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Seit Jahren hörte ich im Text eines Liedes einer meiner Lieblingssänger über eine Autofahrt im Winter von NewYork nach Savannah. Dort war es warm und schön, in NYC war Winter. Werde ich Savannah irgenwann wirklich besuchen und nachsehen, ob es ein netter Ort ist? Mit dem Boot war es möglich.
Hier übrigens hier ist der Spotify-Link zu dem sehr netten Song „Under the Sun“

Die Pier von Savannah ist schmutzig, es strömt der gleichnamige Fluss wie ein Wildbach mit gut 5 km/h einmal hin und nach sechs Stunden retour.
Savannah besitzt einen der größten Containerschiffs Häfen der USA.

Dies wurde uns schon bei der Anfahrt zur Stadt bewusst, als uns ein chinesisches rosafarbenes Containerschiff der Reederei „ONE“ überholte. Auch an unserem Anlegeplatz war kaum Ruhe zu finden. Weitere Containerriesen, eskortiert von Hafenschleppern vorne, seitlich und hinten, bewegten sich von ihrem Umschlaghafen in Richtung Meer direkt an SYMI vorbei. Somit war die Nacht nicht besonders ruhig für uns.

Am nächsten Tag schaute die Sonne aus den Wolken hervor und wir beschlossen, SYMI alleine ihren Stress am Fluß verarbeiten zu lassen und eine kleine Stadttour zu unternehmen. Savanna bietet Touristen und Einheimischen gratis Autobusse, die als zwei Linien durch die Stadt fahren. Wir stiegen beim größten Park der Stadt aus und spazierten durch die breiten, wunderbar angelegten Straßen. Großzügige, teure Häuser in englischem Stil säumen die Straßen. Die Straßenverläufe werden immer wieder durch kleine Parks mit alten hohen Bäumen unterbrochen. Wie in England bilden die Häuser hier die Umrandung, den Square.

Savannah ist eine schöne und sichere Stadt, stellen wir fest.
Am Fluss wurden alte Lagerhallen vor Jahren zu einem Shopping-Hotel-Freizeit Areal ausgebaut. Dort genossen wir ein Bier und ließen uns in einem typischen Restaurant etwas verwöhnen.
Zwei Nächte an der Mole ist das Maximum, mehr ist nicht erlaubt und darum verließen wir im Morgengrauen diese Stadt und fuhren den Fluss gut 20 km bis zum Meer zurück.
Der Wind war günstig, wir setzten die Segel und erreichten nach guten 11 Stunden die Flußeinfahrt nach Charleston.
Charleston:
Von den Briten gegründet und nach dem damaligen König Charles benannt hat diese Stadt ihren eigenen netten Charme. Meist einstöckige Häuser und sehr saubere Straßen prägen das Bild.

Auf diesen Ort habe ich mich schon länger gefreut, da er das Kind in mir weckte.
Direkt neben unserem Ankerplatz stehen zwei Museumsschiffe der amerikanischen Marine. Der Flugzeugträger „Yorktown“ und die Fregatte „USS Laffey“. Beide Schiffe wurden Ende der Dreißigerjahre gebaut und gegen 1970 ausgemustert. Neben Filmen auf Monitoren ist das Schiffsleben von damals sehr gut nachgestellt und beschrieben. Die USS Laffey war sowohl am D-Day in der Normandie als auch im Pazifikkrieg gegen die Japaner dabei. Der Flugzeugträger hatte Einsätze im WK2 und in den 60er Jahren als Ubootjagd Basisschiff gegen die damalige UdSSR.

