustellen sind an jeder Ecke der Insel zu sehen und wir waren uns beim Abendessen einig, dass wir mit solchen Zukunftsprojekte, die Bahamas in dieser Form wahrscheinlich nie wieder sehen werden. Verzeiht mir hie und da die negativen Bemerkungen, aber jedes Paradies hat halt durchaus seine Schattenseiten über die ich auch berichten muss.
Der nächste Tag war reinstes Segelvergnügen. Bei einer Wassertiefe von 2,5 m, glitten wir ohne Wellen mit 8-9 Knoten Speed über die helltürkis Wasserfläche. Unseren Gästen stand der Mund offen. Diese Farbenpracht, lauwarmer Wind und das sanfte Gleiten mit unserer schönen Symi war ein ganz besonderer Moment. Wenn Segeln immer so schön wäre … ich würde nicht mehr Heim kommen.

Der nächste Ankerplatz war Cumberland Cay im Exuma National Park, an dem wir schon zehn Tage zuvor einmal waren. Ein Landausflug zum Beine vertreten, ein nur kurzes Badevergügen wegen Haibesuchs und ein herrliches Essen am Bord rundete diesen Tag ab.

Am nächsten Morgen herrschten abermals optimale Windverhältnisse und es ging wie auf Schienen gleitend unter Segeln nach Norden. Auf der Insel Shroud Cay lag die nächste Touristen Attraktion. Ein Flusssystem, dass bei Flut eine Verbindung zwischen dem Atlantik und dem westlichen Teil der Insel schafft. Wir warteten, bis die Tide ihren Halb Stand hatte, und fuhren dann mit etwas hochgeklapptem Außenbordmotor mit dem Beiboot Fluss aufwärts Richtung Atlantik. An einigen Stellen stiegen wir aus und mussten das Boot über die Sandbänke ziehen. Vom Boot aus beobachteten wir Schildkröten und Rochen, die unter uns hindurch schwammen, kleine Zitronenhaie jagten in diesem Fluss und zeigten keine Scheu. Eingerahmt war der Fluss an beiden Seiten von Mangroven, in denen sich Vögel eingenistet hatten.
Nach circa 1 Stunde konnte man das Rauschen des atlantischen Ozeans hören. Wir waren an der Ostküste der Insel angekommen. Durch einen gut 10 Meter breiten Felseinlass strömte die Flut des Atlantiks in den Inselfluss hinein. Dieser Ort wird auch wegen seiner starken Strömung und Strudel als “the Washing Machine“ bezeichnet. Die beiden Damen waren mutig und schwammen vom Strand zunächst ein Stück in den Atlantik und ließen sich dann durch die starke Strömung in das Innere der Insel hinein driften. Ein kurzweiliges Vergnügen. Mit dem Beiboot war es dann einfach mit der steigenden Flut, fast ohne Motor, durch den Fluss bis an die Westküste zurück zu gelangen.

