Dear friends of SailingSymi,
SYMI und wir sind heute Freitag, den 23.9.2026, nach einer letzten Dreitagesfahrt auf der Insel Kefalonia/Griechenland eingetroffen.
Gehen wir zur Abrundung des Reiseberichts noch ein paar Tage zurück.
Nach der kurzen Pause auf Sardinien starteten wir morgens um 6:00 Uhr zur vorletzten Etappe Richtung Osten. Der Startzeitpunkt richtete sich genau nach dem prognostizierten Wetter. Wie schon im letzten Block erwähnt, ist das Herbstwetter im Mittelmeer eher unbeständig und es kommt vor, dass man durch ungünstige Winde tagelang an einem Ort fest sitzt.
Nachdem es drei Stunden segelnd in Richtung Sizilien flott dahin ging, traten vor uns rasch riesige schwarze Regenwolken auf und schickten heftige Blitze herab. Der Wind vor uns nahm zu und erreichte bald 30 Knoten, was mich dazu veranlasste, durch eine Wende der Gewitter Zugrichtung auszuweichen. Durch diesen Haken im Kurs verloren wir ein paar Stunden aber blieben heil und trocken.
Am Morgen des nächsten Tages passierten wir Palermo, ein beliebter Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe. Das bemerkten auch wir auf unserem Plotter in der Nacht. Ein Monster nach dem andern schlich sich aus dem Hafen, kreuzte unseren Kurs und verschwand dann, mit noch meilenweit sichtbarer Decksbeleleuchtung, in verschiedene Richtungen. Die Nordküste Siziliens ist ungefähr 280 km lang, bietet nur vereinzelt sichere Ankerplätze, die aber wiederum nur für gewisse Windrichtung echten Schutz bieten.
Mein Plan war daher die Nordostspitze, kurz vor dem Kanal von Messina, in einer Tour zu erreichen. Auch hier „unterstützten“ uns einige Gewitterböen bei der Bootsgeschwindigkeit, ohne uns aber gefährlich zu werden.
Ich hatte mir für diese Nacht einen Ankerplatz ausgesucht, der ausschließlich bei Südwind halbwegs sicher war. Er lag offen, 300 m vor der Küste, auf einer Sandbank, zwischen einem Sperrgebiet im Osten, dass zur Straße von Messina gehört und einem Minenräumungs Übungsgebiet der italienischen Marine im Westen.
Meine Kalkulation mit dem wirklich in all den Jahren bewährten PredictWind Programm ging vollends auf. Es begann zwar bereits dunkel zu werden, aber das Wichtigste, der Nordwind flaute ab und drehte auf Süd. Somit lagen wir bis auf zwei heftige Regengüsse, die ganze Nacht sicher vor Anker. In unbekannten Gebieten mit Strömungen und einer unsicheren Wetterlage verwende ich gerne einen Ankeralarm.
Es ist dies eine in der Schiffselektronik installierte App, die man am Punkt, an dem der Anker abgesenkt wird, aktiviert, dann einen Radius in Metern wählt, innerhalb welchem sich das Boot drehen darf. Berührt es diesen virtuellen Kreisrand ertönt ein Alarm.
Wir konnten uns in dieser Nacht gut ausruhen und um 8:00 Uhr ging es wieder Anker auf und hinein in die Straße von Messina, einem Ort, der in der griechischen Mythologie, in der Odyssee Homer’s, durch die Geschichte von Skylla und Charybdis zu den bekanntesten Abenteuern des Odysseus gehört.
Es gibt sogar hier eine lustige Parallele unserer Reise mit Odysseus Weg nach Hause nach Griechenland. Schließlich ist unser Ziel die Insel Kephalonia, die Nachbarinsel von Odysseus Heimat, Ithaka. Und so erzählt es die Geschichte:
Odysseus ist nach dem Trojanischen Krieg mit seinen Männern auf dem Weg zurück nach Ithaka. Auf seiner langen Irrfahrt gelangt er schließlich an eine gefährliche Meerenge, in der auf der einen Seite Skylla (heute ein Ort mit dem Namen Scilla) und auf der anderen Charybdis (Messina) lauern. Skylla ist ein schreckliches Meeresungeheuer. Homer beschreibt sie als ein Wesen mit mehreren Köpfen – sie lebt in einer Felsenhöhle und schnappt mit ihren langen Hälsen nach vorbeifahrenden Seeleuten. Odysseus kann nicht verhindern, dass Skylla sechs seiner Männer packt und verschlingt. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich Charybdis, ein gewaltiger Meeresstrudel, der das Wasser dreimal am Tag einsaugt und wieder ausstößt. Ein Schiff, das zu nahe kommt, kann mitsamt der Besatzung verschlungen werden. Odysseus steht vor dem Dilemma bei der Durchfahrt, entweder durch den Strudel eingesaugt oder vom Ungeheuer angegriffen zu werden. Daraus hat sich bis in die heutige Zeit das Sprichwort:
„Zwischen Skylla und Charybdis“ gebildet.