Insgesamt verbrachten wir drei Stunden in und auf diesen beiden Kriegsschiffen und waren vom Erlebnis sehr beeindruckt.
Ein Einkaufsbummel am nächsten Tag rundete unseren Besuch von Charleston ab.
Der Intracoastal Kanal rief und wir starteten wieder mit Sonnenaufgang. Das Landschaftsbild hatte sich geändert, große Bäume stehen nun an den Ufern im Wasser und haben besondere, dicke Wurzeln ausgebildet. Man sieht keine Delfine mehr, Seeadler kreisen mit Gekreisch über den Nestern, in denen die hungrigen Jungen sitzen. Vereinzelt gibt es Grundstücke, die bebaut sind, alle 10 km ist ein Steg, an dem ein paar Motorboote hängen und eine Tank Möglichkeit gibt es dort auch.

War der ICW Kanal von Miami nordwärts zuerst fast gerade gebaut und lediglich von Einfamilienhäusern gesäumt, befahren wir nun einen geschlängelten Fluss. Trotz des Tidenkalenders (eine App, die dir für jeden Ort an der Ostküste und für jede Uhrzeit den Wasserstand anzeigen kann) den ich benutze, dreht die Strömung in diesen Gewässern so oft, dass es fast unmöglich ist, zu prognostizieren, wann wir mit und wann gegen eine Strömung fahren. Segelboote sind wenige unterwegs, häufiger sind es kleine Motorboote und kleine Motor Yachten, die sehr diszipliniert über Funk anfragen, wenn sie dich überholen wollen („SYMI this is STARFISH, I am coming up on Port side for a slow pass“) was dann meist auch mit sehr wenig Wellen und freundlichem Winken gut funktioniert.
Das Bootsleben läuft auf den Wasserwegen generell sehr diszipliniert ab. Seid George Town haben wir heute wirklich dichteste Wälder und es fühlt sich wie eine Flussfahrt auf dem Amazonas an. Die Temperatur und Feuchtigkeit würde schon dazu passen.
Da abends Gewitter angesagt waren und wir nach über 40 Seemeilen und neun Stunden Fahrt etwas müde waren, fanden wir in einem seichten Seitenarm des Hauptflusses einen Ankerplatz.
Im ICW gilt ganz allgemein, dass du überall ankern darfst, wo es nicht explizit verboten ist. In unserem Fall war es ein Zufahrtsweg zu einer kleinen Stadt namens Calabash. Nur wenige Meter neben der mit Pfälen beschilderten „Straße“ wackelte es anfangs noch ein wenig, wenn uns Fischer und Ausflugsboote passierten, als der Himmel aber dann schwarz wurde und ein Wolkenbruch auf uns niederging und Ruhe im Bootsverkehr einkehrte, wurde es richtig idyllisch hier. Unser Mantus Anker verschmolz mit dem Schlick und hielt perfekt. Mir ist bei der Wahl des Ankerplatzes wichtig, daß wenig Welle und Strömung an SYMIs Anker herumreißen. An diesem Ort blies zwar Wind, aber es gab durch den Schutz einer kleinen Schilfinsel vor uns keine Windwellen. Und während der Regen auf das Dach prasselte genossen wir ein warmes Abendessen mit einer Flasche Rotwein, den ich noch aus Saint Martin‘s Reserve Kiste entnahm.
Am nächsten Morgen machten wir uns wieder um sieben Uhr auf den Weg. Es ging weiter durch den Kanal, wieder entlang 100 ter Häuser mit 1000den von Motorbootsstegen, unter Brücken durch bis wir die Südost Ecke der großen Bucht erreichten, das Cape Fear. Bei Blitz und Donner und Gegenströmung hatten wir noch gute zwei Stunden bis zu einem sicheren und ruhigen Platz zur Übernachtung. Bevor es dunkel wurde erledigte ich noch ein, zwei Reparaturen am Mast. Das Licht an der Mastspitze hatte offensichtlich einen Wackelkontakt und musste mit Kontaktspray wieder leuchtend gemacht werden. Beim Abstieg von 19 Metern tauschte ich noch die Dampferlicht LED aus. Jetzt funktionierten alle Beleuchtungsvorschriften wieder.
Es dämmerte noch als die Abfahrt zur nächsten Etappe begann. Wir durchquerten auf dem Atlantik die große Onslow Bay. Endlich setzten wir wieder Mal die Segel und mit einem Schnitt von 7,2 Kn. Erreichten wir gegen 18:30 Uhr die wilde, schaukelige Hafeneinfahrt von Beaufort. Auf den Fahrwasser Markierungsbojen sitzen meist Pelikane und schaukeln in den Wellen.