Unser nächstes Tagesziel war die Insel Norman‘s Cay, die eine besonders spannende Geschichte hat. Wir ankerten mit Symi an einer flussartigen Einfahrt und fuhren mit dem Beiboot zu dem auf der Seekarte bezeichneten Ort „Airplane“.
Richtig gelesen, ein Flugzeug, dass hier in circa 3 m Tiefe auf einer Sandbank liegt.
Die Geschichte von Normans Cay ist folgende:
1976 kaufte ein kolumbianischer Drogenbaron namens Carlos Lehder die Hälfte dieser Insel um eine halbe Million Dollar von der Republik Bahamas. Er war der Sohn eines geflüchteten deutschen Nazis und einer kolumbianischen Mutter und wuchs in Kolumbien auf. Auf der Insel blieb kein Stein auf dem anderen. Die vorhandene Landebahn wurde verlängert, seine Wachen machten Schießübungen auf Häuser, in denen die verbliebenen Einwohner dieser Insel wohnten. Schossen aber auch auf die häufig vorkommenden Ammenhaie und Seevögel. Bald waren auf diese Weise alle für Lehder störenden Menschen vertrieben, so dass er schließlich 1977 einen Umschlagplatz für das Kokain des Medellin-Kartells errichten konnte. Sein Ziel war es, Florida mit südamerikanischen Drogen zu versorgen. Er war einer der engsten Vertrauten von Pablo Escobar. Er ließ Flugzeuge mit Grasnarben und Getreide beladen aus Amerika einfliegen, lud dann stattdessen Kokain aus kolumbianischen Schiffen in einem extra dafür angelegten kleinen Hafen in die Flugzeuge um und ließ diese nach Florida fliegen. Das ging einige Jahre gut. Aber die DEA war ihm auf der Spur. 1979 wollte einer seiner Piloten mit Lehders zwei motorigen Flugzeug, dass wieder mit Grasnarben beladen war, ein Landemanöver für die maximale Kokainbeladungsmenge simulieren und brach bei dem als „Touch and Go“ bezeichnet Manöver das Fahrwerk. Danach flog er eine Runde über die Lagune und setzte das Flugzeug sanft auf das Wasser wo es versank. Carlos Lehder sah dabei zu und sagte angeblich zu einem seiner Männer, „besorgt ein Neues“.
Der Pilot überlebte. Zumindest die Bruchlandung, mehr weiß man nicht über ihn. Lange gingen die Geschäfte nicht gut, die amerikanische DEA verhaftete Lehder 1987 und er wurde zu lebenslanger Haft im Hochsicherheitstrakt in den USA verurteilt. 2020 wurde Leder nach 33 Jahren wegen seiner Mitarbeit und Auskunftsfreundlichkeit über Manuel Noriega und verschiedene Drogenbosse des Medellin Kartells entlassen und ließ sich nach Deutschland, ins Land seines Vaters, abschieben. Von dort hatte er noch einen gültigen Reisepass und die USA war froh ihn los zu sein.
Im Jänner 2025 flog er aus unerfindlichen Gründen mit 78 Jahren nach Kolumbien und wurde dort bereits von der Polizei am Flughafen erwartet. Auch in Kolumbien hatte er noch ein paar 100 Jahre Gefängnisstrafe offen.
Das Flugzeug rostet noch immer an der selben Stelle vor sich hin und ist eine beliebte Touristenattraktion. Das Schwimmen über der abgestürzten Maschine ist spannend, man sieht die voll ausgefahrenen Klappen an den Flügeln, das Dach ist schon weg gerostet und viele Fische bewohnen jetzt das Wrack.

Lehders Maschine

Die ehemalige Zentrale des Drogenbosses inklusive Hafen wurden in ein wunderschönes Hotel und Restaurant umgebaut, in welches wir am Abend von unseren lieben Gästen zum Essen eingeladen waren. Ein unvergesslicher Abend.

Time flies when your having fun. Die Zeit verging viel zu schnell.
Für den nächsten Tag hatten wir uns mit unseren treuen Freunden der ‚Vitila‘ Doris & Uwe verabredet. Sie kamen zum Abendessen auf SYMI und wir hatten alle sechs einen gemütlichen Abend mit herrlichem Essen aus Andreas Küche. Dann hieß es Abschied nehmen. Die Vitilas fahren über den Sommer auf die ABC Inseln und nächstes Jahr durch den Panama Kanal in die Südsee. Wann und wo wir einander wiedersehen steht in den Sternen. Machts gut ihr beiden….
Am 30.4.25 segelten wir sehr flott 60 km nach Nassau und ließen den Anker in jener Bucht im Norden fallen, in der bis zu sechs Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen. Auch das Container-Terminal befindet sich dort. Gemütlich ist anders, aber da wir einen günstigen Punkt zum Landen mit dem Schlauchboot und anschließendem Taxi für Katharina und Georg gesucht hatten, war diese Empfehlung sehr praktisch. Heute, am Donnerstag, brachten wir die Beiden trockenen Fußes an Land, begleiteten sie noch mit dem Taxi bis zum Flughafen und begaben uns danach in die „Superwash“ Wäscherei um vier Maschinen Wäsche zu waschen. Auf SYMI zurück holten wir gleich den Anker auf und verlegten uns auf einen einsamen Ankerplatz eine Seemeile außerhalb von Nassau. Hier ist es ruhig und dunkel und nur das Plätschern der Wellen am Rumpf ist zu hören.

Wenn Du diesen Blog liest, sind wir wahrscheinlich schon unterwegs, um die südlichen Abacos zu erreichen. In der Landkarte unten siehst Du unsere grün absolvierte Strecke und die ungefähr 260 sm, die wir bis West Palm Beach noch bis Mitte/Ende Mai vor uns haben.

Pass gut auf Dich auf,
Beste Grüße von Bord wie immer
Der Captain

Reading time: 8 min
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