Es bedeutet, dass man sich zwischen zwei Gefahren befindet und keine wirklich gute Lösungsmöglichkeit hat.
Uns ging es da wesentlich besser als Odysseus. Ich hatte eine aktuelle Meeresströmungsprognose, Starlinks Satelliten Verbindung, einen rezenten Wetterbericht und hatte bereits zweimal zuvor mit SYMI die Straße von Messina passiert. Also nichts wie durch. Durch die Strömung beschleunigt sich die Fahrt um fast drei Knoten und die einzigen Gefahren waren die Rollfähren, die wie ein Wespenschwarm zwischen Reggio und Messina hin und her pendeln und höchsten Vorrang haben. Bereits nach zwei Stunden erreichten wir Reggio di Calabria und tuckerten unter Motor weiter bis an die Ecke, an der sich dann nach Osten das ionische Meer eröffnet. Die Küste Calabriens bietet an ihrem Südzipfel des italienischen Stiefel nichts besonders Schönes. Gasspeicher, ein Betonwerk und ein paar kleine Orte sind alles. Die paar Palmen und der Leuchtturm waren der äußerste Punkt Calabriens.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir dieses SO-Kap und fuhren nun gegen eine auch dort recht kräftige Strömung aus Nordwest und auch recht große Dünung, die vom starken Wind des Vortages im ionischen Meer stammte, in die Nacht.
Der gestrige Segeltag war phänomenal. Jeder Segler wird mir zustimmen, dass es kaum etwas feineres gibt, als bei 15-18 Knoten auf Halbwindkurs (der Wind trifft von 90° auf das Boot) die Wellen mit bis zu neun Knoten abzusegeln. Herrlich. Die letzte Nachtfahrt dieser großen Reise war von einem fast vollen Mond beleuchtet und wunderbar ruhig.
Zu meiner Wache löste ich Andrea wieder um 4:00 Uhr ab. Dann gegen 6:00 Uhr tauchte unter dem orange Sonnenaufgang am Horizont der Umriss der Insel Zakynthos und Kephalonia auf.
Glücklich und gleichzeitig etwas melancholisch starrte ich in die aufgehenden Sonne. War es jetzt geschafft? War mein großes Projekt, einer meiner Lebensträume seit ich ein Kind war, mit dem eigenen Boot in die Ferne zu reisen nun wirklich zu Ende? Für uns ist die Zeit wahrscheinlich gar nicht so schnell verflogen wie für Euch. Wir durften täglich Neues erleben, für uns unbekannte Gebiete erkunden, neue Menschen kennenlernen und auch Freunde machen. Es war abwechslungsreich, manchmal sehr anstrengend und dann wieder umwerfend schön. Ich bin sehr froh, daß ich über unsere Abenteur Filme gemacht habe. Sie sind lebendige Erinnerung und bleiben ein Dokument unseres Weges.
Auf der Seekarte war es definitiv vollbracht. Der Kreis ist geschlossen, die Wege haben sich an ihren Punkten wieder vereint. Wir sind (ich mit meiner Schulter „fast“) heil drei Jahre unterwegs gewesen. Jetzt zurück in Pavlos Kostekis Wahlheimat ist das Reisen aber sicher nicht vorbei. So wie schon mein lieber Segelfreund Reinhold sagte: „Karibik war guat und Bahmas super, aber am schönsten is in Griechenland“. Genau das wird der Plan. Hier möchte ich gerne weiter herumsegeln.
Vom Punkt des Sonnenaufgangs waren es nur knapp 20 Seemeilen bis zum großen Ziel. Was war dieser Katzensprung schon im Vergleich zu den seit Beginn der Reise zurückgelegten Meilen:
Von Gibraltar legten wir mit Symi in drei Wochen bis hierher alleine 1352sm (2500km) und seit Juni 2023 ließen wir mit der gesamten Atlantikroute 15.952 Seemeilen (29.511km) im Kielwasser zurück. Dabei haben wir uns und hat sich das Boot wirklich tapfer geschlagen.
Was machen wir nun?
Wir nennen es Griechenland Urlaub. Ohne Stress werden wir noch gute zwei Wochen hier in den ionischen Inseln abhängen. Am 15.10.26 haben wir den Krantermin in der Marina von Mesolonghi und dann ist Einwintern und Wintersperre und unser Heimflug nach Wien.
Noch einmal beste Grüße von Bord
Andrea & Pauli (die Symis)