Hier treffen Meeresströmungen auf Flussströme und Wind mischt das ganze so richtig zu einer kabbeligen See auf. Zum Glück gabs noch freie Plätze im Taylor Creek, dem Flusslauf gleich vor der kleinen Stadt mit ihren Holzstegen und typischen Häusern am Kai. Ein ruhiger, netter Platz, stellten wir fest. Auf der Außenseite des Kanals lebten Wildpferde, denen wir beim Grasen zusehen konnten.
Da wir wieder mal Wäsche mit hoher Temperatur waschen wollten, ging’s Tags darauf in die einzige Laundry des Ortes. Andrea füllte begeistert die großen Trommeln und im Nu war alles erledigt. Für 12.-$ einen großen blauen Ikeasack ist nicht so schlimm.
Wir gönnten uns abends einen Thunfisch Salat und Krabben Laibchen, vorausschauend, daß wir in der nächsten Woche auf dem ICW nach Norfolk nicht vielen Restaurants begegnen werden.

Die Wetterprognosen sind für eine Außenfahrt am Atlantik nach Norfolk, um das berühmte Cape Hatteras herum, für die nächsten Tage zu schlecht. Dieses Kap hat es in sich und den Ruf als weltweit einer der größten Schiffsfriedhöfe (auf Grund sturmbedingter, gesunkener Yachten).
Unten siehst Du in rot den bisher von Grand Bahama zurückgelegten Weg. Deltaville ist unser Endziel. Das Foto darunter zeigt unser Jubiläum auf See. Seit dem Verlassen von Porto Heli in Griechenland haben wir mit SYMI 10.000 Seemeilen (18.540 km) zurückgelegt.

Also entschlossen wir uns, die ICW Innenvariante zu fahren.

Heute Freitag morgens um 06:30 Uhr ging’s wieder. Einfahrt in den ICW bei Beaufort. Gesamtlänge ist bis Norfolk 190 sm. Der Weg dorthin wird also vermutlich sechs Tage dauern.
Übernachten werden wir irgendwo am Wegesrand.

Wie immer wünschen wir Dir
Alles Gute 🍀
Gib Acht auf Dich und bis zum nächsten Mal

Reading time: 7 min

Herzlich Willkommen zurück auf unser Blogportal. Ich möchte Dir heute über unsere Abenteuer rund um Orlando berichten.
Symi war sicher an einer Boje der Titusville Marina verankert und ein Mietwagen schnell gemietet. Es sind gut 100 km von der Ostküste bis nach Orlando. 85 Meilen Speed Limit, vier bis sechsspurige Straßen, die sehr intelligent geführt werden. Keine Spur hat hier ein abruptes Ende als Abbiege oder Auffahrtspur. Die Spuren sind so gebaut, dass niemand, wie bei uns, aus Angst auf die Abbiegespur zu geraten, immer auf dem Mittelstreifen fährt. Alle sind diszipliniert und es enstehen weniger Staus. Für Autofanatiker ist es hier das Eldorado: Lastwagen von Peterbuilt und MAC oder SUV in der Größe von Wiens Citybussen brummen sanft an dir vorbei.
In Orlando war ich zuletzt vor 20 Jahren. Es hat sich auch stark verändert. Die kleinen Seen, grossen Wiesen und Sümpfe rund um die Highways sind fast alle verschwunden und zubetoniert worden. Meine Erinnerungen an Orte – Einkaufsmalls – dann wieder Landschaft über Kilometer – Orte – Landschaft usw sind nun zu einem einzigen, großen, belebten Ortsgebiet verschmolzen.

Wir buchten uns in einem Hotel der Universal Gruppe ein, was den Vorteil hatte, dass wir in der Früh mit einem Shuttlebus schon eine Stunde vor der Parkeröffnung eingelassen wurden. Da es von den Universal Hotels acht an der Zahl gibt, waren ein paar hundert andere Gäste natürlich ebenso früh dran wie wir. Das war ja zu erwarten. Am Eingang genügt nicht das Ticket alleine, ein Fingerabdruck muß dazu abgegeben werden. Amerika wie es leibt und lebt. Wir eilten dann sofort ins Land von Harry Potter, da dort tagsüber die längsten Wartezeiten zu erwarten sind.
Ich möchte Dich hier nicht mit Details zu jeder Attraktion langweilen, eines muss aber gesagt werden: unser Besuch der Parks war eine aufregende und perfekte Aneinanderreihung von mystischen, technisch ausgereizten und von der Präsentation her einmaligen Erlebnissen. Zur Sperrstunde waren wir bereits 13 Stunden vor Ort und waren fast 16 km zu Fuß unterwegs. Da freut man sich auf sein Bett.

Hogwarths

Der nächste Tag war ein Ruhetag am Hotelpool, zum Kräftesammeln für den dritten Tag dann in Disneyworld.
Auch das Disney-Imperium ist gewachsen und man bräuchte eine Wochenkarte, um alle Plätze zu besuchen. Dem Cinderella Land haben sich sechs neue Abenteuerplätze dazu gesellt. Wir pickten uns vorher die Rosinen heraus und liefen dann von einer Attraktion zur nächsten. Die Wartezeiten konnten bei den beliebtesten Fahrgeschäften schon mal 80 Minuten sein, aber mittels App alles planbar. Auch hier waren es wunderbare Erlebnisse, allen voran das Thema „Avatar“, daß eine verblüffend realistische Reise in das Land der blauen Wesen bietet.
Allgemein allerdings merkt man den Disney Parks ihre Jahre an. Ich würde deswegen einen ⭐️ abziehen. Disneyworld ist nicht mehr so perfekt, wie Universal Studios.

Universal und die Disney Parks werden im Durchschnitt täglich von jeweils von 55.000 Menschen besucht. Man kann es am Besten als ein Treiben lassen mit den in permanenter Bewegung befindlichen Menschenmassen beschreiben, von einer Attraktion zur nächsten, berieselt durch passende Filmmusik aus versteckten Lautsprechern am Wegesrand und eingehüllt in den Duft frischer Popcorn. Ein einzigartiges Erlenbis, dass ich mir nach dem letzten Besuch 2006 mit meinen Kindern, wirklich nochmals gewünscht hatte. Andrea brauchte an den Tagen davor und auf dem Weg nach Orlando noch Überzeugung. Ihre Skepsis, wie sich wohl die G-Kräfte einer Hochschaubahn auf sie und ihre Innereien auswirken würden, war groß. Kaum aber hatten wir die Erste Fahrt absolviert, war alles wie fortgeblasen. „Machen wir als nächstes …. „, forderte sie danach schon eine weitere, schnellere und höhere Bahn. Ein voller Erfolg und wenn es beiden gefällt, ist es wie beim Sonnenuntergang, zu zweit ist alles schöner.

Da wir auf SYMI in unserem eigenen, fast menschenleeren Universum leben und wir Viren und Bakterien bei uns meist den Zutritt verwehren, haben sich in den Orlando Parks offensichtlich das „Who is Who“ der Krankheitserreger auf Haltegriffen, Türschnallen und Wartezeunen festgeklebt. Mit Infektionsgarantie !
Und prompt schlugen sie bei mir zu. Am Tag nach Mickey Mouse plagte mich hohes Fieber, Schüttelfrost und Husten mit eitriger Bronchitis. Ein paar Tage im Bett waren also die Strafe für die zügellosen Ausschweifungen an diesen amerikanischen Orten der Hochkultur. Alles hat eben seinen Preis.

Zum Glück funktionierte das gewählte Antibiotikum aus meinem Medizinschrank und bald war ich wieder bereit mit Andrea die letzte Attraktion bei Titusville zu besuchen. Cape Canaveral.

Gleich am Morgen startete Space X eine Falcon9 🚀 mit riesen Brummen und Geräuschen, wie bei einem Megafeuerwerk. Wir konnten es von SYMI’s Vordeck beobachten. (Entschuldigung für die schlechte Fotoqualität).
Dann gings mit einem Uber, der hier wirklich überall günstig zu haben ist, zum Eingang des Kennedy Space Centers. Uns führte ein 78-jähriger Uber Fahrer. Hier in den USA verdienen, oder besser müssen sich ältere Menschen zu ihrer meist niedrigen Pension bis ins hohe Alter Geld dazu verdienen, in Wien wäre dies sicher ein Skandal. Man muß sich nur die Schlagzeile dazu vorstellen: 80 jähriger Taxilenker fährt in seiner Freizeit Uber… Der nette Herr erklärte uns, daß das Zubrot ein Positivum für ihn ist, dass er aber die Abwechslung liebt und es durchaus schätzt zwei Tage der Woche Uber zu fahren und nicht zu Hause zu sitzen.
Das Space Center hat wirklich tolle Ausstellungen. Raketen, Kapseln und und die gute alte Atlantis sind wirklich Highlights. Bei der Bustour durch das Areal kommt man sowohl bei der größten Montagehalle der Welt vorbei, als auch bei Elon Musks SpaceX Fabrik. Wer natürlich vor Ort nicht fehlen darf ist Jeff Bezos mit seiner privaten Firma „Blue Origin“, die auch ein paar Hallen für sein privates Raumfahrtprogramm in Cape Canaveral gemietet hat.

Meine Bronchitis wurde besser und daher beschlossen wir, unsere ICW Tour weiter in nördliche Richtung fortzusetzen. Nächstes Ziel 8 Stunden entfernt: Daytona Beach.
Berühmter Ort der NASCAR Autorennen. Bei unserer Ankunft öffnete sich der Himmel und ein starkes Gewitter mit Tropenregen verhinderte jeglichen Kontakt mit dem Land.

Morgens mussten wir recht früh los, um die nächste Flußetappe zu schaffen. Trotz des Studierens der aktuellen Tidenpläne, bekommt man häufig an Flußgabelungen oder seichten Stellen plötzlich Gegenstrom und wird dann unfreiwillig auf die halbe Geschwindigkeit heruntergebremst. Die Flußtiefe liegt zwischen 1,8 und 4 Metern. An stark schlängelnden Kurven fielen uns einige Segel und Motorboote als stille Zeugen auf, daß man bei dieser Flußfahrt vollste Konzentration walten zu lassen hat. Verlasse niemals die vorgegebene Fahrrinne.

Die Ufer sind zum Großteil besiedelt. Man findet dort die typischen hohen Stege mit einem Motorboot darauf hochgehievt und dahinter das Einfamilienhaus mit einer großen US-Flagge. Die Verandas sind meist in Mosquito sichere Volieren mit Mückenschutz umgebaut. Denn abends kommen sie aus ihren Verstecken, die Biester.

Gegen 18:00 Uhr erreichten wir schließlich Saint Augustine. Der Stolz der Amerikaner, denn 1565 wurde diese Siedlung durch ankommende Spanier begründet und gilt somit als älteste Stadt der USA. Die berühmten Gebäude hier liegen alle in der Innenstadt und wirken irgendwie überrestauriert. Fast wie in Disneyworld. Ein altes Fort, ein Hotel im spanisch, kolonialistischem Stil um das Jahr 1888 gebaut und vor 50 Jahren zu einem College umgewidmet sind hier fix mit dem Namen des Ölmillionärs und Anteilhaber der Eastern Railways Henry M. Flagler verbunden. Auf der anderen Seite des Hauptplatzes liegt das zweite Großhotel, erbaut am Ende des 18.Jahrhunderts von Otto Lightner. Er erkannte wie Flagler das Potential dieses auch im Winter relativ gemäßigten Klimas und zusammen wurden diese Hotels als Winterzuflucht für reiche New Yorker geplant. Gleich dazu baute Flagler die Eisenbahnstrecke von Tür zu Tür aus und führte sie dann sogar bis Miami weiter. Saint Augustine erfreute sich bis in die 50-er Jahre als Kurort der East Coast Reichen und ist heute dank seines Status als „älteste Stadt der USA“ immer noch Touristenattraktion.

Am 2.6.25 ging es nun endlich hinaus aus St. Augustine und wieder auf den Atlantik. Die Strecke, die wir bis zur Flußeinfahrt nach Savannah/Georgia zurückzulegen hatten, war auf offener See bei leichtem Wind wesentlich einfacher als auf dem immer geschlängelteren Fluß des ICW.
Nach einer Nacht und 220 km erreichten wir gestern das Flußdelta, durch welches wir nach 25 Kilometern Fahrt mit der Tide den namensgebenden Ort Savannah erreichten.
Zum Sonnenaufgang begleiteten uns große Tümmler. Immer wieder ein nettes Erlebnis.

Schönheitspreis gibt es für den Anlegesteg am Hauptplatz keinen, auch der Regen verdarb uns die Lust auf Sightseeing am Vormittag, aber nun klart es auf und wir werden in die Stadt spazieren. Also Details gibt es das nächste Mal.
Nächstes Ziel ist morgen Charleston.


Allerbeste Wünsche von Bord Symi
Bleibt gesund

Reading time: 7 min

Ahoi und einen schönen Tag wünsche ich Euch aus Cape Canaveral. USA.

Nach dem Landausflug für Zoll und Einklarierung im Regen, kehrten wir zu Symi an Bord zurück und mussten eine weitere Nacht bei teilweise wirklich extremen Regengüssen, zum Glück ohne Gewitter, in Westpalm Beach im Hafen verbringen. Hafen ist nicht ganz die richtige Beschreibung. Besser wäre: ein breiter Kanal. Florida ist an seiner Ostküste mit fast durchgehenden 0,5 bis 3 km breiten Inseln vom Atlantik abgeschirmt. Diese sind zum Beispiel bei Miami künstlich angelegt, weiter nördlich schmäler, aber natürlich. Zwischen dem Festland und den Inseln läuft der Intracoastal Waterway (ICW) dessen Struktur ich dir hier erklären will.

Die Idee eines durchgehenden Wasserwegs entlang der Ostküste entstand bereits im frühen 19. Jahrhundert, um eine sichere und effiziente Transportroute von Nord nach Süd zu schaffen. Er ist eine rund 4.800 Kilometer lange geschützte Wasserstraße entlang der Atlantik- und Golfküste der USA. In Florida spielt er eine bedeutende Rolle für die Binnenschifffahrt, den Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung der Küstenregionen. Der Ausbau des ICW begann 1880 mit der Gründung der Florida Coast Line Canal & Transportation Company. Diese private Gesellschaft baute bis 1912 ein 500 Kilometer langes Kanalsystems von Jacksonville bis Miami.
Ab 1929 übernahm der US-Kongress die Kontrolle über den Wasserweg und übertrug die Verantwortung für den Ausbau und die Wartung an das U.S. Army Corps of Engineers. Ab dem Zweiten Weltkrieg hatte der ICW strategische Hintergründe.
Die Bedrohung durch deutsche U-Boote entlang der Atlantikküste machte eine sichere, küstennahe Transportroute für militärische und kommerzielle Schiffe erforderlich. Der ICW ermöglichte es, Güter und Truppen effizient und geschützt entlang der Küste zu bewegen. Heute dient der ICW sowohl kommerziellen als auch Freizeitaktivitäten. Er verbindet wichtige Städte wie Jacksonville, Miami und Fort Lauderdale und bietet eine sichere Route für Boote und Yachten ohne auf dem Atlantik zu segeln. Der ICW Wasserweg ist Teil einer “Great Loop” genannten Schiffsroute, bei der man mit einer Motor- oder Segelyacht (wegen der vielen Brücken ohne Mast) von Miami nach New York, durch die großen Seen bei Ottawa in Kanada vorbei in den Mississippi nach Süden in den Golf von Mexiko und schließlich durch einen weiteren Kanal von der Westküste Floridas bis Miami zurück kommt. Für Interessierte hier der Link zur Tour ICW.
Wir müssen heuer „nur“ bis Washington DC kommen.
Mir war es während unserer Reise in der Karibik und Bahamas gar nicht bewusst, wie sehr sich in einem halben Jahr durchgehend auf dem Boot und auf See unterwegs die eigene Wahrnehmung schärft und man sich an Ruhe und Abgeschiedenheit gewöhnt hat, ja sie auch, wenn es mal eng und laut wird am Ankerplatz, herbeisehnt. Das Ohr nimmt Lärm lauter wahr, die Nase registriert jede kleinste Auspufffahne eines Mopeds, das an Land vorbeifährt, wesentlich intensiver und unsere Augen waren mehr oder weniger auf die Farbe Türkis eingestellt. Das Türkis oder Türkisgrün beruhigend wirkt konnte ich jahrelang in diversen OP-Sälen miterleben. Aber das Türkis des Meeres ist mir um vieles lieber.
Bis auf den Motorenlärm anderer Boote und die eventuell vom lokalen Restaurant herüber wehenden Küchengerüche waren unsere Sinne offen und frei. Die beliebten Wochenend-Karaoke-Nächte nimmt man genauso hin wie den manchmal lärmenden Nachbarn, der zum Sonnenuntergang seine Boots Stereoanlage ausreizt.
Was passierte nun mit mir, als wir in West Palm Beach ankerten: in meinem Bett liegend, nahm ich beim Einschlafen wahr, das ein auffälliges Brummen um mich war. Eine Art Lärmglocke, die man örtlich nicht festlegen konnte. Es war ein Gemisch aus Autos, Industrie, Hafen, Geräusche von Schleppern und Kreuzfahrtschiffen, von entfernt passierenden Zügen und nicht zu vergessen, den zahlreichen Kleinflugzeugen, die hier in Florida herumfliegen wie zu Hause die Tauben.
Man spürt, hört, riecht, daß die Stadt, die einen umgibt, lebt und pulsiert. Auch die Lichtverschmutzung fällt sofort auf. Es wird in diesem Hafenteil nie ganz dunkel und Sterne schauen ist somit vorbei.
Dieses Pulsieren und Brummen waren etwas, dass ich in den letzten Monaten völlig vergessen hatte. Bei der Erledigung der Zollpapiere und dem damit verbundenen Spaziergang an Land, vorbei am Terminal des Kreuzfahrt Unternehmens MSC, das in der Größe einem Flughafen Graz alle Ehre macht, komme ich mir in der Hektik des Hafenbetriebs irgendwie fremd oder wie am falschen Ort vor. Es kam mir wirklich die Frage in den Sinn, wie denn eine so große Stadt mit ihren vielen Einwohnern und Einrichtungen überhaupt funktionieren kann.
Ich war schon an die ruhige, kleine Welt gewöhnt. Hatte ich wirklich vergessen, dass es selbstverständlich ist, dass alle Menschen ihrer Arbeit nachgehen und jede Stadt und jedes Unternehmen seine Ordnung hat nach Protokollen, die tagtäglich aufs Neue ablaufen. Ich war nicht auf dem Mond und auch nicht in der Südsee, aber ich war weit genug weg von Trubel und Hektik der großen Städte. Dies war jetzt vorbei, das war uns von Anfang an bei der Planung der USA Reise bewusst. Am nächsten Morgen weckte uns Sonnenschein und beim Rundgang um das Bootsdeck, bemerkte ich den nächsten Beweis für die Rückkehr in die Zivilisation. Mit dem starken Regen haben sich offensichtlich Metallpartikel auf dem Boot niedergelassen und die gesamte weiße Decksoberfläche mit braunen Spuren bedeckt. Zuerst dachte ich noch, ich wische es mit dem feuchten Finger weg, musste aber dann mit schwereren Gerät anrücken, einem französischen Spezial Entroster (natürlich biologisch abbaubar). Andrea und ich verbrachten mindestens 4 Stunden, ausgestattet mit je einem kleinen Borstenpinsel, um die sicherlich 200 Roststellen einzeln zu betupfen und nachträglich mit klarem Süßwasser. abzuspülen. Anders war dem Rost nicht beizukommen und wenn man ihn nicht entfernt, würde er ewig auf dem Deck sitzen und sich einbrennen. Woher diese Eisenmoleküle kamen, werden wir nie erfahren.

West Palm Beach

Schleunigst verließen wir mit SYMI diesen lauten Hafen und segelten an der Außenseite der Küste bis zur nächsten Einfahrt nordwärts. Durch einen Kanal ging’s zu einem verschlafenen typisch amerikanischen Nest namens Manatee Pocket. Leider war dies nur der Name „Seekuh Nest“. Wir bekamen an unserer Boje leider keines dieser so tollpatschig wirkenden lieben Tiere zu Gesicht. Wir hoffen aber weiterhin auf eine Begegnung.
Da unsere Vorräte bereits zur Neige gingen, besuchten wir einen Supermarkt. Auch hier findet man das ewige amerikanische Motto. Alles ist XXL. Die Auswahl und Markenvielfalt überwältigte uns wiedermal. Obst, Gemüse, Käse und Wurst Serials und Milchsorten in 3,5 Liter Plastikflaschen. Low, 1%, 2%, high fat or no fat. Nach den Minimärkten der Exumas waren wir begeistert von dieser XXL Auswahl. Cheese Balls kauften wir keine!

XXL Cheese Balls

Von dieser Marina ging es dann ganz gemütlich mit 5-6 kn den ICW weiter nach Norden. Mehr als acht Stunden und somit ca. 40 sm kann man pro Tag nicht schaffen und außerdem gibt es fast die ganze Zeit Grundstücke und Häuser zu bestaunen, die rechts und links, wie teure Villen an Wörthersees Ufern liegen.
Dazwischen passierten wir sicher ein halbes Dutzend fest gebaute hohe Autobahnbrücken. Sowohl auf der Seekarte als auch vor der Brücke ist die Durchfahrtshöhe beschrieben. Es sind alle 65 Fuß hoch. SYMI’s Mast hat mit Antenne eine Höhe von 59 Fuß.
Daher hatten wir bei der ersten Durchfahrt etwas Bammel, als das aber hinter uns lag, schauten wir bei den weiteren Brücken nicht mal mehr hinauf zum Masttop.

Delfine und Schildkröten schwimmen dazwischen und auf den Fahrkanal Betonnungszeichen sitzen Fregattvögel, Seeadler oder Pelikane.

SYMI am See unterwegs

Der ICW ist manchmal abwechslungsreich, manchmal etwas langweilig. Zu einem langweiligen Teilstück gehört jener Teil, der von seiner Größe durchaus dem Neusiedlersee entsprechen könnte. Tiefe rundherum nur 70cm, in der eher schmalen Fahrrinne aber 2m tief.
Wir passierten dann die Orte Vero Beach und Palm Beach und nahmen uns schließlich genau gegenüber der großen Montagehalle von Cape Canaveral eine Mooringboje. Titusville heißt der Ort.

Unser Plan ist für fünf Tage einen Mietwagen zu nehmen, das Boot an der Boje zu lassen und Richtung Orlando zu fahren. Die Themenparks warten…
Pass gut auf auf Dich und bis demnächst
Pauli von Bord SYMI (größere Fotos findest Du hier)

Reading time: 7 min
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